500 Jahre Engelsgruß

"Engelsgruß" ganz nah

Wenn die Restauratoren den Engelsgruß gereinigt haben, können vom 1. bis 17. Juli die Besucher Erzengel Gabriel, Maria und viele kleine Engel und Medaillons aus nächster Nähe besichtigen.

Restauratoren inspizieren das Kunstwerk des Bildhauers Veit-Stoß. Bis zum 17. Juli läuft das Festprogramm zum Jubiläum.

Zu seinem 500. Geburtstag ist der berühmte "Engelsgruß" des Bildhauers Veit Stoß (etwa 1450-1533) am Dienstagmorgen in der Nürnberger Lorenzkirche aus sechs Metern Höhe herabgelassen worden. Das Kunstwerk sei langsam und ruhig nach unten geschwebt, berichtete Architektin Marisia Com. Das sei in früheren Jahren nicht immer so gewesen. Aber die vor fünf Jahren restaurierte Winde, mit der der Engelsgruß nach unten geführt wird, habe gut funktioniert.

Das etwa drei Meter hohe Werk wird nun zunächst abgeschirmt von den Blicken der Besucher von den Restauratoren Ingo Trüper und Anja Meisel untersucht und gereinigt. Nach einem ersten Augenschein stellte Restaurator Trüper fest, dass das Werk aus Lindenholz in gutem Zustand ist. Zuletzt hatte er es vor fünf Jahren inspiziert. Nun gehe es darum, sich lösende Farbschollen zu befestigen und danach die Figuren abzustauben.

Mehr zum Thema

Von Sonntag, 1. Juli, bis 17. Juli haben Nürnberger und Touristen einen freien Blick auf das Schnitzwerk und können es von der Nähe betrachten, teilte die Lorenzer Pfarrerin Claudia Voigt-Grabenstein mit. Die Kirchengemeinde St. Lorenz hat zum 500. Geburtstag ihres bekanntesten Kunstwerks auch das Jahresprogramm unter das Motto gestellt "Maria: fromm.fremd.frei." Es finden mehrere Festgottesdienste statt, Kirchenkonzerte stellen vor allem Maria und Engel in den Mittelpunkt. Turmführungen und Besuche bei der Winde für den Engelsgruß stehen auch auf dem Programm.

Der "Englische Gruß" oder der "Engelsgruß" ist das Hauptkunstwerk in der gotischen Nürnberger Lorenzkirche, einer der beiden evangelischen Hauptkirchen in der Stadt. 1517 hatte der Patrizier Anton II. von Tucher dem bereits 70-jährigen Bildhauer Veit Stoß (etwa 1450-1533) den Auftrag für das Werk aus Lindenholz gegeben. Bereits im Sommer 1518 wurde das Kunstwerk über dem Hallenchor der St. Lorenzkirche aufgezogen. Der Erzengel Gabriel verkündet Maria die Geburt Christi - steht im Mittelpunkt des Schnitzwerkes, das sechs Meter über dem Boden hängt. Die beiden zentralen Figuren, die farbig gefasst und teilweise vergoldet sind, sind über zwei Meter hoch und stehen in einem ovalen Kranz aus 50 Rosen, die von einer überdimensionalen Gebetsperlenschnur umgeben sind. Der "Englische Gruß" stürzte 1817 beim Wiederaufhängen ab und wurde dabei fast vollständig zerstört. Seit der Wiederherstellung fehlen die Krone über dem Engelsgruß, das kleine Jesuskind auf dem Zepter des Gabriel und zwei von ursprünglich sechs Engeln. Am 4. September 1939 wurde der Engelsgruß abgenommen und im "Kunstbunker" eingelagert. So überstand er die Bombenangriffe auf Nürnberg.

Es ist auch eine neue Festschrift erschienen, in der "Neuestes zum Leben von Veit Stoß" zu lesen sei, wie Stadtdekan Jürgen Körnlein sagte. Körnlein bezeichnete den "Engelsgruß", als eine "Verbindung zwischen Himmel und Erde". Das Werk sei das ökumenische Kunstwerk schlechthin" und "kirchenhistorisch Wahnsinn", erklärte der Dekan.


27.06.2018 / epd/ELKB