chrismon-Kolumne "Der Heilige Rasen"

Ordentlicher Fußball

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Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler kommentiert die Ereignisse der Fußball-Europameisterschaft 2016 in einer chrismon-Kolumne.

Bild: Monika Höfler, istock

Folge 10: Ist Ordnung im Fußball ein Wert an sich? Und was ist mit dem Respekt, den die UEFA so vehement einfordert? Fragt sich Regionalbischöfin Breit-Keßler in ihrer chrismon-Kolumne zur Fußball-EM.

Ich habe es gerne ordentlich. Mein Schreibtisch sieht picobello aus, wenn ich nicht gerade einen Blog schreibe. Auch sonst bin ich eher aufgeräumt. Aber mit der UEFA würde ich trotzdem nicht wirklich gut Freund. Deswegen, weil ihre Funktionäre Freundschaften auch noch regulieren wollen. Oder sagen wir mal: Spontane Zuneigung. Und spontan heißt nun mal impulsiv, direkt, plötzlich, unerwartet. Vielleicht auch ein bisschen unüberlegt. Spontaneität lässt sich nicht in Regeln packen. 

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Nach dem Spiel, in dem Cristiano Ronaldo einen Elfmeter verschossen hat - gegen Österreich(!) - war jemand spontan. Mit allem was dazu gehört. Ein kleiner portugiesischer Fan ist auf das Spielfeld gerast, was natürlich nicht erlaubt ist. Verstehe ich. Sicherheitsgründe. Aber der Mann wollte unbedingt ein Selfie mit Ronaldo. Nette Geste, wo der doch gerade... egal. Die Ordner waren drauf und dran, den Freak abzuführen, der nach dem Spielergebnis eigentlich einen wehmütigen Fado hätte anstimmen müssen.

CR7, noch völlig genervt von seiner spielerischen Pleite, hatte Verständnis für den kleinen Portugiesen. Der zitterte vor heller Aufregung und bekam sein Handy nicht in Gang. Man sah förmlich, was er dachte: "Ich und Ronaldo! Mein Gott!! Was werden die zuhause sagen? Ronaldo und ich! Wahnsinn!!!" Der Superstar zeigte sich geduldig. Er hielt den Arm schützend um den bibbernden Fan und die Ordner zurück. Als das Bild endlich im Smartphone war, wurde der Mann abgeführt.

Ja, ich weiß: "Wenn das jeder machen würde..." - Ordnung ist das ganze Leben. Der portugiesische Fußballverband kriegt deshalb jetzt eine Geldstrafe. Übrigens wirbt die UEFA überall mit einer "Respect"-Kampagne für Anstand und Fairness. Lauter fröhliche junge Leute in den Spots. Respekt? Das Selfie soll von einem Ordner gelöscht worden sein. Bestimmt in einer sehr respektvollen Weise. Deshalb hat der kleine Portugiese spontan auch so ordentlich glücklich ausgesehen.

Zur Person

Susanne Breit-Keßler, Bild: © ELKB / Poep

Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler

Seit 2000 ist sie Regionalbischöfin des Kirchenkreises München-Oberbayern, seit 2003 Ständige Vertreterin des Landesbischofs. Sie ist Autorin der chrismon-Kolumne "Im Vertrauen" und begleitet die Fußball-Europameisterschaft mit einer Online-Kolumne bei www.chrismon.evangelisch.de.


21.06.2016 / Susanne Breit-Keßler