80 Jahre Denkschrift gegen Judenhass

Gedenken an mutige Mahner

Tafel an der KZ-Gedenkstätte Dachau

Architektur, die Gefühle weckt - Die Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau

Bild: ELKB Jahresbericht

Vor 80 Jahren protestierte die NS-kritische "Bekennende Kirche" mit einer Denkschrift gegen Judenhass. Daran erinnert die evangelische Versöhnungskirche Dachau am 5. Juni mit einer Gedenkfeier.

An dem Gedenkgottesdienst, den Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler am Sonntag, 5. Juni ab 11 Uhr in der Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau halten wird, wird auch Heinz Hermann Niemöller (92), Sohn des Widerstandskämpfers und KZ-Überlebenden Martin Niemöller, teilnehmen.

Der Pfarrer war Mitverfasser der  Denkschrift, mit der sich  der entschiedene Flügel der "Bekennenden Kirche" am 4. Juni 1936 an Adolf Hitler gewandt hatte. Darin heißt es: "Wenn dem Christen im Rahmen der nationalsozialistischen Weltanschauung ein Antisemitismus aufgedrängt wird, der zum Judenhass verpflichtet, so steht für ihn dagegen das christliche Gebot der Nächstenliebe." Und etwas weiter: "Das evangelische Gewissen ... wird aufs härteste belastet durch die Tatsache, dass es in Deutschland, das sich selbst als Rechtsstaat bezeichnet, immer noch Konzentrationslager gibt und dass Maßnahmen der Geheimen Staatspolizei jeder richterlichen Nachprüfung entzogen sind."

Mitverfasser verschleppt

Mehrere der Mitverfasser wurden später in Konzentrationslager verschleppt. Pfarrer Martin Niemöller kam vor 75 Jahren ins KZ Dachau, wo er bis kurz vor Kriegsende inhaftiert war. Der Kirchenjurist Friedrich Weißler wurde im Februar 1937 in Sachsenhausen ermordet. Sein Enkel, Wolfgang Weissler, wird ebenfalls bei dem Gottesdienst anwesend sein. Weissler: "Der 80. Jahrestag der Denkschrift sollte uns allen den Mut und die Entschlossenheit der damals Beteiligten wieder vor Augen führen - aber auch das Leid, welches ihnen und ihren Angehörigen durch das Gewaltregime zugefügt wurde. Es ist beruhigend zu wissen, dass die Evangelische Kirche jetzt aktiv dafür sorgt, dass dies nicht in Vergessenheit gerät und dass die Erinnerung für die nachfolgenden Generationen wachgehalten wird."


03.06.2016 / ELKB