Gottesdienst in der Justizvollzugsanstalt

Breit-Keßler: Glaube befreit zur Tapferkeit

Laternen in der Dunkelheit

"Wo man sich die Finsternis klar macht, in sie hinein leuchtet und sich Ängste eingesteht, da kommt Gott zur Welt",erklärte die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler in ihrer Predigt in der JVA Stadelheim.

Bild: creative commons

Zu mehr Aufmerksamkeit für den Justizvollzug hat Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler bei einem Weihnachtsgottesdienst in der JVA Stadelheim aufgerufen. „Das hier ist keine Resterampe!“

Gefangenen sowie Beamtinnen und Beamten müsse mehr Beachtung geschenkt werden, so die Regionalbischöfin. "Die einen brauchen uns, um zurückkommen zu können in die Gesellschaft, und die anderen, um nicht weniger zu gelten als andere, renommierte Berufe." Hier müsse die Gesellschaft „mehr Licht ins Dunkel der Ahnungslosigkeit“ bringen. Die Gefangenen sollten als die Menschen gesehen werden, die sie sind - mit Schattenseiten, Abgründen und Chancen auf Zukunft.

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Die Heiligen Nacht sei zunächst stockdunkel und beängstigend gewesen, betonte die Regionalbischöfin. „Fürchtet euch nicht! Wer so etwas sagt, der weiß, dass manches zum Fürchten ist.“ Furcht erlebten Gefangene wie Beamten, so die Regionalbischöfin: die einen das unsichere Warten in der Untersuchungshaft und die bangen Fragen danach, was die Zukunft bringen werde, die anderen die Furcht vor Überforderung durch Personalmangel und Überstunden sowie die Belastung durch die Geschichten der ihnen Anvertrauten. "Fürchtet euch nicht – leichter gesagt als getan."

Klarheit, die Angst macht

Mit dem Licht werde es in der Weihnachtsgeschichte erst einmal nicht besser – im Gegenteil: „Es wird hell und alle fürchten sich noch mehr.“ Dort, wo Klarheit dazu zwinge, sich selber und seine Taten anzusehen, sei dies oft erschreckend und schmerzhaft. Aber nur wer klar einsehe, was er getan habe und wie es dazu gekommen sei, könne vorankommen. Dies gelte ausnahmslos für alle: „Wer achtsam ist, den hat es schon mal geschüttelt vor Schreck über sich selbst, der hat die Erkenntnis gewonnen, wie es vielleicht besser weitergehen könnte.“

"Da kommt Gott zur Welt!"

Der Glaube an Gott befreie Menschen dazu, „ihren Verstand zu gebrauchen, ihr Herz in die Hand zu nehmen, um allein und zusammen mit anderen tapfer ihr Leben zu gestalten“, ermutigte die Regionalbischöfin. „Gottes Liebe, die in einem Kind beginnt, ist unendlich. Wir können niemals wirklich verloren gehen.“ Wo Dunkel und die Furcht kein Thema seien, da werde es auch nicht wirklich Weihnachten. „Aber wo man sich die Finsternis klarmacht, in sie hineinleuchtet und sich Ängste eingesteht, da kommt Gott zur Welt.“


22.12.2017 / ELKB