Bundestagsentscheidung

"Ehe für alle"

Ehe für alle

Der Deutsche Bundestag hat mit einer deutlichen Mehrheit die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare beschlossen.

Bild: iStock-lisafx

Die Kirchen in Deutschland haben unterschiedlich auf die Bundestagsentscheidung zur "Ehe für alle" reagiert. Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland begrüßten den Beschluss.

Der EKD-Ratsvorsitzende und bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm schrieb am Freitag bei Facebook: "Ich wünsche mir, dass jetzt weder Triumphgefühle auf der einen Seite noch Bitterkeit auf der anderen Seite den Ton angeben." Konservative Kreise in der Landeskirche kritisierten den Bischof für seine Haltung zur "Ehe für alle".

Bedford-Strohm schrieb in seinem Beitrag am Freitag, er wünsche sich, dass ein neues Bewusstsein entstehe "für das wunderbare Angebot der Ehe, in lebenslanger Treue und Verbindlichkeit miteinander leben zu dürfen". Bereits vor der Abstimmung im Bundestag hatte sich der Theologe positiv zur "Ehe für alle" geäußert. Die Öffnung der Ehe für Homosexuelle schwäche nicht die Ehe zwischen Mann und Frau, sie stärke vielmehr ihre Werteorientierung und ihr Anliegen, ein verlässlicher äußerer Rahmen für eine lebenslange Beziehung zu sein, sagte der Landesbischof bereits am Mittwoch.

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Der theologisch konservative Arbeitskreis Bekennender Christen (ABC) in Bayern bezeichnete die "Ehe für alle" als Ausdruck eines kulturellen und gesellschaftlichen Wandels. Damit müssten Christen umzugehen lernen, "ohne zu Wutbürgern zu werden oder in die innere Emigration zu gehen", sagte ABC-Vorsitzender Till Roth. Es sei Aufgabe der Kirchen, nun deutlich zu machen, "dass sich diese neue Auffassung von 'Ehe' weiter vom jüdisch-christlichen Verständnis" entferne. Dass die "Ehe für alle" das Anliegen der Ehe stärke, sei "ein Widerspruch in sich", wenn man den nun für überholt erklärten Ehebegriff zugrunde lege.

Der Lohrer Dekan will aus der politischen Entscheidung nun vor allem keine Folgen für kirchliches Handeln abgeleitet wissen. Aus dieser nun veränderten Gesetzeslage folgt laut Roth "keine Handlungsmaßgabe für kirchliches Handeln". Die Frage nach der "Schriftgemäßheit der Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften" habe mit den staatlichen Entscheidungen ebenso wenig zu tun, wie die ethische Beurteilung von gleichgeschlechtlicher Lebensweise mit humanwissenschaftlichen Erkenntnissen". Roth betonte, für ein biblisch orientiertes Denken bleibe "das Aufeinanderbezogensein der zwei Geschlechter" maßgeblich.

Bischof Bedford-Strohm hatte am Mittwoch eingeräumt, die Debatte müsse auch im weltweiten Kontext betrachtet werden. Der Großteil der Kirchen habe große Probleme mit der Frage der gleichgeschlechtlichen Ehe, sagte er. Man dürfe diese Kirchen dafür aber nicht als "Ewiggestrige" behandeln. Um diese Frage müsse im Dialog der Religionen gerungen werden. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch erklärte als Vorsitzender der Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz, er bedauere, dass der Gesetzgeber wesentliche Inhalte des Ehebegriffs aufgegeben habe, "um ihn für gleichgeschlechtliche Partnerschaften" anzupassen.

Der Deutsche Bundestag hatte am Freitagmorgen in Berlin mit einer deutlichen Mehrheit die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare beschlossen. Dafür stimmten in einer namentlichen Abstimmung 393 Abgeordnete - und damit auch ein gutes Viertel aus den Reihen der Union. Gegenstimmen gab es 226, vier Abgeordnete enthielten sich. SPD und Opposition hatten sich in der vorhergehenden Debatte siegessicher geäußert. Vertreter der Union warben um Respekt für die Gegner der "Ehe für alle". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die die Dynamik dieser Woche erst ausgelöst hatte, stimmte gegen die Öffnung der Ehe.


04.07.2017 / epd