Bayerischer Hesselberg-Kirchentag

4.000 Besucher trotzen Regen und Kälte

Festgottesdienst auf dem Hesselberg

Von 4.000 bis 5.000 Besucherinnen und Besuchern sprechen die Veranstaltenden - und das trotz empfindlicher Kälte.

Bild: Dominika Urban

Es regnet, es ist kalt, es ist ungemütlich - trotzdem sind rund 4.000 Menschen zum Bayerischen Kirchentag auf den Hesselberg gekommen. Erst ein Platzregen lichtete die Reihen etwas.

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ist auch auf dem Hesselberg ein Publikumsmagnet. Seit Jahren gibt es mittags nach dem Freiluftgottesdienst beim Bayerischen Kirchentag auf dem Hesselberg eine Gesprächsrunde mit ihm. Vor zwei Jahren brüteten die Menschen bei sengender Hitze, um ihm Fragen stellen zu können. In diesem Jahr wurde das Gespräch sicherheitshalber doch kurzerhand in die Mehrzweckhalle des Evangelischen Bildungszentrums verlegt. Denn ein Platzregen kurz nach dem Gottesdienst hatte die Besucherreihen auf dem höchsten Berg Mittelfrankens schnell und deutlich gelichtet.

Die Gesprächsrunde mit Bedford-Strohm und Landessynodalpräsidentin Annekathrin Preidel ist anfangs fast schon intim. Keine 100 Menschen haben den Weg in die Halle gefunden, die beiden beantworten geduldig Fragen, sie machen Witze und den Menschen Mut. Wer seinen Glauben selbst kraftvoll lebe, der brauche keine Angst vor Flüchtlingen zu haben, die ihren muslimischen Glauben in Deutschland leben wollen, sagt der Landesbischof. Vielmehr könne man von der Frömmigkeitspraxis vieler Muslime auch etwas lernen - diese könne Christen daran erinnern, wie wichtig es sei, so etwas wie eine eigene Frömmigkeit zu besitzen.

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Die am Ende knapp 300 Menschen haben Fragen zur Wiedereinführung des Buß- und Bettages, wollen wissen, ob Personal in evangelischen Kitas immer auch Kirchenmitglied sein muss - und ob man Flüchtlinge für den christlichen Glauben begeistern darf. Zuguterletzt geht es um den zunehmenden Pfarrermangel in Bayern.

Im Freiluftgottesdienst hatte der Ansbacher Dekan Hans Stiegler zu einem Mit- und Füreinander in der evangelischen Kirche aufgerufen. Oft diskutierten Christen über die richtigen Frömmigkeits- und Glaubensstile, nicht selten täten sich dabei Gräben auf, sagte der Vizepräsident der Landessynode. Diese "endlosen Diskussionen" bänden "unendlich viel Kraft und Zeit", die bei 30.0000 Kirchenaustritten im vergangenen Jahr an ganz anderen Orten eingesetzt werden müssten. Der 65. Bayerische Kirchentag auf dem Hesselberg am Pfingstmontag stand unter dem Motto "Miteinander, Zueinander, Füreinander - Viele Gaben, ein Geist".

"Schluss mit Egoismus"

Die Vielfalt geistlich unterschiedlich geprägter Menschen sei ein Abbild des Reichtums Gottes, zitierte Stiegler den Apostel Paulus. Das bedeute konkret "für uns und unsere Gemeinden: Nicht der Pfarrer, die Pfarrerin kann alles, weiß alles und macht alles". Kirche und Gemeinde lebten von den Gaben aller Getauften und nicht von den Ämtern. Manchmal dränge sich der Eindruck auf, dass sich eine Gemeinde absolut alleine genüge. "Paulus redet aber von der Einheit des ganzen Leibes", betonte Stiegler. Gemeinden müssten in geschwisterliche Beziehung gesetzt werden: "Pfingsten macht Schluss mit dem Egoismus in jeder Hinsicht!"

Der Bayerische Evangelische Kirchentag auf dem mittelfränkischen Hesselberg bei Gerolfingen fand dieses Jahr zum 65. Mal statt. Trotz des immer wieder einsetzenden Regens und Temperaturen von etwa fünf Grad waren rund 4.000 Menschen zum Freiluftgottesdienst am Morgen des Pfingstmontags gekommen. Am Nachmittag fand noch die sogenannte Hauptversammlung statt. Hauptredner dort war Pfarrer Christian Ebert vom Zentrum für Mission in der Region der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).


17.05.2016 / Daniel Staffen-Quandt (epd)