Kirchenvertreter zum Ergebnis der Bundestagswahl

"Weckruf für alle"

Heinrich Bedford-Strohm

Heinich Bedford-Strohm

Bild: (c) ELKB / Poep

Zum Ergebnis der Bundestagswahl nehmen der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Regionalbischof Hans-Martin Weiss Stellung.

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm zum Ergebnis der Bundestagswahl: 
"Ich freue mich über die gestiegene Wahlbeteiligung. Die Kirchen hatten zusammen mit vielen anderen gesellschaftlichen Gruppen für die Beteiligung an der Bundestagswahl geworben. Das Maß der Unterstützung für eine junge rechtspopulistische Partei ist ein Weckruf für alle, denen das friedliche und solidarische Miteinander in einem weltoffenen Deutschland am Herzen liegt.

Das Niederbrüllen von Rednern bei Kundgebungen und persönlich beleidigende Parolen waren erschreckende Ausdrucksformen eines Mangels an politischer Kultur. Alle müssen jetzt zusammenhelfen, dass ausgrenzende und hasserfüllte Stimmen nicht das Leben in unserem Land vergiften. Es bleibt abzuwarten, ob eine zerrissene Partei wie die AfD es schafft, sich konstruktiv in den parlamentarischen Arbeitsprozess auf Bundesebene einzubringen und eine Trennlinie zu den radikalen Rechtsaußen-Kräften in der Partei einzuziehen."

Regionalbischof mahnt zu klaren Worten gegenüber AfD

Regionalbischof Hans-Martin Weiss

Regionalbischof Hans-Martin Weiss

Bild: Kirchenkreis Regensburg

Der Regensburger Regionalbischof Hans-Martin Weiss hat eine neuerliche Auseinandersetzung mit der deutschen NS-Vergangenheit angemahnt. Durch das Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl sei deutlich geworden, dass diese Form des Erinnerns auf dem Rückzug sei, sagte der evangelische Theologe und Sprecher der bayerischen Regionalbischöfe am Montag im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). So pflege die AfD einen Politikstil, der sich "lustig macht über unsere Kultur der Vergangenheitsbewältigung". Nötig sei jedoch "eine ganz konkrete und seriöse Wahrnehmung und Erinnerung an das, was von unserem Land ausgegangen ist und die klare Verpflichtung dazu, dass sich das nicht wiederholt," sagte Weiss.

Alle Kräfte des Landes müssten dafür Verantwortung tragen und könnten sich nicht davor drücken, sich "mit der fürchterlichen NS-Zeit und ihren Folgen" zu beschäftigen, forderte Weiss. Dafür brauche es auch eine "klare seelsorgerliche und politische Sprache" in Kirchengemeinden und kirchlichen Gremien.

In den Landkreisen Niederbayerns und der Oberpfalz hatte die AfD überdurchschnittlich hohe Ergebnisse einfahren. So erzielte die rechtspopulistische Partei unter anderem in den Landkreisen Regensburg 14,4, Cham 18 und Schwandorf 17,3 Prozent der Wählerstimmen. In Ingolstadt, das auch zum Kirchenkreis Regensburg gehört, wurde die AfD sogar zweitstärkste Kraft nach der CSU. Bundesweit gesehen erhielt die rechtspopulistische AfD nach vorläufigem amtlichen Endergebnis 12,6 Prozent der Zweitstimmen und gewann drei Direktmandate.


25.09.2017 / EKD