Religionsunterricht

"Selbstbewussten Umgang mit digitalen Medien lernen"

Umgang mit digitalen Medien lernen

"Ohne Bezug zur Lebenswirklichkeit der Schüler können Sie heute keinen überzeugenden Unterricht mehr machen."

Bild: iStock-dolgachov

Die bayerische Landeskirche will mit einer Digitalisierungs-Offensive den Religionsunterricht fit für die Zukunft machen. Dem epd erklärt Oberkirchenrat Detlev Bierbaum, weshalb das so wichtig ist.

Herr Bierbaum, Sie wollen den Religionsunterricht wieder näher an die digitale Lebenswirklichkeit der Schüler heranführen. Wie soll das konkret funktionieren?
Es war schon immer eine Stärke des Religionsunterrichts, die Lebenswirklichkeit der Schüler aufzunehmen, dies ist ein Grundprinzip unseres pädagogischen Handelns. Ohne Bezug zur Lebenswirklichkeit der Schüler können Sie heute keinen überzeugenden Unterricht mehr machen. Das schlägt sich auch in den Lehrplänen fürs Fach Evangelische Religionslehre nieder. Hier möchte etwa ich den Lernbereich "Frei im Netz!?" LehrplanPlus des Gymnasiums nennen, der sich ganz dezidiert mit der digitalen Lebenswirklichkeit der Schüler auseinandersetzt. Das passende Unterrichtsmaterial wird von unserem Religionspädagogischen Zentrum erarbeitet. Dieses stellt seine Materialien zunehmend auch elektronisch zur Verfügung - es ist wichtig, die Lehrkräfte zu ermutigen, digital zu arbeiten. Dazu braucht es passende Materialien!

Der evangelische Religionsunterricht hat im Lernstress des Schullalltags auch eine "Insel-Funktion". Nimmt man ihm diese nicht ein bisschen durch Smartphones, Tablets und eBooks?

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Diese "Insel-Funktion" beruht auf unserem Verständnis vom Verhältnis Gottes zu den Menschen. Das ist nicht vom Leistungsdenken, wie es in unserer Gesellschaft vorherrscht, geprägt. Dennoch, und das muss immer wieder betont werden, ist Evangelische Religionslehre ein ordentliches Schulfach, in dem auch Leistungen benotet werden. Hier können wir uns nicht ausnehmen. Insofern kann sich Religionsunterricht nicht in der "Insel-Funktion" erschöpfen. Vielmehr muss er aufgrund der vielen "Verlockungen" der digitalen Welt die Schüler dazu anhalten, sich selbstbewusst und reflektiert mit dieser auseinanderzusetzen, ohne diese von vornherein abzuwerten, kurz: digitale Medienkompetenz.

Alleine mit digitalen Lehr- und Lernmaterialien wird es nicht getan sein. Wie will die Landeskirche ihre Religionspädagogen fit für die digitale Unterrichts-Zukunft machen?
Absolut, gute digitale Lehr- und Lernmaterialien alleine machen noch keinen guten Unterricht. Deshalb spielt das Thema auch auf der Ebene der Fortbildungen für unsere Lehrkräfte eine wichtige Rolle. Unsere Medienzentrale bietet Fortbildungen wie "Eintauchen in Social Media" oder "Digitale Potenziale im RU" an. Um die Lehrkräfte bei ihrer Arbeit zu unterstützen, wurde die Plattform "referentennavi.de" ins Leben gerufen, auf der man rasch Referenten zu den verschiedenen medienpädagogischen Themen finden kann. Nicht zuletzt muss die "digitale Lebenswelt" auch in unserem Fortbildungswesen Einzug erhalten, um deren Vorteile nutzen zu können.

Zur Person

Bierbaum, Bild: © ELKB

Oberkirchenrat Detlev Bierbaum

ist in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern für Bildung und Schulen zuständig. 


06.02.2018 / epd/Daniel Staffen-Quandt