Reformationsgedenken Lund

Neu entdecken, wer wir in Christus sind

Bischof Munib Younan, Papst Franziskus

Ökumenischer Gottesdienst zum gemeinsamen katholisch-lutherischen Reformationsgedenken in Lund, Schweden.

Bild: Svenska Kyrkan

Etwa 450 geladene ökumenische Gäste im Dom zu Lund sowie 10.000 Besucher der Malmö Arena wohnten dem historischen Ereignis bei: das Gemeinsame katholisch-lutherische Reformationsgedenken. 

Papst Franziskus sowie LWB-Präsident Bischof Dr. Munib A. Younan und LWB-Generalsekretär Junge waren erstmalig Gastgeber eines Reformationsgedenkens auf internationaler Ebene. Dank, Buße und das gemeinsame Zeugnis waren Teile der Liturgie des ökumenischen Gottesdienstes.

„Jetzt haben wir im Rahmen des gemeinsamen Gedenkens der Reformation von 1517 eine neue Chance, einen gemeinsamen Weg aufzunehmen, der sich in den letzten 50 Jahren im ökumenischen Dialog zwischen dem Lutherischen Weltbund und der Katholischen Kirche gebildet hat. Wir dürfen uns nicht mit der Spaltung und der Entfremdung abfinden, die durch die Teilung unter uns hervorgerufen wurden. Wir haben die Gelegenheit, einen entscheidenden Moment unserer Geschichte wiedergutzumachen, indem wir Kontroversen und Missverständnisse überwinden, die oft verhindert haben, dass wir einander verstehen konnten“, so Papst Franziskus in seiner Predigt.

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„Indem wir Jesus unter uns wahrnehmen, beginnen wir auch, einander in einem neuen Licht zu betrachten. Uns wird bewusst, dass uns viel mehr eint, als uns trennt. Wir sind Reben an demselben Weinstock. Wir sind eins in der Taufe. Darum feiern wir dieses Gemeinsame Reformationsgedenken: um neu zu entdecken, wer wir in Christus eigentlich sind“, führte LWB-Generalsekretär Junge in seiner Predigt aus und forderte Katholiken und Lutheraner auf, sich „abzuwenden von einer von Konflikt und Spaltung überschatteten Vergangenheit, um den Weg der Gemeinschaft zu gehen.“

Als Zeichen dafür, dass Katholiken und Lutheraner weitere Schritte aufeinander zugehen wollen, unterzeichneten Papst Franziskus und LWB-Präsident Younan ein Gemeinsames Wort. Es fordert lutherische und katholische Gemeinden und Gemeinschaften dazu auf, den Weg zur Einheit, zu der Gott die Kirche beruft, mutig und hoffnungsvoll weiterzugehen.

Bedford-Strohm: Schritte der ökumenischen Annäherung

„Unsere Spaltung hat vom ursprünglichen Empfinden des Gottesvolkes, das sich von Natur aus nach Einheit sehnt, weggeführt: Diese heute von Papst Franziskus gesprochenen Worte haben mich sehr berührt“, so EKD-Ratsvorsitzender und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in einer ersten Reaktion zu den ökumenischen Feierlichkeiten in Schweden.

„Franziskus spricht damit vielen Christen in Deutschland aus dem Herzen, die in den Gemeinden vor Ort schon heute eng miteinander verbunden sind. Die in Lund veröffentlichte Erklärung von Lutheranern und Katholiken trägt dieser Tatsache Rechnung. Sie unterstreicht die gemeinsame seelsorgerliche Verantwortung beider Kirchen mit Blick auf die noch nicht gegebene volle Abendmahlsgemeinschaft.“ Bedford-Strohm weiter: „2017 ist eine historische Chance auf dem Weg zur Einheit der Kirchen. Wie sehr ihm der ökumenische Weg am Herzen liegt, das hat Papst Franziskus heute erneut deutlich gemacht. Ich bin ihm zusammen mit vielen Christen weltweit dankbar dafür. Indem wir Christen schmerzhafte Trennung in versöhnter Verschiedenheit überwinden, legen wir in einer Welt voller Konflikte und Krieg gemeinsam Zeugnis unseres Glaubens ab.“

"Ungemein bewegend"

Maria Stettner, Heinz Dunkenberger-Kellermann und Florian Schuppe haben im nahen Stadion in Malmö den Gottesdienst live mitverfolgt. „'Lund' kann man mit Fug und Recht als ein historisches Ereignis bezeichnen. Nicht nur dass vor 50 Jahren hier der lutherische Weltbund gegründet wurde - sondern auch weil 2016 von Lund ein neuer Aufbruch ausgeht, eine große Ermutigung, dass Lutheraner und Katholiken gemeinsam Christus feiern und bezeugen, dass sie gemeinsam für Versöhnung , Frieden und Gerechtigkeit eintreten in unserer Welt“, so Maria Stettner. "Es war ungemein bewegend." Sie arbeitet zusammen mit ihrem Kollegen Dunkenberger-Kellermann in der Ökumene-Abteilung des evangelischen Landeskirchenamts in München. Zur Reisegruppe gehört auch Florian Schuppe, der Ökumenereferent der Erzdiözese München und Freising.

 

Neu entdecken, wer wir in Christus sind

Bischof Munib Younan, Papst Franziskus,© Svenska Kyrkan

Bild: Svenska Kyrkan

 Papst Franziskus sowie LWB-Präsident Bischof Dr. Munib A. Younan und LWB-Generalsekretär Junge waren erstmalig Gastgeber eines Reformationsgedenkens auf internationaler Ebene.

Gemeinsames Wort

Bischof Munib Younan, Papst Franziskus ,© Svenska Kyrkan

Bild: Svenska Kyrkan

Als Zeichen dafür, dass Katholiken und Lutheraner weitere Schritte aufeinander zugehen wollen, unterzeichneten Papst Franziskus und LWB-Präsident Younan ein Gemeinsames Wort.

Stärkung der Zusammenarbeit

Gemeinsames Reformationsgedenken Halle Malmö Schweden,© ELKB

Bild: ELKB

Malmö: der zweite Teil des Nachmittags dreht sich um die gemeinsame Verantwortung der Kirchen im Blick auf die Nöte unserer Welt: Klimawandel, Flüchtlinge, Armut, mangelnde Bildung. Der Weltdienst des Lutherischen Weltbundes (LWB) und Caritas Internationalis haben heute eine Absichtserklärung unterzeichnet, in der sich die beiden weltweit tätigen christlichen Organisationen wechselseitig darauf verpflichten, ihre Beziehungen zu vertiefen und in den Bereichen humanitäre Hilfe und nachhaltige Entwicklung enger zusammenzuarbeiten. 

Aufruf zum gemeinsamen Zeugnis in einer leidenden Welt

Gemeinsames Reformationsgedenken Halle Malmö,© ELKB

Bild: ELKB

Im Rahmen der Festveranstaltung in der Malmö Arena würdigten der Papst und der LWB-Präsident fünf katholische und lutherische Christinnen und Christen aus Burundi, Indien, Kolumbien, dem Südsudan und Syrien und ihr vom Glauben getragenes Eintreten für soziale Gerechtigkeit. 

Kinder - unsere Zukunft

Ms Marguerite Barankitse aus Burundi ,© ELKB

Bild: ELKB

Ms Marguerite Barankitse aus Burundi berichtet in der Malmö Arena sehr bewegend vom Sieg der Liebe. Sie hat gegen Widerstände hunderten armen und verlassenen Kindern ein Zuhause gegeben. "Those children are our future." Den Kritikern, die sie verrückt nannten, sich so einer Aufgabe anzunehmen, hielt sie entgegen. "The first crazy man was Jesus , because his strategy was love." Inzwischen lebt sie als Flüchtling in Ruanda und kümmert sich auch hier um die Kinder -unsere Zukunft.

Gemeinsam in die Zukunft gehen

„Wir fahren als ökumenisches Paket“, sagt Stettner. In der kleinen Gruppe wollen sie das Gleiche tun, was im Dom zu Lund passiert. „Wir blicken gemeinsam auf die Geschichte zurück, die nicht nur ruhmreich war, wir bitten einander um Vergebung und wollen gemeinsam Schritte in die Zukunft gehen“, sagt Maria Stettner, Ökumenereferentin der bayerischen Landeskirche.

Die bayern-evangelisch.de-Redaktion hat die Ökumene-Spezialisten direkt nach ihrer Rückkehr nach ihren Erfahrungen und Eindrücken gefragt.

Was haben Sie hier in Malmö in der Halle erlebt?
Heinz Dunkenberger-Kellermann: „In der Arena herrschte eine Athmosphäre voller Freude, ganz ähnlich der Freude wie sie dem Papst und Younan nach der Unterzeichnung anzusehen war. Uns allen – Frau Dr. Maria Stettner, Herrn Dr. Florian Schuppe und mir selbst –, aber auch bei uns deren Freunden aus der schwedischen Partnerkirche war diese Freude anzumerken und die Dankbarkeit, dass es diesen gemeinsamen Gottesdienst gegeben hat und dass wir diesen miterleben durften.
Maria Stettner: „Hier in Malmö dabei zu sein, war bewegend. Zum ersten Mal haben Vertreter des Lutherischen Weltbundes und Papst Franziskus gemeinsam einen Gottesdienst geleitet. Diese Gemeinsamkeit war bis in die liturgische Kleidung hinein sichtbar. Das war ein ganz starkes Zeichen: "wir gehören zusammen".

„Wir gehören zusammen.“ Was bedeutet das konkret?
Heinz Dunkenberger-Kellermann: „Die römisch-katholische Kirche und die Lutherischen Kirchen, die bisher in freundlichen Einvernehmen oft nebeneinander gelaufen sind, gehen miteinander ab diesem Zeitpunkt. „Tillsamms“ ist das schwedische Wort für "zusammen" und dieser Begriff trifft genau, was heute passiert ist und wie die Zukunft aussehen soll. Miteinander. Zusammen. Und dabei wurde immer wieder deutlich, dass dieses Miteinander kein Selbstzweck ist, sondern dass wir gemeinsam aufgefordert sind, "hinauszugehen", uns der Nöte der Menschen anzunehmen, über die Ränder unserer Gemeinden hinauszugehen.

Wie kann dieses Miteinander gestaltet werden?
Maria Stettner: „Manche werden vielleicht nach den Konkretionen fragen: hat sich etwas verändert? was wird sich verändern? - Die Frage des gemeinsamen Abendmahls wurde nicht durch ein Machtwort gelöst, sondern als gemeinsame Sehnsucht gekennzeichnet. Aber in der für Papst Franziskus ganz eigenen Weise wurden die Christen dazu ermutigt, selbst Verantwortung zu übernehmen und vor allem das gemeinsam zu tun, was wir bereits gemeinsam tun können. Die Konkretionen sind also unsere gemeinsame Aufgabe für die Zukunft.“

Was war der stärkste Eindruck?
Maria Stettner: Ja, wir gehören zusammen in aller Verschiedenheit. Ja, wir haben eine gemeinsame Mission - zu zeigen, dass Versöhnung möglich ist und dass der Glaube an Jesus Christus nicht Hass und Spaltung verursacht, sondern Frieden und Versöhnung fördert.

 


01.11.2016 / ELKB/LWB/EKD