Gedenkgottesdienst nach Amoklauf

Neue Wege des Miteinanders

Schlussgebet Gedenkgottesdienst für Opfer und Angehörige, Amoklauf München

Mit Appellen für Frieden und Toleranz haben Vertreter aller Kirchen beim Gedenkgottesdienst der Opfer des Amoklaufs von München gedacht.

Bild: Robert Kiderle Fotoagentur

Die Antwort auf die Gewalttat in München seien Wege des Miteinanders und eine neue Fähigkeit des Zusammenlebens – so der Aufruf im Gedenkgottesdienst für die Angehörigen der Opfer des Amok-Laufs. 

 Mit einer Trauerfeier im Münchner Dom und einem Trauerakt im Bayerischen Landtag haben am vergangenen Sonntag, 31. Juli, Kirchen, Politik und Gesellschaft den Opfern des Münchner Amok-Laufs ihr Mitgefühl und ihre Solidarität zugesprochen. Bei dem ökumenischen Gottesdienst im Liebfrauendom in München riefen Kardinal Reinhard Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm zu mehr Menschlichkeit, zu Fürsorge und Wachsamkeit auf. Die Klage über die Opfer dürfe nicht zu Ohnmacht führen, sondern zu konstruktivem Widerstand gegen das Böse, gegen Misstrauen und Angst, sagte Kardinal Marx. Die Antwort auf die Gewalttat seien Wege des Miteinanders und eine neue Fähigkeit des Zusammenlebens. Abschottung, Misstrauen und Angst dürften nicht das letzte Wort haben, sagte Marx in dem Gottesdienst, an dem auch Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnahmen.

Zitat

Wir haben in diesen schweren Tagen erlebt, wie reich unser Leben wird, wenn wir aufeinander achten und zusammen stehen. Wenn wir einander nicht Konkurrenten sind, sondern Mitmenschen. Wenn wir unsere Häuser füreinander öffnen und Gemeinschaft erfahren. Wenn wir nicht nach Hautfarbe, Nationalität oder Religion fragen, sondern nur danach, ob einer unsere Hilfe braucht.

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in seiner Ansprache im Gedenkgottesdienst

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sagte, dass Frühwarnsysteme nötig seien, die helfen, Planungen für Gewalttaten rechtzeitig zu stoppen. Die politisch Verantwortlichen müssten nach Wegen suchen, um das Risiko weiterer Gewaltakte zu begrenzen, forderte er. Die Medien müssten "ihre Berichterstattung reflektieren und für die Zukunft unterscheiden lernen, wo sie ihre Informationspflicht erfüllen und wo sie zu einer möglichen Hysterie beitragen, die niemandem hilft". 

Mehr zum Thema

Der Bischof erinnerte auch daran, wie kostbar das Leben sei. Durch die Bluttaten hätten die Menschen "die Endlichkeit des Lebens vor Augen geführt bekommen". Der Tod sei aber auch sonst da, "aber wir meiden ihn. Wir schieben ihn zur Seite, wo immer wir können." Die vergangenen Tage könnten für eine "neue Klugheit im Umgang mit unserem Leben" sein: "Indem wir merken, wie wenig selbstverständlich das Leben ist. Indem wir wahrnehmen, wie kostbar das Leben ist. Wie kostbar die Zeit mit unseren Lieben ist." Die Bischöfe Marx und Bedford-Strohm dankten den Polizisten und Hilfskräften für ihren Einsatz. Abordnungen von Polizei und Feuerwehr nahmen in ihren Uniformen an dem Gottesdienst teil. Ein orthodoxer Geistlicher, ein Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde und eine Muslima sprachen Gebete.

 Bei dem anschließenden Trauerakt im Plenarsaal des Bayerischen Landtags hob Bundespräsident Gauck den Wert der menschlichen Solidarität hervor. Gerade im Angesicht von Unglück und Verbrechen habe sich auch das "menschliche Gesicht" der Gesellschaft gezeigt, sei der Tat eines Einzelnen die Solidarität von Vielen gegenüber gestanden, sagte Gauck. Denn die Menschen hätten ihre Türen geöffnet und Hilfe angeboten. Den Gewalttätern werde es nicht gelingen, die Werte der freiheitlichen Demokratie ins Wanken zu bringen. Eine Allianz von Staatsorganen und wacher, aktiver Bürgergesellschaft sei die beste Versicherung gegen das "zynische Kalkül" der Gewalttäter. In dieser Allianz liege die Stärke der offenen Gesellschaft, betonte der sichtlich bewegte Bundespräsident.

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm bei Ansprache im Gedenkgottesdienst für Opfer und Angehörige des Amoklaufs von München,© Robert Kiderle Fotoagentur

Bild: Robert Kiderle Fotoagentur

Gottvertrauen hilft aus der Lähmung

Ansprache des Landesbischofs beim Gedenkgottesdienst für Opfer und Angehörige des Amoklaufs in München. Audio-Mitschnitt: Erzbischöfliches Ordinariat München/Pressestelle

In einer persönlich gehaltenen Ansprache sagte Ministerpräsident Seehofer, der Amok-Lauf sei der "schwierigsten Moment" seines Lebens. Von den Gewalttaten in München, Würzburg und Ansbach sei Bayern im Mark getroffen worden. Angesichts der Gefahr hätten die Menschen jedoch auch solidarisch zusammengehalten, weshalb die Mitmenschlichkeit über den Terror gesiegt habe. Die Antwort des Rechtsstaats auf diese Anschläge müsse eine Stärkung der Sicherheitsorgane und eine Personalaufstockung für die Polizei sein. Eine Konsequenz für Gesellschaft und Politik sei, entschlossen gegen jede Form von Terror, Gewalt, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus vorzugehen. Denn Sicherheit sei das "oberste Gut" für eine Demokratie, sagte Seehofer.

Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) kündigte an, dass die Stadt München ein sichtbares Zeichen des Gedenkens errichten werde, damit die Opfer der Gewalttat niemals in Vergessenheit geraten. Nach dem Trauerakt trafen sich die Angehörigen und Familien der Opfer mit Gauck und den Politikern.

 


01.08.2016 / epd/ELKB