München

Evangelisches Beratungszentrum hilft seit 60 Jahren

Von der Kriegswaisenhilfe zur Lebensberatung in der Leistungsgesellschaft: Seit 60 Jahren bietet das Evangelische Beratungszentrum (ebz) München Hilfe für Menschen in akuten Lebenskrisen.

In den letzten Jahren seien psychische Auffälligkeiten bei den Ratsuchenden deutlich gestiegen, sagte ebz-Leiterin Gerborg Drescher am Donnerstag. "Ich wage mir nicht vorzustellen, wie sich das entwickelt, wenn der gesellschaftliche Druck noch stärker zunimmt", sagte die Pfarrerin und systemische Therapeutin. Das ebz berät jährlich rund 35.000 Menschen, allein 20.000 davon rufen bei der Telefonseelsorge an, die rund um die Uhr erreichbar ist.

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Zu den jüngsten Angeboten des ebz gehört die Schwangerschaftsberatung für geflüchtete Frauen in Gemeinschaftsunterkünften und eine Gruppe für Kinder mit einem psychisch auffälligen Elternteil. Um Scheidungskinder zu schützen, arbeite die Familienberatungsstelle eng mit dem Münchner Familiengericht zusammen. "So können wir streitende Paare auffangen und die Eltern dafür sensibilisieren, was ihre Kinder in dieser Situation brauchen", erklärte Diplom-Psychologin Petra Horn.

Ihre Kollegin aus der Eheberatung, Christine le Coutre, verzeichnet einen Anstieg sowohl älterer als auch ganz junger Paare. "Die älteren möchten überprüfen, was in der Partnerschaft noch passt, und was sie ändern wollen - die jungen kommen häufig, weil sie von Anfang an Fehler der eigenen Eltern vermeiden möchten", sagte die Leiterin der Ehe- und Lebensberatungsstelle.
 

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Evangelisches Beratungszentrum

Das Beratungszentrum bietet Hilfe bei Fragen rund um Partnerschaft, Familie, Erziehung, Schwangerschaft und Schule. Termine werden telefonisch vergeben unter (089) 590480. Die Wartezeit beträgt zum Teil mehrere Wochen.
 
Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter der kostenlosen Nummer 0800 111 0 111 erreichbar. Die Berater sind auch per Chat oder per Mail erreichbar. Anmeldung unter www.telefonseelsorge.de.

Das Jubiläumsjahr steht unter dem Motto "Begegnung zwischen Himmel und Erde". Spiritualität sei in den Beratungsgesprächen oft unterschwellig ein Thema, sagte Gerborg Drescher. "Die Frage nach dem Sinn, nach der Orientierung ist ein Grundthema bei Menschen, egal, welcher Religion oder Glaubensrichtung sie angehören", so die ebz-Leiterin. Dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ebz für diese Fragen hellhörig seien und ihnen Raum gäben, sei ein Markenzeichen der Beratungseinrichtung.

Geschichte des ebz

Die Anfänge des ebz gehen zurück auf das Jahr 1948: Im Dekanat wurde eine Erziehungsberatung (EB) mit ehrenamtlichen Beratenden eingerichtet. Mit der Zeit konnte der Beratungsbedarf nicht mehr abgedeckt werden.1963 beauftragte das Dekanat München den evangelischen Frauenbund mit einer ehrenamtlichen Ehe-, Familien- und Lebensberatung. Um ein niederschwelliges Angebot für Menschen in akuten Krisen zu bieten, wurde auf Anregung von Pfarrer Dr. Harsch 1968 die Telefonseelsorge gegründet. Die Sexual- und Schwangerschaftsberatung kam 1974 hinzu, nachdem der Bundestag eine verpflichtende Beratung in einer Sexual- und Schwangerschaftsberatungsstelle beschloss. Das ebz erhielt seinen heutigen Namen im Jahr 1978. Die Beratungsstelle wurde mit den beiden Außenstellen in Neuperlach und Pasing in den gemeinsamen Verein „Evangelisches Beratungszentrum München e.V.” zusammengeführt.


11.04.2018 / epd/ebz