chrismon-Kolumne "Der Heilige Rasen"

Kampf dem Irrtum

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Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler kommentiert die Ereignisse der Fußball-Europameisterschaft 2016 in einer chrismon-Kolumne.

Bild: Monika Höfler, istock

Folge 20: "Ball-Technik: unbedingt! Technik im Ball: hm" - Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler kommentiert in der chrismon-Kolumne, was sie während der Fußball-Europameisterschaft 2016 bewegt.

Freistoßspray markiert die richtige Position des Balls und den Mindestabstand der Spieler-Mauer zum Ball. Danach löst sich der Schaum wieder auf. Die einen freuen sich, weil dadurch Freistoßtore mehr und gelbe Karten weniger geworden sind. Außerdem muss der Schiri mal vor den Spielern in die Knie gehen... Die anderen nervt das Spray. Es dauert, bis einer losballern kann - das macht potentielle Schützen manchmal kirre. Der mentale Vorbehalt verpatzt die Chance zu treffen. 

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Adlerauge sei wachsam. Mit der Torlinientechnik „Hawk Eye“ kommen 14 Kameras in jede Arena, sieben für jedes Tor. Millimetergenau verfolgt das System, wohin sich der Ball bewegt. Wenn er die Torlinie überwunden hat, rumort es in der Uhr des Schiedsrichters. Der weiß jetzt: Toooor! Falls er es nicht sowieso mitgekriegt hat. Fehlentscheidungen gibt es nicht mehr. Alles eindeutig. Und nach dem Spiel kann man sich alles noch hundertmal anschauen und jede Spielerposition überprüfen.

Dass unsere Polizei Bodycams bekommt, um Übeltäter zu entlarven, finde ich gut. Aber wenn auch noch die Schiedsrichter mit Kameras am Körper rumrennen, damit freche Spielersprüche oder Abseitse aufgezeichnet werden, steige ich aus. Wie wäre es obendrein mit einer Hinterkopfkamera für den Unparteiischen oder einer digitalen Trillerpfeife? Die losfiept, wenn ein Sensor am Bein eines Spielers Signale aussendet: Pfui! Stijn Stijnen hat gerade heimlich "Haut den Lukas!" gemacht....

Kein Zweifel mehr, kein Streit. Voll langweilig. Die Experten analysieren nach dem Abpfiff jedes Spiel bis zu Bewusstlosigkeit. Gähn. Ich trauere den alten Zeiten nach. Wembley 1966 - erinnern Sie sich? WM-Endspiel England - Deutschland. Geoff Hurst dübelt in der 101. Minute den Ball vorbei an Torwart Tilkowski an die Latte, von dort geht er auf die Torlinie. Verteidiger Wolfgang Weber haut ihn ins Aus. Also den Ball. Trotzdem Tor. Der Schweizer Schiedsrichter entschied so. 3:2.

Wird sich jemand an die schnarchlangweiligen Spielanalysen dieser EM erinnern? Nein. Niemals. Aber damals im Finale: Das war KEIN Tor! Ich war zwar erst zwölf. Aber wir können das jetzt nochmal ganz genau durchgehen! Der Ball ist auf der Torlinie hochgesprungen, man sah den Kalk in der Luft. Keine Netzberührung. Die Engländer haben zu Unrecht gewonnen. Da braucht man doch keine Kamera - das sieht man mit bloßem Auge. Es war KEIN Tor! Jemand anderer Meinung?

Zur Person

Susanne Breit-Keßler, Bild: © ELKB / Poep

Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler

Seit 2000 ist sie Regionalbischöfin des Kirchenkreises München-Oberbayern, seit 2003 Ständige Vertreterin des Landesbischofs. Sie ist Autorin der chrismon-Kolumne "Im Vertrauen" und begleitet die Fußball-Europameisterschaft mit einer Online-Kolumne bei www.chrismon.evangelisch.de. 


06.07.2016 / Susanne Breit-Keßler