Eröffnungsgottesdienst Fastenaktion

Sorge um Europa

Der Synodalsenior der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder Daniel Zenatý

Engagiert für Europa: der Synodalsenior der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder Daniel Zenatý

Bild: ELKB

Mit einem Festgottesdienst ist in Erlangen die Fastenaktion der Landeskirche eröffnet worden. Die ELKB unterstützt in diesem Jahr die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder (EKKB) in Tschechien.

Ihr Synodalsenior Daniel Zenatý nahm in seiner Predigt in der Neustädter Universitätskirche die Flüchtlingskrise und die Krise Europas in den Blick. Er wünsche sich gute Beziehungen zwischen den Völkern. Wer sich noch zu Zeiten des Kalten Krieges an die alte Grenze bei Waidhaus/Rozvadov mit Stacheldraht und Maschinengewehren erinnert, könne die Freiheit gar nicht genug genießen, einfach über die Grenze zu fahren. "Die Frage ist: Wird das so bleiben?", kritisierte Zenatý wachsende Nationalismusbestrebungen in der EU.

Zitat

Wir brauchen mehr Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, damit unsere Welt menschlicher und friedlicher wird, Wir brauchen mehr Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, damit den Menschen die Angst vor Verlust und Veränderung genommen wird. Und wir brauchen mehr Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, damit etwas sichtbar wird von der Liebe Gottes, die mit Jesus Christus in diese Welt gekommen ist. 

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm will sich mit der Fastenaktion 2017 für mehr Gerechtigkeit und Barmherzigkeit einsetzen

Er wünsche sich außerdem Lösungen in der Flüchtlingsfrage. "Uns tut es leid, dass die aktuelle Politik unseres Landes gegenüber Ausländern und gegenüber Europa so negativ und feige ist", sagte Zenatý. Seine Kirche stehe dafür, zu zeigen, wie gut es sei, "nach Möglichkeiten zu suchen, Flüchtlingen zu helfen und nicht nach Gründen zu suchen, warum wir ihnen nicht helfen können".

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Die Kirchenleitung der Böhmischen Brüder steht der tschechischen Regierung wohlwollend kritisch gegenüber, bezieht aber immer wieder deutlich Stellung. So forderte die Kirchenleitung die Regierung auf, das Nein zur Aufnahme von Kriegsflüchtlingen zurückzunehmen. Außerdem beklagte sie in einem Brief an den Ministerpräsidenten einen Mangel an moralischen Autoritäten, "die es schaffen würden, den Menschen zu sagen, dass es notwendig ist, den Flüchtlingen zu helfen".Zenatý kritisierte in seiner Predigt außerdem Menschen, die Hass-Kommentare im Internet posteten oder Nachrichten als Fake News abtäten. "In Zweifel ziehen - ein jahrtausendealtes Gift, das heute die sozialen Netzwerken verseucht, in einer Zeit, von der wir stolz denken, wie modern sie doch ist." Solche Menschen spalteten, vergifteten oder zerstörten das Leben. "Unter Freunden oder anonym und feige im Internet."

Die Fastenaktion der bayerischen evangelischen Landeskirche steht in diesem Jahr unter dem Motto "Für ein gerechtes Europa". Dabei steht die Kirche der Böhmischen Brüder in Tschechien im Mittelpunkt. Nur etwa 20 Prozent der Tschechen gehören einer Religion an.

Informationen zum Thema Fastenaktion 2017

Fastenaktion 2017

Spenden können Sie auch direkt bei Ihrem Pfarramt abgeben oder auf das Spendenkonto der ELKB einzahlen:
Evangelische Kreditgenossenschaft eB
IBAN DE51 5206 0410 0001 0010 00
BIC GENODEF1EK1

Die Böhmischen Brüder haben rund aktive 70.000 Mitglieder. Im 17. und 18. Jahrhundert waren evangelische Gottesdienste in weiten Teilen Tschechiens verboten. Erst nach 1781 durften die Evangelischen wieder sogenannte "Bethäuser" errichten und nach dem Ersten Weltkrieg eine eigene tschechische evangelische Kirche bilden. Seit der Wende 1989 ist wieder ein kirchliches Leben in allen Formen möglich. Die Fastenaktion will die Kirche zum Beispiel bei der Renovierung des Gemeindehauses in Havlíckuv Brod, rund 100 Kilometer südöstlich von Prag, unterstützen. Die Spenden dafür werden während der Fastenzeit in den rund 1.530 evangelischen Kirchengemeinden in Bayern gesammelt.  An der Aktion, bei der jeweils rund 200.000 Euro zusammen kommen, beteiligen sich auch das Diakonische Werk Bayern sowie die evangelischen Diaspora-Initiativen Martin-Luther-Verein und Gustav-Adolf-Werk.


06.03.2017 / epd