Landtagswahl

Forderungen an die Politik

BR-Aktion #MeinWunschAnBayern: Auch die Diakonie Bayern ist dabei und wünscht sich mehr bezahlbaren Wohnraum.

Das Diakonische Werk Bayern hat zur bevorstehenden Landtags- und Bezirkstagswahl die Positionen der Diakonie zu sozialen Themen und die daraus abgeleiteten Forderungen an die Politik veröffentlicht.

Das Diakonische Werk Bayern mit über 2.940 Einrichtungen und mehr als 55.408 Vollzeitstellen mit über 91.000 Mitarbeitenden ist der zweitgrößte Verband der freien Wohlfahrtspflege in Bayern. Die Diakonie in Bayern ist damit einer der größten Arbeitgeberinnen im Freistaat. Die Fachverbände vertreten die Anliegen gegenüber der Politik, der Kirche, den Kostenträgern und den anderen Verbänden. Lesen Sie hier die Positionen der Diakonie und der Fachverbände zu einzelnen sozialen Themen und die Forderungen an die bayerische Politik.

Alleinerziehende

36,7 Prozent der Alleinerziehenden in Bayern sind armutsgefährdet. Armut beeinträchtigt die Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe, die Entwicklung und hat massive Auswirkungen auf die Gesundheit.
19 Prozent der Alleinerziehenden in Bayern haben laut Mikrozensus keine abgeschlossene Berufsausbildung (inklusive der Personen, die sich noch in der Ausbildung befanden).
Ca. 90 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen. Arbeitsfelder, in denen Frauen beschäftigt sind, werden in der Regel immer noch schlechter bezahlt als die, in denen Männer tätig sind. Frauen sind häufig im Niedriglohnsektor beschäftigt.
Viele Alleinerziehende haben nach der Trennung Schulden, die beglichen werden müssen.
Laut viertem bayerischem Sozialbericht stellen alleinerziehende Frauen 13,9 Prozent des
Klientels der Schuldnerberatungsstellen.

Die Forderungen und Erläuterungen der Diakonie Bayern zum Thema Alleinerziehende als PDF

Armut

Seit dem Jahr 2012 steigt in Bayern der Anteil derer, die von Armut bedroht sind, kontinuierlich an. Lag die Quote damals noch bei 11 Prozent, liegt sie heute bei 12,1 Prozent. Rein rechnerisch bedeutet das, dass rund 1,6 Millionen Menschen in Bayern arm sind. Zwei Gruppen sind besonders von Armut betroffen: die der 18- bis 25-Jährigen, von denen sich ein Großteil in Schule, Ausbildung, Studium oder auf den ersten Schritten im Beruf befinden dürfte und die der, die 65 Jahre und älter sind.

Der soziale Wohnungsbau ist seit dem Krieg von 50 Prozent auf heute 3-4 Prozent zurückgegangen. Bei einem durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt leben nur 4 Prozent der bayerischen Bevölkerung in Sozialwohnungen. In Bayern gibt es aktuell rund 110.000 Sozialwohnungen. Vor 20 Jahren waren es noch doppelt so viele.

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Asyl und Flüchtlinge

Zwischen Januar und Dezember 2016 zählte das BAMF 745.545 Erst- und Folgeanträge auf Asyl und damit mehr als im Vorjahr: 2015 hatten 476.649 Menschen in Deutschland Asyl beantragt. Zwischen Januar und Dezember 2017 nahm das Bundesamt insgesamt 222.683 Asylanträge entgegen. Im laufenden Jahr 2018 waren es 63.972 Anträge. (Stand: Mai 2018)

Von Januar bis Dezember 2017 wurden 186.644 Asylsuchende in Deutschland registriert, im laufenden Jahr 2018 gab es bisher 54.790 Registrierungen. (Stand: Mai 2018)

54 Prozent der Wahlberechtigten in Deutschland fände die Einrichtung solcher Zentren gut, 42 Prozent eher nicht (ARD-“Deutschlandtrend“).

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Erziehungs-, Ehe-, Familien- und Lebensberatung

14.605 Kinder und Jugendliche gaben im Jahr 2017 Anlass für eine Beratung. Das bedeutet, dass über 29.000 Eltern, Kinder und Jugendliche eine Beratungsstelle der Diakonie Bayern aufgesucht haben. 23 Erziehungsberatungsstellen der Diakonie gibt es in Bayern. 96.317 Beratungsstunden wurden im Jahr 2017 in den Stellen der Diakonie Bayern geleistet.

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Familienarbeit

In Deutschland und ebenso im reichen Bayern nimmt die Zahl der Kinder, die in Armut beziehungsweise in armutsgefährdeten Familien leben, eher zu als ab. In Bayern leben gemäß der Erhebung der Bertelsmann-Stiftung 6,4 Prozent der Kinder unter 18 Jahren im SGB II –Bezug. 70 – 80 Prozent der pflegebedürftigen Angehörigen werden zu Hause von ihren Angehörigen gepflegt und unterstützt. Nur 40 Prozent aller Leistungsberechtigten rufen Angebote wie das Bildungs- und Teilhabepaket ab.

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Familienpflege

Familienpflege ist ein aufsuchender, ambulant sozialpflegerischer, familienunterstützender Dienst, der an den Bedarfslagen von Familien ansetzt und darauf ausgerichtet ist, umgehend auf Notsituationen zu reagieren. Handlungsfelder der Familienpflege sind insbesondere die Haushaltshilfe der Krankenversicherung sowie Jugendhilfe. Das Angebot der Familienpflege ist unabhängig von Staatsangehörigkeit, Konfession oder sozialem Status, dessen Wahrnehmung Familien nicht stigmatisiert.

Der Dienst der Familienpflege ist seit Jahren unterfinanziert und damit nicht kostendeckend.

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Für Frauen mit Gewalterfahrung

Jede vierte Frau in Deutschland hat seit dem 16. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt durch einen Partner oder Beziehungspartner erlebt, 64 Prozent davon mit Verletzungsfolgen. 6 Prozent der Frauen berichteten von schwerer körperlicher, sexueller und psychischer Misshandlung durch den aktuellen Partner. Weitere 11 Prozent waren von erhöhter psychischer Gewalt in der aktuellen Paarbeziehung betroffen.
Darüber hinaus gab fast jede siebte Frau (13 Prozent) an, seit dem 16. Lebensjahr Opfer von erzwungenen sexuellen Handlungen im inner- und außerhäuslichen Kontext geworden zu sein.

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Hospiz- und End-of-Life-Care

75 Prozent aller Menschen versterben Studien zufolge in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Unter dem Dach der Diakonie Bayern gibt es fünf stationäre Hospize sowie fünfzehn ambulante Hospizdienste, zudem sind über 150 Einrichtungen durch die Initiative „Hospizarbeit und Palliativ Care“ speziell für die Versorgung Sterbender geschult. Mit der Gründung eines eigenen Fachverbandes „End of Life Care“ in 2018 hat die Diakonie
in Bayern die Thematik verstärkt politisch positioniert..

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Jugendhilfe

Wissenschaftler der TU Dortmund und des Deutschen Jugendinstituts haben errechnet, dass bis 2025 300.000 Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe fehlen. Wenn die steigende Nachfrage nach Kita-Plätzen gedeckt und eine Verbesserung der Qualität in der Kinder- und Jugendhilfe erreicht werden soll, dann erhöht sich die Anzahl fehlender Fachkräfte nochmals um 300.000.

Hinzu kommt, dass die Löhne im Verhältnis zu vergleichbar qualifizierten Tätigkeiten in anderen Branchen nach wie vor nicht annähernd auskömmlich sind. Hier gegenzusteuern ist eine Hauptaufgabe zukunftsorientierter Politik, die die Anliegen von Kindern, Jugendlichen und deren Familien ernst nimmt.

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Altenpflege

Die Zahl der Leistungsempfänger/innen von Mitteln der Pflegekassen ist von 2013 auf 2015 um insgesamt rund 6 Prozent gestiegen, den höchste Zuwachs mit einem Plus von knapp 11 Prozent verzeichnete der durch ambulante Pflegedienste betreute Personenkreis.

Die Zahl der Empfänger/innen reiner Geldleistungen im Rahmen von Pflegegeld stieg um 7 Prozent und die Zahl der vollstationär dauerhaft in einem Pflegeheim betreuten Personen um 1 Prozent.

Nach einer Prognose von Bertelsmann werden im Jahr 2030 in Bayern in der ambulanten Pflege ca. 14.000 Vollzeitkräfte fehlen. In der stationären Altenpflege werden es knapp 48.000 Fachkräfte sein.

Schon 2014 konnten in Bayern 166 stationäre Einrichtungen für ältere Menschen die gesetzlich festgelegte Fachkraftquote nicht mehr erfüllen.

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Behindertenhilfe/Psychiatrie

Das PsychKHG ist im April 2018 in erster Lesung im Landtag diskutiert worden. Einige der Kritikpunkte von Diakonie und anderen Verbänden wurden aufgenommen, andere hingegen nicht. Wir halten die Überarbeitung für nicht ausreichend. Die gesetzliche Grundlage für die Wohngemeinschaften sind Verträge nach dem WBVG
(Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz), die mit den Betroffenen geschlossen wurden.

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Straffälligenhilfe

In 36 bayerischen Justizvollzugsanstalten waren 2017 bei einer Stichtagserhebung 11.253 Menschen im offenen oder geschlossenen Vollzug inhaftiert oder verwahrt. Die Ergebnisse einer bundesweiten Rückfalluntersuchung (2016): Bei einem Beobachtungszeitraum von drei auf sechs Jahre steigen die Zahlen von 35 Prozent auf 44 Prozent. Im Verlauf um weitere drei Jahre ist nur noch ein geringer Anstieg, nämlich um rund 3 Prozent auf 48 Prozent. Die überwiegende Mehrzahl der Rückfalltaten ereignet sich aber innerhalb der ersten drei Jahre, die Hälfte sogar innerhalb des ersten Jahres nach Verurteilung oder Entlassung.

Dabei zeigt sich, dass viele Gefangene in den ersten Tagen, Wochen und Monaten nach der Entlassung aus der Justizvollzugsanstalt große Schwierigkeiten haben, wieder Fuß zu fassen. Die Suche nach einer Wohnung, Arbeit und mangelnde tragfähige Kontakte erschweren die Wiedereingliederung.

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Suchtkrankenhilfe

Basierend auf den aktuellsten fünf Bevölkerungsumfragen ergibt sich für Bayern im Jahr 2017 eine geschätzte Anzahl von 34.000 Personen mit pathologischen Glücksspielverhalten sowie von geschätzten 33.000 Personen, bei denen ein problematisches Spielverhalten vorliegt.

In Bayern haben etwa 17 Prozent der Erwachsenen einen gesundheitsgefährdenden Alkoholkonsum, rund 270.000 Menschen gelten als alkoholabhängig. Mehr als 1.700 Menschen sind in Bayern in 2016 an den Folgen ihres Alkoholkonsums gestorben.

Im Jahr 2017 starben in Deutschland 1.272 Menschen durch den Konsum illegaler Drogen. Fünf Jahre zuvor gab es mit 944 Toten noch deutlich weniger Drogentote. Seit dem Jahr 2013 stieg die Zahl der Drogentoten in Deutschland erstmals seit 2009 wieder an. In Bayern starben im Jahr 2016 321 Personen an dne Folgen des Drogenkonsum.

Ende des Jahres 2016 lebten in Deutschland mehr als 88.400 HIV-positive Menschen, über 12.000 von ihnen in Bayern. Die Zahl der Menschen, die sich 2016 neu mit HIV infiziert haben (Neuinfektionen), ist ähnlich hoch wie in den Jahren 2013 bis 2015; in Bayern schätzt das Robert-Koch-Institut die Zahl der Neuinfektionen gleichbleibend zu den Vorjahren auf etwa 390.

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Wohnungslosenhilfe

Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum für alle: Jeder Bewohner Bayerns hat Anspruch auf eine angemessene Wohnung (Verfassung des Freistaates Bayern Art. 106 Abs. 1): Artikel 106 der Bayerischen Verfassung

Ergebnisse der wissenschaftlichen Studie der Evangelischen Hochschule in Nürnberg bestätigten die Effektivität und Effizienz von Fachstellen. In 68 Prozent der Fälle konnte die Wohnungslosigkeit durch die Einschaltung der jeweiligen Fachstelle verhindert werden. Ein nachweislich effektives Instrument zur Bekämpfung von Wohnungslosigkeit steht damit zur Verfügung.

Die bayerische Diakonie bietet über 80 Angebote in verschiedenen Diensten und Einrichtungen
für Menschen an, die von Wohnungslosigkeit bedroht oder aktuell betroffen
sind. Die Präventionsangebote zum Erhalt von Wohnraum müssen ausgebaut werden.

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27.09.2018 / Diakonie Bayern/ELKB