Evangelische Telefonseelsorge München

Seit 50 Jahren erreichbar

Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge ist für viele ein Netz, das sie vor dem Absturz bewahrt.

Bild: iStock-ljubaphoto

50 Jahre Lebenshilfe rund um die Uhr: Seit ihrer Gründung 1968 steht bei der evangelischen Telefonseelsorge München im Evangelischen Beratungszentrum (ebz) die Leitung nicht still.

"Die Telefonseelsorge ist immer da, so wie Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst", sagte deren Leiter Norbert Ellinger am Dienstag in München. Rund 50 Menschen in Krisensituationen rufen laut Ellinger täglich die kostenfreie Hotline 0800 111 0 111 an. Die Telefonseelsorge feiert das Jubiläum mit einem Festgottesdienst am Samstag, 17. November, in der Matthäuskirche. Die Predigt hält Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler.

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Derzeit arbeiten 110 geschulte Ehrenamtliche im Schichtbetrieb der Telefonseelsorge, um den Anrufern zuzuhören. Grundpfeiler der Arbeit ist die Anonymität von Anrufern und Ehrenamtlichen. Wichtigste Aufgabe der Telefonseelsorge sei, zuzuhören und da zu sein. Viele psychisch kranke Menschen müssten heutzutage drei bis acht Monate auf einen Therapieplatz warten, sagte ebz-Leiterin Gerborg Drescher. Die Telefonseelsorge sei für viele ein Netz, das sie vor dem Absturz bewahre. "Das schlechter finanzierte soziale System muss auffangen, was das Gesundheitssystem nicht leistet", kritisierte Drescher.

Weil sich die Kommunikation in den vergangenen Jahren gravierend verändert hat, bietet die Telefonseelsorge auch Beratung via Chat und Mail. "Gerade die Jüngeren telefonieren nicht mehr, sie chatten", sagte Norbert Ellinger. Schon seit 2010 vergibt die Telefonseelsorge deshalb Beratungstermine im virtuellen Raum, 26 Ehrenamtliche stehen derzeit als Ansprechpartner zur Verfügung. Die Nachfrage sei hoch: "Wenn ein Berater einen Chat-Termin online stellt, ist der meistens nach fünf Minuten weg", sagte der Theologe.
 


08.11.2018 / epd