Bayreuth

Erster Taufgottesdienst für 20 iranische Flüchtlinge in Bayreuth

Zum ersten Mal ist eine Gruppe von iranischen Flüchtlingen in der evangelischen Bayreuther Stadtkirche getauft worden. Regionalbischöfin Dorothea Greiner: "Das wird unsere Gemeinden bereichern."

Im Rahmen eines Internationalen Gottesdienstes taufte Regionalbischöfin Dorothea Greiner am 16. Juli in Bayreuth 17 Männer und drei Frauen. Die 20 Männer und Frauen, die in verschiedenen Orten in Oberfranken leben, haben als erste einen dreimonatigen Taufkurs in der Bayreuther Friedenskirchengemeinde abgeschlossen. Es ist die erste Gruppe von insgesamt 86 Geflüchteten aus dem Iran, für die eine Bayreuther Kirchengemeinde einen speziellen Taufkurs erarbeitet hat. Dort bereiten sich gegenwärtig 66 weitere überwiegend erwachsene Geflüchtete aus dem Iran auf ihre Aufnahme in die evangelisch-lutherische Kirche vor, sagte der Bayreuther Gemeindepfarrer Hans-Dietrich Nehring.

In seiner Predigt betonte Bayerns Diakoniepräsident Michael Bammessel die Bedeutung der Taufe als weltweit verbindendes Symbol der Gemeinschaft aller Christen. Der Glaube an Jesus Christus verbinde die Menschen aus ganz unterschiedlichen Völkern, Kulturen und Nationen miteinander, sagte der Theologe. Damit unterscheide sich das Christentum von Religionen, die ausschließlich mit einem bestimmten Volk verbunden seien und deshalb eine Abgrenzung bewirkten. Bammessel wandte sich zugleich gegen Vorurteile, das Christentum sei eine Religion der reichen "westlichen" Länder: Am Anfang des Christentums seien die ersten Gemeinden nicht in Europa entstanden, sondern in Ländern, die heute zu Asien gezählt würden.

Der Taufkurs besteht aus einem zwölfteiligen Modulsystem, in dem die wesentlichen Grundlagen des christlichen Glaubens und der lutherischen Lehre vermittelt werden, der aber auch das Verhältnis von Islam und Christentum behandelt. Mit Hilfe eines strukturierten Teilnehmerausweises wird auch die Fortsetzung des Unterrichts an einem anderen Ort ermöglicht. Diesen Kurs hält Regionalbischöfin Greiner für unverzichtbar. "Die Ernsthaftigkeit des Taufbegehrens muss sich bewähren", betont die evangelische Theologin. Allen Muslimen müsse bewusst sein, welche Gefährdungen mit der Taufe verbunden sein könnten, vor allem bei einer möglichen Rückkehr in ihr Heimatland.

Nach der Taufe werden die Iraner, die derzeit in verschiedenen Städten Oberfrankens und der Oberpfalz leben, formell Mitglied der Bayreuther Friedenskirchensgemeinde sein, in der sie den Kurs absolvierten. Allerdings wollen sie sich nach den Worten von Regionalbischöfin Greiner auch in die Kirchengemeinden an ihrem jeweiligen Wohnort integrieren: "Ich bin überzeugt, das wird unsere Gemeinden bereichern." Durchaus vorstellbar sei es, dass manche der neu Getauften auch eine Lektoren- oder Prädikantenausbildung aufnehmen, um etwa Gottesdienste in der Heimatsprache der Iraner zu halten.

Die Reihe der Internationalen Gottesdienste in der Bayreuther Stadtkirche wurde im Dezember 2015 gestartet. Eine Zielgruppe waren von Anfang auch nichtchristliche Asylbewerber und Geflüchtete. Eigens für diese Gottesdienste wurde ein Begleitheft in sechs Sprachen ausgearbeitet, darunter Arabisch, Russisch und Farsi.


21.07.2016 / epd