chrismon-Kolumne "Der Heilige Rasen"

Von den blauen Socken

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Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler kommentiert die Ereignisse der Fußball-Europameisterschaft 2016 in einer chrismon-Kolumne.

Bild: Monika Höfler, istock

Folge 22: Alles halb so wild: Wir freuen uns auf ein freies Wochenende! Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler kommentiert in der chrismon-Kolumne, was sie während der Fußball-Euro 2016 bewegt.

Europameisterschaften werden grundsätzlich überschätzt. Wen interessiert, wer da gewinnt? Ein paar Hände voll Mannschaften spielen um einen, global gesehen, nicht wirklich bedeutenden Titel. Wenn der amtierende Weltmeister - also wir - eine Zeitlang mitmacht, ist das natürlich schön. Andererseits gibt es zuhause auch allerlei zu tun: Rasenmähen, Getränke kaufen, den Schuhschrank ausmisten. Das können die Spieler der deutschen Nationalmannschaft jetzt in Ruhe machen.

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Hätten sie gegen Frankreich gewonnen, müssten sie noch nach Paris. Dass das nicht so kommen würde, habe ich schon zu dem Zeitpunkt geahnt, als Schiedsrichter Rizzoli und seine Kollegen in bläulichen Strümpfen aufliefen. Die Begründung, man wolle sich von den schwarzen Hosen und Stutzen der Deutschen absetzen ist nur allzu durchsichtig. Sie hätten ja gelbe oder rosafarbene anziehen können. Aber im Spiel gegen Les Bleus blaue Socken... Eine Ansage!

Und dann: Unsere Mannschaft hat die Squadra Azzurra aus dem Rennen geworfen. Rizzoli ist Italiener. Erinnert sich noch jemand, was er bei der letzten WM 2014 gesagt hat? "Ich bin stolz, Italiener zu sein und ich will Italien gut vertreten. Ich will der Beste sein, und ich werde der Beste sein." Es gibt echte Unparteiische und andere. Mehr sage ich nicht. Natürlich sind auch die schuld, die vor dem Spiel unbekümmert die Marseillaise mitgesummt haben. Da braucht man sich hinterher nicht beschweren, Leute!

Dieses Sommerwochenende ist frei. Ich habe keinen Rasen, den ich mähen könnte. Der Schuhschrank ist aufgeräumt und Getränke kauft mein Mann. Ich werde mir bis Sonntag überlegen, wem ich den Titel mehr gönne. Wahrscheinlich den Portugiesen. In ihrem Land haben wir unseren ersten verliebten Urlaub verbracht. Vor allem aber haben wir gegen sie bei dieser EM nicht verloren. Das zählt. Denn auch andere haben ihren Stolz, Herr Rizzoli.

 

Zur Person

Susanne Breit-Keßler, Bild: © ELKB / Poep

Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler

Seit 2000 ist sie Regionalbischöfin des Kirchenkreises München-Oberbayern, seit 2003 Ständige Vertreterin des Landesbischofs. Sie ist Autorin der chrismon-Kolumne "Im Vertrauen" und begleitet die Fußball-Europameisterschaft mit einer Online-Kolumne bei www.chrismon.evangelisch.de. 


08.07.2016 / Susanne Breit-Keßler