Kreuz in staatlichen Einrichtungen

Ein Zeichen der Freiheit

Helles Kreuz auf dunklem Grund

Über die Anbringung von Kreuzen in staatlichen Einrichtungen wird in Bayern derzeit heftig diskutiert.

Bild: xx

Die Anordnung des Bayerischen Kabinetts, ab Juni im Eingangsbereich aller bayerischen Staatsbehörden Kreuze anzubringen, ist in der Landeskirche auf sehr unterschiedliche Resonanz gestoßen.

Er freue sich, dass das Kreuz, das in erster Linie ein religiöses Symbol sei, für das Lebensgefühl in Bayern nach wie vor eine so starke Rolle spiele, betonte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Gleichzeitig mache es gerade das Kreuz immer wieder notwendig, die Politik kritisch zu hinterfragen, "wenn es um die Überwindung von Armut, den Einsatz für eine humane Flüchtlingspolitik oder die Überwindung von Krieg und Gewalt geht". Es sei eine Selbstverständlichkeit für Christen, alles zu tun, "um die Inhalte, für die das Kreuz steht, in die Herzen der Menschen zu bringen und unsere eigenen Herzen immer wieder darauf auszurichten". Über den richtigen Weg dorthin könne allerdings diskutiert werden. Christen, die die Verordnung von Kreuzen in Behörden ablehnten, seien deshalb noch keine Selbstverleugner. Bedford-Strohm wehrte sich ausdrücklich gegen eine Funktionalisierung des Kreuzes "für irgendwelche außerhalb von ihm selbst liegende Zwecke".

Zitat

Ich freue mich über jeden, über alle Politiker und Politikerinnen, die sich durch das Kreuz an die eigene Fehlbarkeit und die eigenen Grenzen ebenso erinnern lassen wie an die Vergebung, auf die wir Christenmenschen im Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen Christus hoffen und vertrauen.“

Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler

Das Kreuz sei ein inklusives Symbol und gehöre hinaus in die Welt, betonte die Ständige Vertreterin des Landesbischofs, Susanne Breit-Keßler, in einem ökumenischen Gottesdienst anlässlich der Eröffnung der bayerischen Landesausstellung "Wald, Gebirg und Königstraum. Mythos Bayern" in der Basilika in Ettal. Das Kreuz erinnere daran, "dass der wahre Gott sich als wahrer Mensch offenbart. Als einer, der in die tiefsten Abgründe steigt, um seinen Menschen nahe zu sein." Das Kreuz lehre Demut und Bescheidenheit, denn Jesus selbst, "der schärfste Religionskritiker aller Zeiten", habe sich dagegen verwahrt, "dass wir Gott selbstherrlich vereinnahmen und uns dadurch selbst zu einem Gott, einer Göttin erklären". Sie freue sich darüber, "wenn politisch Verantwortliche sich bewusst unter das Kreuz stellen" und damit ihre Verantwortung und ihre politischen Entscheidungen im Licht des Kreuzes bedächten.

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Auch die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner begrüßte das Anbringen von Kreuzen im Eingangsbereich von Behörden: "Die Neutralität des Staates ist ein hohes Gut, doch zugleich betont unsere Verfassung die Verantwortung vor Gott. Diese kann durch unser Kreuz symbolisiert werden." Gleichzeitig warnte Greiner davor, das Kreuz zum Kampfsymbol werden zu lassen: "Es ist Zeichen der Liebe, und zwar zu allen Menschen." Das Kreuz sei Zeichen der Erlösung und Befreiung, niemals der Unterdrückung. Gerade wegen dieser Eindeutigkeit freue sie sich, "dass unser Staat dieses Symbol hoch hält".

Kritik der Jugendverbände

Empört über den Kabinettsbeschluss äußerten sich dagegen die Evangelische Jugend in Bayern (EJB) und der Bund der Katholischen Jugend(BDKJ) in Bayern in einem offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder.

Zitat


Für uns als Christinnen und Christen ist das Kreuz unmittelbar verknüpft mit den christlichen Werten und Überzeugungen von Nächstenliebe, Toleranz, Vielfalt und Achtung der Menschenwürde."

Aus dem offenen Brief von EJB und BDKJ

"Damit wird das Ursymbol des Christentums, das für das Heilsversprechen Gottes an alle Menschen steht, instrumentalisiert und als Ausgrenzungssymbol missbraucht." Das Kreuz sei für Christinnen und Christen unmittelbar verknüpft mit den christlichen Werten und Überzeugungen von Nächstenliebe, Toleranz, Vielfalt und Achtung der Menschenwürde. "Gegen Ihre politisch-nationale Vereinnahmung verwehren wir uns aufs Schärfste!" Die Bezeichnung des Kreuzes als "grundlegendes Symbol bayerischer Identität und Lebensart" sei eine "theologische Entleerung und Missachtung religiöser Sinndeutung", betonten die Jugendverbände und forderten den Ministerpräsidenten auf, sich in Zukunft tatkräftig für eine Politik einzusetzen, "die sich am christlichen Menschenbild orientiert und daher alle Menschen einschließt, unabhängig von Herkunft und Religion".


02.05.2018 / ELKB