Augsburg

40 Jahre Schüler-Malwettbewerb „Augsburger Friedensbild“

Augsburger Friedensbild

40 Jahre Schüler-Malwettbewerb „Augsburger Friedensbild“: Richard Fank, Vorstandsvorsitzer der Kreissparkasse Augsburg und Stadtdekanin Susanne Kasch mit den Augsburger Friedensbildern von 1977 und 2016.

Bild: I. Hoffmann

Eine Ausstellung des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Augsburg und der Kreissparkasse Augsburg zeigt Friedensbilder im Wandel der letzten 40 Jahre.

Pfarrer Horst Jesse von evangelisch St. Ulrich hatte 1977 die Idee: „Wir sollten einen Zeichenwettbewerb ausschreiben, um für das diesjährige Augsburger Friedensfest einen Plakatentwurf zu bekommen.“ Dekan Klaus-Peter Schmidt unterstütze den Vorschlag und rief den Schüler-Malwettbewerb des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Augsburg ins Leben. Ziel war es, zum Nachdenken über das Augsburger Friedensfest anzuregen, denn, so Jesse: „Eine Zeit, die nicht mehr über ihre Vergangenheit Bescheid weiß, gleicht einem gedächtnislosen Menschen.“ Von Beginn an war die Kreissparkasse Augsburg am Martin-Luther-Platz als Nachbar des Dekanats auch Sponsor des Malwettbewerbs. Sie finanzierte den Druck des Plakats und der Postkarten.

Das Thema 1977: „Von Gottes Güte geleitet – zum Frieden geführt“ bezog sich auf den biblischen Text über die Versöhnung der verfeindeten Brüder Jakob und Esau. Susanne Ortolf vom Maria-Theresia-Gymnasium gewann damals den ersten Preis.

Seither sind jedes Jahr Schülerinnen und Schüler aus Stadt und Landkreis Augsburg, Aichach-Friedberg sowie aus Wertingen, unabhängig von Konfession und Religion, zum Mitmachen eingeladen. Jährlich reichen sie zwischen 300 und 500 Kunstwerke ein. Eine ökumenische Jury bestehend aus Religions- und Kunstlehrern, Pfarrern und Vertretern der Stadt Augsburg bewertet die Zeichnungen und Gemälde.

Laurens Kosteletzky aus Zusamaltheim malte das Friedensbild 2016.,© Dekanat Augsburg

Mutig gegen den Panzer

Einen Panzer, dem sich ein einzelner mutiger Mensch entgegenstellt und fordert: „Sofort aufhören mit dem blöden Krieg!!!“ – diese Szene zeigt das Augsburger Friedensbild 2016 von Laurens Kosteletzky.

Alle Siegerbilder der letzten 40 Jahre sind vom 3. Juli bis 4. August im Kundenzentrum der Kreissparkasse Augsburg ausgestellt. Sie dokumentieren den Wandel des Wettbewerbs. Zunächst konnten nur Schwarz-Weiß-Zeichnungen eingereicht werden. Bereits 1977 gab es aber einen Aufruf des Evangelischen Gemeindeblatts, die Siegerzeichnung zu kolorieren. Heute sind die Kunstwerke meist bunt. Bei der Gestaltung gibt es keine Einschränkungen. Die Interpretationen beziehen sich auf religiöse, gesellschaftliche oder soziale Themen. Geblieben aber sind die traditionellen Vorgaben: das Motto steht im Zusammenhang mit dem Rahmenprogramm zum Augsburger Friedensfest und das Siegerbild ziert das Plakat.

Die Augsburger Friedensbilder haben eine lange Geschichte: Vom ersten Friedensfest 1650 bis zum Jahr 1789 wurde ein Friedensbild „der Evangelischen Schul-Jugend daselbsten jederzeit ausgetheilet … als Dank für leiblichen und geistlichen Frieden“ nach den Wirren des 30-Jährigen Krieges. Es veranschaulichte Themen aus der Kirchengeschichte oder der Bibel sowie ein Gedicht zur Erläuterung.

1938 bis 1941 wollte der Augsburg Konvent der evangelischen Geistlichen und sein Dekan Wilhelm Bogner mit der Wiederaufnahme dieser historischen Tradition der Politik und Ideologie des Nationalsozialismus etwas entgegensetzen. 1938 lautete das Motto „Getreues Augsburg“. Das Friedensbild sollte den christlichen Glauben stärken und man schrieb dazu: „Haben die Eltern nicht eine schöne Gelegenheit, an Hand solcher Bilder und Gedichte mit ihren Kindern einmal auch Dinge zu besprechen und durchzudenken, an die sie sonst allzuwenig herankommen“. Im Kriegsjahr 1941 entstand ein Friedensgemälde mit dem Titel „Bei Gott zu Haus“ mit tröstenden Bibeltexten, die weniger an Kinder als an Erwachsene gerichtet waren.

Der diesjährige Malwettbewerb mit dem Thema „Ich steh’ dazu!“ bezieht sich auf das Motto des diesjährigen Friedensfestes „Bekennen“ und Martin Luthers Thesenanschlag. Das Friedensbild 2017 wird am 18. Juli um 11 Uhr in der Kreissparkasse Augsburg vorgestellt und ergänzt dann zusammen mit weiteren ausgewählten Gemälden die Ausstellung.


04.07.2017 / Evangelisch-Lutherisches Dekanat Augsburg