Multireligiöses Gedenken in Dachau

Bestattung für zwölf namenlose NS-Opfer

Multireligiöse Bestattung am Dachauer Waldfriedhof

Vertreter verschiedener Konfessionen und Religionen begleiteten die Bestattung der 12 unbekannten Toten mit ihrem Gebet.

Bild: Klaus Schultz

In einer interreligiösen Gedenkfeier wurden die zwölf namenlosen Toten bestattet, die im vergangenen Herbst auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers München-Allach gefunden wurden.

Auf dem Dachauer Waldfriedhof versammelten sich am vergangenen Freitag um die 70 Vertreter aus Politik, Gedächtnisarbeit und Religionen, um die zwölf Skelette in Würde beizusetzen.  Auch Ernst Grube (85), Shoah-Überlebender und Präsident der Lagergemeinschaft Dachau und Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, war unter den Gästen.

In ihrer Eröffnungsrede in der Aussegnungshalle betonte die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Gabriele Hammermann, wie wenig man über Identität und Herkunft der Häftlinge wisse.  "Wir wissen kaum etwas über das Leiden der Menschen." Deswegen gelte das Gedenken an diesem Tag stellvertretend auch allen anderen Opfern der Nationalsozialisten. Gerade weil die zwölf Toten nur verscharrt worden seien, sei es von symbolischer Bedeutung, jedem einzelnen ein eigenes Grab zu geben.

Zitat

Vor allem betrachten wir Euch als Menschen, Euch, die im Lager von Allach wie einfache «Stücke» betrachtet worden ward. Ihr seid unsere Väter, unsere Brüder, denn wir erkennen Euch an als einen Teil unserer großen Familie. Diese Identifikation hat einen Namen: der Respekt und die Menschenwürde, die Gleichheit der Rechte und Pflichten."

Jean-Michael Thomas

„Wir kennen Eure Namen nicht, wir wissen nicht wie alt Ihr wart, wir wissen nichts über Eure Familien noch über Euren Beruf, wir kennen Eure Geschichte nicht, weder Eure Sprache noch Eure Nationalität und Religion“, sprach der Präsident des Comité International de Dachau (CID), Jean-Michael Thomas die Verstorbenen direkt an. Eine persönliche Botschaft könne man deshalb nicht an die Verstorbenen richten, aber man könne ihnen mehr als 70 Jahre nach ihrem Tod Ehre und Hochachtung erweisen.

Gebete in verschiedenen Sprachen

Begleitet von Saxophonklängen zogen die Gedenkenden aus der Aussegnungshalle zu den zwölf Gräbern, über denen die zwölf Särge aufgebahrt waren. Dort erklangen ein Geleitwort aus der römisch-katholischen Bestattungsliturgie (Pastoralreferent Ludwig Schmidinger), ein jüdisches Totengedenkgebet auf Hebräisch, gesungen von Rabbiner Steven E. Langnas und je ein Totengedenkgebet nach dem byzantinischen und dem russisch-orthodoxen Ritus auf Griechisch und Kirchenslawisch (Erzpriester Apostolos Malamoussis und Erzpriester Nikolai Zabelitch). Daraufhin wurden die zwölf Särge nacheinander in dir Gräber gesenkt. Zum Abschluss rezitierte Imam Siddik Tekingür von der Mosche des Türkisch-Arabischen Vereins, Dachau auf Arabisch eine Sure aus dem Koran und der Landeskirchlicher Beauftragte für evangelische Gedenkstättenarbeit, Pfarrer Björn Mensing, sprach das Schlussgebet und den Segen: „Es sollen gesegnet sein Schwarze und Weiße, Menschen aus Ost und West, Nord und Süd, damit sie Frieden schließen und Freundschaft, ein für alle Mal. Es sollen gesegnet sein, Juden und Muslime, Buddhisten und Hindus, Atheisten, Agnostiker und Christen, damit sie eins werden. Gott segne euch, und ihr sollt ein Segen sein für die bedrohte Welt und die Menschen dieser Erde.“


20.12.2017 / ELKB