Gedenkgottesdienste nach den Anschlägen

Das Unfassbare fassen

Regionalbischöfin Susanne Breit Keßler, Bischofsvikar Rupert Graf zu Stolberg und Stadtdekanin Barbara Kitelberger beim Gottesdienst zum Gedenken an die Opfer des Amoklaufs in ünchen.

Den Zusammenhalt der "Stadtfamilie" hat Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler beim ökumenischen Gedenkgottesdienst für die Opfer des Amoklaufs von München beschworen.

Bild: Dekanat München .

Nach den Anschlägen in München und Ansbach haben die Regionalbischöfinnen zu Besonnenheit gerufen. Am Sonntag, 31. Juli, feiern Landesbischof Bedford-Strohm und Kardinal Marx einen Gedenkgottesdienst.

"Abschottung im Kopf und Distanz im Herzen helfen nicht, diese Tage, diese heillose Zeit zu bestehen", sagte Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, die ständige Vertreterin des Landesbischofs bei der Gedenkfeier, die am vergangenen Montag in der Münchner Olympiakirche stattfand. Wer das Leid der von Anschlägen betroffenen Familien von München bis Kabul von sich fern halte, werde apathisch.

Zitat

Abschottung im Kopf und Distanz im Herzen helfen nicht, diese Tage, diese heillose Zeit zu bestehen. Im Gegenteil: Wer das Leid der Familien in München, auch in Ansbach, Würzburg und Reutlingen, wer das Elend in Kabul von sich fern hält, der wird apathisch, der resigniert. In dem Maß, in dem Leid verdrängt wird, schwindet Leidenschaft für das Leben."

Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler

Stattdessen sei eine Kultur der Achtsamkeit nötig. "Jeder ist im guten Sinne auffällig und etwas Besonderes, weil Gott ihn zu seinem Ebenbild geschaffen hat", sagte Breit-Keßler und spielte damit auf Medienberichte an, in denen der Amokläufer als "unauffällig" beschrieben wurde. Die Menschen müssten "die, die ihnen anvertraut sind und mit denen sie zu tun haben" besser wahrnehmen. Kindern und Jugendlichen müsse deutlich gemacht werden, dass das eigene Leben und das Leben anderer, "auch das Leben derer, die man nicht mag", unendlich wertvoll sei. "In einer Stadtfamilie ist jeder einzigartig", sagte die Theologin.

Die Medien forderte Breit-Keßler auf, die Täter von Anschlägen nicht in den Mittelpunkt ihrer Berichterstattung zu stellen, um potenzielle Nachahmer nicht zu ermutigen. "Nicht der Täter, die Opfer stehen im Vordergrund", sagte die Regionalbischöfin.

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Die Münchner Stadtdekanin Barbara Kittelberger sagte, ein Gottesdienst sei eine Form "das Unfassbare in eine Fassung zu bringen". Die Christen vertrauten darauf, dass das Böse nicht siegt. Deshalb wurden nicht nur neun Kerzen für die Opfer sowie eine für die Verletzten und eine für die Opfer von Anschlägen weltweit, sondern auch eine Kerze für den Täter entzündet, die etwas abseits stand. Bischofsvikar Rupert Graf zu Stolberg sagte, auf die Frage nach dem Warum lieferten alle Erklärungsversuche keine Antwort. Sein Gebet gelte den Angehörigen und Verletzten, "dass Ohnmacht und Schmerz nicht das letzte Wort haben."

Kerzen für die Opfer des Amoklaufs beim Gedenkgottesdienst in München.

Weitere Gedenkgottesdienste werden am Donnerstag in Ansbach und am Sonntag in München stattfinden.

Bild: Dekanat München .

Weitere Gedenkgottesdienste

Einen weiteren ökumenischen Gedenkgottesdienst nach dem Amoklauf in München feiern Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, sowie der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm am Sonntag, 31. Juli, um 16 Uhr im Münchner Liebfrauendom. An dem Gottesdienst nehmen auch weitere Vertreter der christliche Kirchen, der muslimischen sowie der jüdischen Gemeinde teil. Neben Bundespräsident Joachim Gauck haben Vertreter der Bundes- und Landesregierung ihre Teilnahme an dem Gottesdienst angekündigt, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Horst Seehofer, sowie weitere Spitzenvertreter des öffentlichen Lebens. Der Gottesdienst wird vom Bayerischen Fernsehen live übertragen.

Bereits am vergangenen Donnerstag, 28. Juli, wurde in der evangelischen St. Gumbertuskirche in Ansbach ein Gedenkgottesdienst für die Opfer des Anschlags in Ansbach und für die Helfer gefeiert. An dem ökumenischen Gottesdienst haben neben Regionalbischöfin Gisela Bornowski auch Dekan Hans Stiegler, weitere Vertreter der evangelischen Kirche und der Ansbacher katholische Stadtdekan Hans Kern teilgenommen.


29.07.2016 / epd