Kirchentag auf dem Hesselberg

Ein Fest des Glaubens

Der Festgottesdienst auf dem Hesselberg

Über 10.000 Menschen kamen zum 66. Kirchentag auf den Hesselberg und feierten mit Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm den Festgottesdienst.

Bild: Kerstin Dominika Urban

Bei schwül-warmen Wetter haben mehr als 10.000 Menschen am Pfingstmontag einen Gottesdienst zum 66. Kirchentag auf dem Hesselberg gefeiert. Die Predigt hielt Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.

Das hätte wenige Tage zuvor angesichts der Wetteraussichten keiner gedacht: Am Pfingstmontag waren auf dem Hesselberg wieder alle Bankreihen dicht besetzt. Mehr als 10.000 Gäste feierten dort mit Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm zu Beginn des 66. Bayerischen Evangelischen Kirchentages gemeinsam einen feierlichen Freiluft-Gottesdienst. Das Wetter hielt, es war trocken, dazu schwül-warm - und die Stimmung unter den vielen Besuchern und Organisatoren ausgezeichnet. Vergangenes Jahr hatte das Wetter dem Bayerischen Kirchentag mit Dauerregen arg zugesetzt.

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Bedford-Strohm sagte in seiner Predigt, auf dem Hesselberg sei die Dichte "alltäglicher Priesterinnen und Priester" besonders hoch. Daher fahre er jedes Jahr an Pfingstmontag "immer so gerne" dorthin. Als Beispiel nannte er die Helferin, die für Blumenschmuck in der Kirche sorge und so mithelfe, "dass Menschen die Schönheit Gottes mit allen Sinnen" sehen können. Er nannte die Chöre und Kirchenmusiker in den Gemeinden, "die uns die Schönheit Gottes hören lassen", sowie die diakonischen "Botschafter der Liebe Gottes", die Menschen pflegen und Kranke besuchen, oder die Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe. "Sie tragen unsere Kirche", sagte der Bischof.

Das Wesentliche im Kleinen

In der Kirche stecke trotz so mancher medialer Verfallsdiagnose viel Kraft, sagte Bedford-Strohm. Es tue deswegen gut, "immer wieder mal sinnlich zu erfahren, wie viele wir sind", sagte er. Die großen Zahlen - wie die 140.000 Menschen beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin oder auch die 120.000 Menschen auf der Festwiese in Wittenberg erst vor einigen Tagen - seien es aber nicht notwendigerweise, "die für geistliche Kraft bürgen". Manchmal geschehe Wesentliches im Kleinen: Dass Kirche auch mit kleinen Zahlen Kraft entwickeln könne, zeige die Kirche in Mecklenburg, eine Partnerkirche der bayerischen Landeskirche. Dort sind höchstens 20 Prozent der Bevölkerung Mitglied einer Kirche.

In seiner Predigt verwies Bedford-Strohm mit Blick auf den Predigttext (Samuel 3,1-10) auf die Bedeutung von Ruhephasen. Es brauche das Innehalten, die Unterbrechung, das Kraftschöpfen, um sich dann wieder engagieren zu können - so wie Samuel, der sich im Tempel hingelegt hatte, ehe er Gott dort begegnete. "Ich weiß, ich bin jetzt vielleicht nicht der ideale Kandidat, um anderen Ruhe zu empfehlen", sagte der Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende selbstkritisch. Er nehme dieses Detail im Predigttext aber "umso mehr" wahr. Er freue sich ab Dienstag auf ein paar Tage Urlaub "an einem Ort zwischen Pferden, Schafen und Schweinen, an dem meine Seele Ruhe findet", sagte Bedford-Strohm.

"Vertraut den neuen Wegen"

Die Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski zeigte sich nach dem Gottesdienst in ihrem Grußwort hocherfreut über die vielen Tausend Besucher. Dass der Kirchentag auch in seinem 66. Jahr so viele Menschen anlocke, sei ein Zeichen "großer Verbundenheit" mit der Kirche und dem Hesselberg. Das Thema des Kirchentages "Vertraut den neuen Wegen" im 500. Jahr der Reformation sei gut gewählt. Das Reformationsjubiläum sorge in vielen Gemeinden für neuen Schwung und Aufbruchstimmung; viele probierten Neues aus, statt alles mit "Das war schon immer so" oder "Das haben wir noch nie so gemacht" oder auch "Da könnte ja jeder kommen..." einfach abzuwehren, sagte sie.

Der Bayerische Evangelische Kirchentag auf dem mittelfränkischen Hesselberg bei Gerolfingen fand erstmals 1951 statt - damals wurde dort die neu gegründete Landvolkshochschule eröffnet. Aus diesem Einweihungsfest entwickelte sich der heutige Bayerische Kirchentag.


06.06.2017 / Daniel Staffen-Quandt (epd)