chrismon-Kolumne "Der Heilige Rasen"

Handshake statt Feindbild

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Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler kommentiert die Ereignisse der Fußball-Europameisterschaft 2016 in einer chrismon-Kolumne.

Bild: Monika Höfler, istock

Folge 8: So viele Feindbilder wurden vor dem Match gegen Polen aufgebaut. Stattdessen vor und nach dem Spiel: Respekt und Küsse, schreibt Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler in der chrismon-Kolumne.

Lewandowski, Lewandowskiiiii.... Man will den netten Polen von nebenan vorwärts schreien. Nach vorne treiben in diesem eher langweiligen, defensivstarken und angriffsschwachen zweiten deutschen Spiel der Vorrunde. Äh, Moment. Halt! Falsch! Der Lewandowski spielt gar nicht für uns, also momentan jedenfalls.

Seine Unterstützung ist folglich kontraproduktiv. Zumal er beabsichtigt hatte, dem Teamkollegen vom FC Bayern, Jérôme Boateng, ein "Geschenk" mitzubringen. Geschenk! Ein Tor wollte er an ihm vorbei machen, der gemeine Kerl. Von wegen netter Nachbar. Aber zum Glück war es nix mit dem geplanten Überraschungsei. Boateng ist "man of the match". Nicht Lewy.

Es gibt Wichtigeres in diesen bluttriefenden Tagen

Vor dem Spiel tönten ein paar Sportjournalisten vorlaut, die "Münchner Wand" um Neuer stehe gegen Lewandowski. Cooler Keeper gegen coolen Knipser. Und der sei die alleinige "Lebensversicherung" der Polen. Die Armen. Feindbilder wurden aufgebaut, vielleicht nicht ganz ernst, aber doch ein bisschen.

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Sehen wir mal ab vom Ergebnis. 0:0. Egal jetzt. Es gibt Wichtigeres in diesen bluttriefenden Tagen. Mats Hummels, der Ex-Dortmunder hat den ehemaligen Dortmunder Lewandowski im Kabinengang mit Handshake und herzlichem Lächeln begrüßt. Demnächst tritt man gemeinsam im Bayern-Trikot an.

Am Ende des Matches wurde Mats Hummels von seiner Liebsten abgeknutscht und strahlte. Götze zeigte offene Sympathie für Lewandowski, der ihm schon mal ein Tor, nein, nicht verpasst, sondern geschenkt hat. "Die Welt ist klein und wir sind groß" heißt der EM-Song. Oder Kroos? Oder Lewy? Hauptsache, Freunde. Wenigstens Respekt.

Zur Person

Susanne Breit-Keßler, Bild: © ELKB / Poep

Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler

 Seit 2000 ist sie Regionalbischöfin des Kirchenkreises München-Oberbayern, seit 2003 Ständige Vertreterin des Landesbischofs. Sie ist Autorin der chrismon-Kolumne "Im Vertrauen" und begleitet die Fußball-Europameisterschaft mit einer Online-Kolumne bei www.chrismon.evangelisch.de.


17.06.2016 / Susanne Breit-Keßler