chrismon-Kolumne "Der Heilige Rasen"

Selber "alte Säcke"!

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Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler kommentiert die Ereignisse der Fußball-Europameisterschaft 2016 in einer chrismon-Kolumne.

Bild: Monika Höfler, istock

Folge 9: Jung sein kann jeder. Tore halten aber nicht! Oder ein ganzes Volk gründen. Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler schreibt in der chrismon-Kolumne, was sie während der Fußball-Euro bewegt.

"Der alte Mann hat seinen Platz verteidigt", sagt der Kommentator. Welcher "alte Mann"? Ich suche nach einem Senior auf dem Spielfeld. Und dann merke ich, es geht um Orges Shehi, Torwart Nummer zwei bei Albanien. Shehi spielt normalerweise bei KF Skenderbeu Korca. Nicht wirklich weltberühmt, aber sechsmaliger Meister. Und wie alt Shehi ist? 38, Leute! Seine Länderspielkarriere hat er erst vor vier Jahren begonnen. Der Transferwert von Shehi beträgt 125 000 Euro. Vermutlich mehr, als ein Sender ausgeben würde, um den Kommentator abzuwerben.

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 Ja, das ist gemein. Aber dieser "alte Mann" könnte mein Sohn sein, Mensch! Roy Eric Carroll ist auch 38 Jahre alt. Und Torhüter. Er spielt für Nordirland. Gianluigi Buffon, der Keeper von Italien? 38. Spielt unangefochten bei Juve! Was sagt uns das? Die erfahreneren Spieler, die bewachen das Tor. Es sei denn, sie rasen wie Buffon bei einem Sieg über das gesamte Feld und springen aufs Tor los. Ein Lattenkracher der eigenen Art. "Ich habe mich ein bisschen verletzt“, sagt Buffon. Merken Sie was? "Ein bisschen". Lange nicht so zimperlich wie manch Jüngerer.

"Ein Augenblick der großen Emotionen, aber es ist nichts passiert", fügt der Italiener hinzu. Ein etwas älterer Spieler ist Profi, aber voller Leidenschaft und steckt schon auch mal was weg. Ganz daneben, wenn eine Illustrierte "Die alten Säcke der EM" titelt.

Shay Given ist 40 Jahre. Und, na was? Torhüter bei Irland. Der Ungar Gabor Kiraly hat ebenfalls volle vier Jahrzehnte auf dem Buckel. Unnötig zu sagen, dass er das Tor hütet. Jung sein kann jeder. Abraham, der Erzvater, ist mit 75, die anderen sagen, mit 99 losgezogen, um ein ganzes Volk zu gründen. Im letzteren Fall könnte er mein Vater sein.

Zur Person

Susanne Breit-Keßler, Bild: © ELKB / Poep

Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler

Seit 2000 ist sie Regionalbischöfin des Kirchenkreises München-Oberbayern, seit 2003 Ständige Vertreterin des Landesbischofs. Sie ist Autorin der chrismon-Kolumne "Im Vertrauen" und begleitet die Fußball-Europameisterschaft mit einer Online-Kolumne bei www.chrismon.evangelisch.de. 


18.06.2016 / Susanne Breit-Keßler