Fastenaktion 2018

"Ihr habt mir zu essen gegeben"

Chor Gloria

Der Chor Gloria der EMK Serbien hat im Eröffnungsgottesdienst der Fastenaktion 2018 gesungen.

Bild: ELKB

"Füreinander einstehen" heißt die Fastenaktion, die von Oberkirchenrat Michael Martin und Gästen aus Serbien eröffnet wurde. Unterstützt werden Projekte, wie zum Beispiel eine Suppenküche in Vrbas.

Auf den ersten Blick scheint Serbien nicht besonders bedürftig zu sein, denn nur wenige Serben leben in absoluter Armut. Die Arbeitslosigkeit liegt offiziell bei rund 17 Prozent, dürfte aber in Wirklichkeit höher sein. Vor allem bei den 14 bis 30-Jährigen sind fast die Hälfte arbeitslos. Auch alte Menschen und Rentner haben Mühe, finanziell über die Runden zu kommen.

Vor zwei Jahren hat die Methodistische Kirche ihr Projekt der Suppenküche für Menschen in Not gestartet. Von November bis April, also sechs Monate im Jahr, wird jeden Samstag für Bedürftige in Vrbas gekocht. Zehn Mitarbeitende kochen eine nahrhafte, gehaltvolle Suppe für bis zu 50 Personen. Während der Woche bietet das Rote Kreuz den Menschen ein warmes Essen an. Die Suppenküche arbeitet bewusst in den kälteren Tagen des Jahres, da es in dieser Zeit für viele Menschen keine oder wenig Möglichkeit gibt, eine Arbeit zu finden und Geld zu verdienen.

Zitat

Solidarisch füreinander einstehen und für die Menschen da zu sein, die in Not geraten. Die unter schwierigen Bedingungen leiden. Die auf der Balkanroute auf der Flucht vor Krieg und Terror sind."

Oberkirchenrat Michael Martin zur Aktion Fastenopfer 2018

Die Evangelisch-Methodistische Kirche (EMK) in Serbien

Gegründet wurde die  Kirche vor über 100 Jahren von Donauschwaben und war bis zum Ende des II. Weltkriegs eine deutschsprachige Kirche. Nach dem Krieg wurde die EMK unter dem kommunistischen Regime fast völlig zerschlagen. Viele der Kirchenmitglieder mussten aus Serbien fliehen und im Lande blieben nur wenige zurück. Derzeit umfasst die Kirche rund 500 Mitglieder in 14 Gemeinden.

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Predigen und aktives Handeln gehört für die Methodistische Kirche zusammen. So unterhält die kleine Kirche einen eigenen Kindergarten, hat in Jakuba einen Gemüseacker für Romafamilien, die sehr angefeindet sind im Land, unterhält eine Suppenküche und verteilt Kleidung an Menschen in Not.

In einem Land, in dem heute 85 Prozent der Menschen der Serbisch-Orthodoxen Kirche angehören, versteht sich diese kleine Minderheitskirche als eine „internationale Kirche“. Bewiesen hat sie dies, indem sie sich tatkräftig engagiert hat für die Flüchtlinge auf der Balkanroute.

Persönliche Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit

Pfarrer Novica Brankov berichtet: „Wir haben uns hier sehr eingesetzt. Besonders meine ehemalige Gemeinde in Šid und ich. Šid liegt unmittelbar an der Grenze zu Kroatien und Bosnien. Die Balkanroute hat sich durch die Stadt Šid gezogen. Besonders als die Ungarische Regierung ihre Grenze zu Serbien zugemacht hat. Unser Land Serbien war ein Transitland für über 750.000 Flüchtlinge und Migranten aus dem Nahen Osten und Asien auf ihrem Weg in die EU. Als Reaktion auf die Flüchtlingskrise hat unsere Gemeinde (Šid) zuerst selber Kleider, gebrauchte Schuhe, Kekse und kleine Flaschen Wasser für die geflohenen Menschen gesammelt. Und wir haben es direkt dort verteilt, wo wir auf die Flüchtlinge getroffen sind. Auf der Straße und auf den Äckern.

Informationen zum Thema Ekumenska Hunanitarna Organnizacija

Ekumenska Hunanitarna Organnizacija (EHO)

Die Ökumenische Hilfsorganisation Ekumenska Humanitarna Organizacija – EHO,
wurde im Jahre 1993 auf die Initiative des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) als gemeinnütziger Verein gegründet. Die Gründer- und Mitgliedskirchen der EHO sind fünf lokale Minderheitskirchen. Seit ihrer Gründung im Jahr 1993 hat sie Erfahrung in der Arbeit mit Flüchtlingen des Balkankriegs, mit Vertrieben und Rückkehrern bei der Verteilung von Lebensmitteln und Hygieneartikeln, bei der Unterstützung durch Suppenküchen, mobilen medizinischen Teams und psychologischer Hilfe.
Weitere Informationen: www.ehons.org

Anschließend kam im August 2015 ein Angebot der Ökumenischen Hilfsorganisation Ekumenska Humanitarna Organizacija (EHO) einen Aufruf zur Flüchtlingshilfe zu  veröffentlichen. Anfang September 2015 haben die Mitarbeiter und Freiwilligen der EHO, wie auch die Mitglieder unserer Gemeinde mit ihrer Arbeit begonnen und Hilfsgüter, wie Lebensmittel, Hygieneartikel, Kleidung, Decken usw. vor Ort verteilt. Wir haben uns in zwei Schichten organisiert, um es zu verteilen. Mit der Zeit wurde auch ein mobiles EHO-Ärzteteam mobilisiert. So konnten wir die Migranten auch ärztlich behandeln und ihnen die notwendigen Medikamente geben. Die lokalen Mitgliedskirchen der EHO (Lutherische und methodistische Kirche) haben die Flüchtlings-Arbeit logistisch unterstützt und wir sind auf diese Art und Weise zu einer der mobilsten und effizientesten Organisationen im Bereich der Hilfeleistung und Sicherstellung von Unterkünften für Flüchtlinge in Serbien geworden.“

Die Evangelisch-Lutherische Kirche will mit der Fastenaktion ein Gegengewicht setzen und bewusst machen, dass die Kirchen in Europa zusammen gehören. „Kooperation und Gemeinschaft sind in Gefahr in diesen Zeiten. Eigeninteresse, Nationalismus, die eigene Religion, die eigene Konfession, die eigene Gruppe treten an die erste Stelle. Der Blick für die anderen wird vernebelt. „Das Ganze“ droht in viele Einzelteile zu zerfallen", warnt Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Die Kirchen spielten eine zentrale Rolle in und für Europa: „Die Kirchen sind wie Knotenpunkte in einem großen Netz. Manche kleinere Knotenpunkte, manche größere. Aber alle hängen zusammen. Mit Freiraum dazwischen. Wir Kirchen stehen ein für die Menschen. Gerade für die Menschen in Not, egal aus welchem kulturellen oder religiösen Hintergrund sie kommen“, so Bedford-Strohm.
 

Viel mehr als eine reine Spendenaktion

2018 werden bei der Fastenaktion der bayerischen Landeskirche Projekte der kleinen Evangelisch-Methodistischen Kirche in Serbien unterstützt, wie die Verbesserung der Räume für die Suppenküche oder neue Fenster für das Gemeindezentrum. Diese zahlenmäßig kleine Kirche hat ein großes Herz bewiesen für die Flüchtlinge auf der Balkanroute und für Arme in Serbien. Mit ihren bescheidenen Mitteln stemmt sich diese Kirche dagegen, dass bestimmte Menschen ausgegrenzt werden. Gestartet wurde die Sammlung am Aschermittwoch, sie wird bis Ostern durchgeführt.

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Am Sonntag den 25. Februar wurde die Fastenaktion mit einem Gottesdienst offiziell durch Oberkirchenrat Michael Martin eröffnet. "Gemeinsam solidarisches Christsein zu leben, darum geht es in der Fastenaktion der ELKB auch dieses Jahr. Exemplarisch macht die kleine serbisch-methodistische Kirche deutlich, dass wir als evangelische Bayern in einem ökumenischen Netzwerk ganz unterschiedlicher Kirchen verbunden sind. Ein Glaube, der uns vereint und ein Auftrag, der uns verbindet: Miteinander verbunden durch das gemeinsame Evangelium an Brücken zu bauen in einem Europa, das heute immer mehr in seine Einzelteile zu zerfallen droht," sagte Martin in seiner Eröffnungsrede. 

"Der Blick auf die Schwachen, Armen und Ausgestoßenen – sind unsere Aufgabe als Christen. In der Barmherzigkeit für andere wird Jesu Gegenwart in besonderer Weise lebendig. Mit unserem Handeln gegenüber den Armen und Hungrigen vergegenwärtigen wir das Reich Gottes und lassen es Wirklichkeit werden,"  predigte Pfarrer Novica Brankov der Evangelisch-Methodistischen Kirche in Serbien auf deutsch. "In meinem Land haben die Menschen die große Welle von Vertreibung, Armut und Hunger bereits mehrmals erlebt. Viele mussten während der Kriege, die in Bosnien, Kroatien, Kosovo, Nato – Aggression, bereits am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet Armut und Hunger sein."

Zitat

Brücken des Dialogs bauen und Beziehungen stiften. Das sind weitere Ziele der Fastenaktion. Und wenn wir hier von „Brückenbau“ und „Beziehung“ sprechen, dann sind das – und das ist mir wichtig –Begriffe, der in zwei Richtungen funktionieren."

Oberkirchenrat Michael Martin

Ein Grußworte sprach außerdem die Superintendentin der Serbisch-Methodistischen Kirche (EMK) Ana Palik-Kuncak. Begleitet wurde der Gottesdienst von dem Jugendchor der EMK und dem Jugendchor Lauf, die auch gemeinsam gesungen haben.

Durch den Kontakt und die Beziehung zu Mitgliedern der Methodistisch-Evangelischen Kirche werden weitere Brücken des Vertrauens zueinander aufgebaut. Oberkirchenrat Michael Martin: "Ich sehe die Kirchen – gerade in ihrer Unterschiedlichkeit – hier in einer wichtigen Vorreiterrolle für Europa. Sie können deutlich machen, dass Verschiedenheit zu Dialog und gemeinsamem Engagement einlädt – und nicht zu Egoismus und immer neuen Mauern und Grenzen."

Traditionell wurde die Fastenaktion mit einem Begegnungswochenende eröffnet, in diesem Jahr in Lauf an der Pegnitz. Im Mittelpunkt standen die Begegnung der Austausch und das voneinander Lernen. Höhepunkt des Wochenendes war das Konzert "Vielfalt in Europa - Vielfalt in der Musik" in der Christuskirche.

Fastenaktion Füreinander einstehen: Hintergrund und Partner

Fastenaktion 2018 Plakat

„Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben“- mit Spenden der Fastenaktion 2018 werden Projekte in Serbien unterstützt.

Bild: ELKB

Füreinander einstehen" heißt, Anteil nehmen an der Situation unserer Partner und in einer lebendigen Beziehung zu leben, von den Erfahrungen der anderen zu profitieren und die anderen mit in das Gebet einzuschließen.

Informationen zum Thema Fastenaktion 2018

Fastenaktion 2018

Spenden können Sie auch direkt bei Ihrem Pfarramt abgeben oder auf das Spendenkonto der ELKB einzahlen:
Evangelische Kreditgenossenschaft eB
IBAN DE51 5206 0410 0001 0010 00
BIC GENODEF1EK1

 „Füreinander einstehen“ ist Programm für die Kirche. Mit der Fastenaktion sammelt die bayerische Landeskirche Geld für Partnerkirchen in Mittel- und Osteuropa. Damit fördert sie wichtige Projekte in diesen Kirchen, die ohne diese Unterstützung nicht möglich wären. Die Spenden helfen direkt vor Ort und die Landeskirche garantiert, dass die Spende auch zu 100 Prozent ankommt.Die Fastenaktion "füreinander einstehen" ist eine Aktion der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern in Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk Bayern, dem Martin-Luther-Verein in Bayern und dem Gustav-Adolf-Werk Bayern.


12.02.2018 / ELKB