KZ-Gedenkstätte Dachau

"Tag des Gedenkens für die Opfer des Nationalsozialismus"

Gedenktag Dachau

Stacheldrath umzäunt die KZ-Gedenkstätte Dachau und erinnert an die Opfer des Nationalsizialismus, die hier gefangen waren und ums Leben gekommen sind.

Bild: iStock_anguigena

Am Sonntag, 27. Januar 2019, findet auf Einladung des "Trägerkreis NS-Opfer-Gedenktag in Dachau" anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus ein Zeitzeugengespräch statt. 

Ruth Melcer berichtet darüber, wie sie als Kind ganz auf sich gestellt Auschwitz überlebte. Sie wurde 1935 als Ryta Cukierman im polnischen Tomaszów Mazowiecki nahe Lodz geboren. Ende 1942 wurde die gesamte Familie in das Zwangsarbeitslager nach Bliżyn verschleppt, 1944 nach Auschwitz deportiert. Kurz nach der Ankunft wurde ihr kleiner Bruder ermordet, während Ruth mit der Mutter zur Arbeit eingeteilt wurde. Die Befreiung durch die Rote Armee erlebte sie wie eine Fata Morgana. Nach dem Krieg beschloss die Familie, auch die Eltern hatten überlebt,  Polen zu verlassen. Über Berlin gelangte die Familie nach München, wo Ruth Melcer – nach Stationen in Tel Aviv und Augsburg – bis heute lebt.

Das Zeitzeugengespräch mit Ruth Melcer beginnt um 19 Uhr im Rathaus in Dachau. Ansprachen halten die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth sowie der Dachauer Oberbürgermeister Florian Hartmann. Die Moderation des Gesprächs übernimmt Dr. Gabriele Hammermann. Der Eintritt ist frei.

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Evangelische Kirche und Konzentrationslager

Am Donnerstag, 31. Januar, stellt die Kirchenhistorikerin Rebecca Scherf ihr neu erschienenes Buch in der Versöhnungskirche Dachau vor. Scherf untersuchte in ihrer Doktorarbeit das Verhältnis der evangelischen Kirche zum KZ-System zwischen 1933 und 1945. Bis 1937 duldete die SS noch kirchliche Seelsorge in den Lagern. Andererseits wurde bereits im März 1933 der erste evangelische Pfarrer aus politischen Gründen in KZ-Haft genommen, bis März 1945 waren es insgesamt 71 deutsche Geistliche.

In einem Überblick dokumentiert die Autorin erstmals alle diese Geistlichen. Ein Großteil der Inhaftierungen erfolgte 1935 und 1941/42, zumeist in den Lagern Sachsenburg und Dachau. Auf der Grundlage von Tagebucheinträgen und Predigten wird das protestantische Leben der Geistlichen im Dachauer Pfarrerblock rekonstruiert - eine wichtige Ergänzung zu den bereits vorliegenden Studien zu den katholischen Priestern, die mit mehr als 90 Prozent die große Mehrheit der Geistlichen im KZ Dachau stellten. Die Arbeit wurde mit dem Wilhelm Freiherr von Pechmann-Preis 2018 ausgezeichnet. 

Bei der Veranstaltung wird Dr. Heinz H. Niemöller, geboren 1924, berichten wie er mit einer Ausnahmegenehmigung seinen Vater, Pfarrer Martin Niemöller, im KZ Dachau besuchen durfte. Außerdem wird  Dr. Irmgard Schwaetzer, Bundesministerin a.D. und Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Frau Präses Dr. Schwaetzer n ihrem Dachauer Grußwort zum Gedenktag für die NS-Opfer grundsätzlich über Erinnern und Gedenken in Zeiten des Geschichtsrevisionismus sprechen und auch auf die Bedeutung der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte für die EKD eingehen.

Die Versöhnungskirche gehört zu den ganz wenigen Kirchenbauten, die der gesamten EKD gehören. Die Arbeit an der Versöhnungskirche geschieht in gemeinsamer Trägerschaft von EKD und Evangelisch-Lutherischer Kirche in Bayern. Für 2019 hat die EKD die Finanzierung der Errichtung eines barrierefreien Zugangs zu den Räumen der Versöhnungskirche beschlossen.


23.01.2019 / KZ-Gedenkstätte Dachau/Versöhnungskirche Dachau