Simbach am Inn

Gedenkgottesdienst für die Opfer der Flut

Gedenkgottesdienst in Simbach

In einem bewegenden Gottesdienst haben über 600 Menschen der Opfer des Hochwassers in Niederbayern gedacht.

Bild: pbp

Rund zwei Wochen nach der Flutkatastrophe im niederbayerischen Simbach am Inn haben etwa 600 Menschen in einem emotional bewegenden Gottesdienst der Hochwasseropfer gedacht.

Sieben Menschen kamen bei dem Unwetter ums Leben, Tausende Menschen verloren ihr Hab und Gut, etwa 350 Häuser in dem Ort müssen abgerissen werden. Bei der ökumenischen Gedenkfeier, die Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm zusammen mit dem Passauer katholischen Bischof Stefan Oster zelebrierte, wurde für jedes Todesopfer eine Kerze auf dem Altar angezündet.

Bedford-Strohm und Oster sprachen den Angehörigen und Hochwassergeschädigten neuen Mut zu. Sie dankten den zahlreichen Rettungs- und Einsatzkräften, von denen viele am Gottesdienst teilnahmen. "Wir stehen fassungslos vor einer Katastrophe, einem Unglück, wie es diese Stadt noch nie erlebt hat", sagte der Passauer katholische Bischof Stefan Oster. In seiner Predigt sprach er von einer "tödlichen Zerstörungskraft", die viele brutal und ohne Ankündigung getroffen habe.

Hoffnung in allem Schrecken

Mitten in all dem Schrecklichen gebe es aber auch neue Hoffnung, sagte der Oster. Menschen aus ganz Bayern seien mit Schaufel und Werkzeug gekommen, um zu helfen, "um den Schlamm wegzuschippen, anzupacken und aufzuräumen" oder um einfach da zu sein. Oster zeigte sich hoffnungsvoll, "dass hier wieder neu eine blühende Stadt entsteht, dass unsere überschwemmten Ortschaften wieder im neuen Glanz erstrahlen werden."

Zuvor hatte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm auch die evangelische Gnadenkirche in Simbach besucht und sich über die Situation der Menschen vor Ort informiert. Der Simbacher evangelische Pfarrer Viktor Meißner hatte die Kirche für die Verteilung und den Verleih von zuletzt 400 Trocknungsgeräten geöffnet.  Es gebe große Ängste und Trauer, betonte der Landesbischof, aber auch eine starke Gemeinschaft und Solidarität in diesem Ort. Das Leid der Menschen, die Angehörige und ihre Existenz verloren hätten, sei unermesslich groß und dürfe nicht vergessen werden. "Doch die Simbacher lassen sich nicht unterkriegen und schauen mit Hoffnung in die Zukunft", sagte er nach Gesprächen mit Betroffenen. In dieser schlimmen und schwierigen Zeit, "in der die Seele erst noch nachkommen muss im Hinblick darauf, was passiert ist," sei zu spüren, dass die Kraft aus der gegenseitigen Unterstützung und Hilfe komme.

Neue Existenz aufbauen

Für viele Menschen sei das Hochwasser dramatisch gewesen, jetzt müssten sie sich eine neue Existenz aufbauen, sagte Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf, die ebenfalls am Gottesdienst teilgenommen hatte. Anteilnahme sei wichtig, um sie nicht alleinzulassen, sie zu unterstützen und ihnen neue Hoffnung zu geben. Die bayerische Staatsregierung werde ihnen dabei helfen, "wenigstens den materiellen Schaden zu ersetzen."

Starker Dauerregen hatte Anfang Juni im Landkreis Rottal-Inn eine Sturzflut ausgelöst, die ganze Häuser und Straßen zerstörte. Die Schäden in Niederbayern werden laut bayerischer Staatsregierung auf insgesamt rund eine Milliarde Euro geschätzt. Notfallseelsorger beider großer Kirchen kümmern sich seitdem um die betroffenen Menschen. Die bayerische Landeskirche und Diakonie Katastrophenhilfe haben insgesamt 430.000 Euro zur Verfügung gestellt, um den Opfern der Unwetterschäden schnell helfen zu können. Darüber hinaus bitten Kirche und Diakonie um Spenden für die Flutopfer.


19.06.2016 / EPD