Augsburg

1.500 Menschen bei Augsburger Friedenstafel

Augsburger Friedensfest

Die Festpredigt hat die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann aus Magdeburg gehalten

Bild: Irmgrad Hoffmann

Mit Gottesdiensten und einer Friedenstafel haben die Augsburger das Friedensfest gefeiert. Auf dem Rathausplatz trafen sich rund 1.500 Menschen, um an langen Tischen Essen und Getränke zu teilen.

"Das Friedensfest steht für Begegnungen, für Kontakte zwischen Menschen, für Toleranz und das friedliche Aushandeln von Konflikten", sagte die Leiterin des Augsburger Friedensbüros, Christiane Lembert-Dobler am Rande der Friedenstafel dem Evangelischen Pressedienst (epd). Gerade die Friedenstafel zeige, dass dies auch bei der Bevölkerung ankomme: "Es nehmen jedes Jahr mehr Menschen teil. Die Friedenstafel ist zu einer festen Institution in der Stadt geworden", erklärte Lembert-Dobler.

Die Friedenstafel gibt es seit 2005. Sie ist damit ein noch relativ junger Beitrag zum Friedensfest, das seit 1650 immer am 8. August begangen wird. Damals bekamen die Augsburger Protestanten nach dem Dreißigjährigen Krieg ihre Religionsfreiheit zurück. Seit 1950 ist das Fest ein gesetzlicher Feiertag, der nur im Stadtgebiet Augsburg gilt. 1985 wurde das Friedensfest ökumenisch. Heute steht es für den Frieden der Religionen untereinander.
 

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Die Friedenstafel gibt es seit 2005. Sie ist damit ein noch relativ junger Beitrag zum Friedensfest, das seit 1650 immer am 8. August begangen wird. Damals bekamen die Augsburger Protestanten nach dem Dreißigjährigen Krieg ihre Religionsfreiheit zurück. Seit 1950 ist das Fest ein gesetzlicher Feiertag, der nur im Stadtgebiet Augsburg gilt. 1985 wurde das Friedensfest ökumenisch. Heute steht es für den Frieden der Religionen untereinander.

Vertreter des Augsburger "Runden Tischs der Religionen" mahnten bei der Friedenstafel auch ein friedliches Miteinander an. Menschen mit verschiedenen Weltanschauungen könnten "respektvoll, tolerant und in Frieden miteinander leben", hieß es in einer Erklärung, die die Religionsvertreter gemeinsam vorlasen. Religionen müssten "dem Frieden auf der Welt dienen, die Barmherzigkeit fördern und die menschliche Würde hoch schätzen".

Zuvor hatte die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, die Bürger dazu aufgefordert, kritisch gegenüber jenen zu sein, die einen Staat oder eine Gesellschaft nach bestimmten Idealen formen wollen. Beim Festgottesdienst zum Friedensfest in der Basilika St. Ulrich und Afra sagte Junkermann: "Es ist gut, wenn wir skeptisch sind gegenüber den Idealen, die uns Populisten vorgaukeln ebenso wie gegenüber unverhohlenem Eigennutz, wie er als Politik über den großen Teich zu uns schwappt".

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Junkermann betonte in ihrer Predigt die Bedeutung von Utopien für die gesellschaftliche Entwicklung. Sie griff damit das Thema "Utopie" des diesjährigen Friedensfestes auf. Christen könnten dabei auf Gott vertrauen. Er stehe für die Utopie einer besseren, friedlichen Welt. "Gut, wenn unsere Träume und Sehnsüchte, wenn Friede und Gerechtigkeit in Gottes Hand sind", erklärte Junkermann: "Dann finden wir zur Friedlichkeit."

Erstmals gab es beim diesjährigen Friedensfest einen sogenannten "Weltpass", der bei der Friedenstafel ausgegeben wurde. Die Idee zu den Fantasie-Ausweisen hatte der Augsburger Integrationsbeirat. Der Weltpass solle zeigen, "dass es möglich ist, Grenzen zu überwinden und die Menschen zu Weltbürgern zu machen", sagte Initiatorin Marija Jehle. Sie zeigte sich begeistert vom Interesse am Weltpass: "Wir kommen kaum mit dem Anfertigen der Ausweise hinterher." Die Aktion soll deshalb beim Herbstfest des Integrationsbeirates im Oktober wiederholt werden.

Hintergrund

Das Augsburger Friedensfest wird seit 1650 jedes Jahr am 8. August gefeiert. Die Protestanten bekamen damals nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges die Religionsfreiheit zurück. Zum 300. Jubiläum des Festes im Jahr 1950 wurde der 8. August ein gesetzlicher Feiertag. Er gilt nur für das Stadtgebiet Augsburg, was der Stadt bundesweit die meisten Feiertage beschert.

Seit 1985 wird das Friedensfest ökumenisch begangen, seit 2002 gibt es einen gemeinsamen Gottesdienst von Protestanten und Katholiken. 2005 rief die Stadt Augsburg die Friedenstafel ins Leben. Hunderte Augsburger kommen dazu in die Innenstadt und teilen Essen und Getränke, Vertreter verschiedener Religionen entsenden Friedensgrüße.

Im Jahr 2018 wurde das Friedensfest in das Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Aus den Landesverzeichnissen werden jährlich Vorschläge für das nationale Verzeichnis gemacht. Daraus wiederum stammen die Vorschläge für das internationale Verzeichnis der Unesco, der Kulturorganisation der Vereinten Nationen, zum immateriellen Kulturerbe.


01.06.2025 / epd