Fußballfest gegen Rassismus in Nürnberg

"Bunt ist cool"

Menschen, die sich im Arm halten

Gemeinsam geht es besser: Beim InklusionsCup spielen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen.

Bild: (c) Evangelische Jugend Bayern

Juli 2016: Ganz Bayern ist im Fußballfieber. Aber während die einen am 2.7. auf das Viertelfinale warten, freuen sich die anderen auf das große Fußballfest “Bunt ist cool“ in Nürnberg.

„Erlebnis geht über Ergebnis“ - davon ist Claus Bork überzeugt. Zum zehnten Mal motiviert der Verwaltungsangestellte Ansbacher Konfirmanden beim Konfi-Cup. „In der Konfigruppe, die ich damals betreute, haben viele Jugendliche gerne Fußball gespielt", berichtet der 43-Jährige. Da habe man einfach am KonfiCup teilnehmen müssen. Bork stellte die Mannschaft auf, ein Vater übernahm das Training, zum Schluss war der Jubel groß: Die Konfis von St. Gumbertus wurden Sieger auf Dekanatsebene und durften zum bayernweiten Turnier beim Fußballfest gegen Rassismus in Nürnberg – ein schöner Erfolg.

Zitat

Als Sportlerin oder Sportler trete ich ein für Fairness, Respekt und Menschenwürde. Deshalb verpflichte ich mich, meine Mit- und Gegenspieler als Partner zu achten, bei Sportveranstaltungen niemanden zu diskriminieren wegen seiner Herkunft, Hautfarbe, Weltanschauung oder Behinderung, keine rassistischen oder andere beleidigende Schimpfwörter zu verwenden und fair zu bleiben – auch wenn ich verliere. Ich will nicht wegschauen, sondern mich einmischen, wenn andere rassistische
Parolen verbreiten."

Aus der Selbstverpflichtung, die von allen Spielerinnen und Spielern unterzeichnet wird.

Das war der Anfang. Denn seitdem hat der KonfiCup Claus Bork nicht mehr losgelassen. 2010 übernahm er vom scheidenden Jugenddiakon die Organisation des Dekanatsturniers. Heute sind Bork, Trainer Winkler und die Dekanatsjugenddiakonin Anke Himmel ein gutes Team, wenn es darum geht, den KonfiCup auszurichten. Die Pfarrerinnen und Pfarrer verlassen sich darauf und melden ihre Konfis fleißig an – jährlich sind es zehn bis zwölf Gruppen, die im Frühjahr in der „Dekanatsliga“ darum wetteifern, zum Entscheidungsspiel nach Nürnberg mitzudürfen.

Der ganze Kurs feuerte mit an

Immer wieder hat Bork stolze Konfirmanden zum Fußballfest fahren sehen. In manchen Gemeinden wie Bechhofen sei der ganze Konfikurs mitgefahren, um sein Team anzufeuern. „Das war dann ein Event für alle.“ Als 2009 und 2011 Mannschaften aus St. Gumbertus gewannen, war die Freude natürlich besonders groß.

In diesem Jahr werden für Ansbach Konfis aus St. Johannis und aus Eyb am 2. Juli in Nürnberg antreten. Für die Clubfans ist es ein besonderer Höhepunkt, auf dem Clubgelände des 1. FC Nürnberg spielen zu dürfen – in einem Turnier, dessen Schirmherren die ehemaligen FCN-Fußballprofis Marek Mintal und Dieter Frey sind. „Das ist ein sehr, sehr großes Ereignis“, berichtet Bork, „der ganze Platz ist voller Leute - ein riesiges Remmidemmi.“

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1200 Jugendliche und Erwachsene treten gegeneinander an – in 85 Mannschaften bei sieben verschiedenen Kleinfeldturnieren – der KonfiCup ist nur eines davon. 15 Mannschaften nehmen am Kleinfeldturnier für Menschen mit Behinderung teil. „Wir sind von der hohen Teilnahmerzahl begeistert“, sagt Reinhold Schweiger, Sportreferent der Evangelischen Jugend in Bayern. In diesem Jahr kicken auch 16 Flüchtlingsmannschaften und eine afrikanische Mannschaft aus Landshut mit.

Impressionen vom Fußballfest im Jahr 2009

„Bei 'Bunt ist cool' kann jeder mitspielen, egal welche Herkunft oder Behinderung, bei uns stehen der Sport und die Begegnung im Mittelpunkt“, so der Sportreferent. Auch Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm wird am Vormittag des 2. Juli ein Trikot überstreifen und um den „EKD-FriedensCup“ kicken – genauso wie eine Mannschaft aus dem Münchner Landeskirchenamt, die am Nachmittag gegen eine Mannschaft aus „Club-Legenden“ - Reinhold Hintermaier, Frank Kramer, Andy Wolf, Marek Mintal und Dieter Frey – und Sportlern mit geistiger Behinderung spielt.

Über den Sport in die Gemeinde finden

Die Mannschaften der Konfirmanden aus St. Johannis und Eyb sind nicht die einzigen, die am 2. Juli das Dekanat Ansbach vertreten. Eine Mannschaft aus St. Gumbertus spielt beim Jugendturnier mit, „und ob wir bei den Erwachsenen eine Mannschaft zusammenbekommen, ist noch offen“, erzählt Claus Bork. In den vergangenen zehn Jahren ist in St. Gumbertus aus dem KonfiCup ein monatliches Fußballtraining erwachsen, an dem Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 13 und 20 Jahren teilnehmen. Immer wieder stoßen neue Fußballbegeisterte dazu. Diese Kontinuität ist für Claus Bork das Schönste: „Dass immer noch welche mitspielen, die schon vor zehn Jahren selber Konfirmanden waren.“ Daraus habe sich ein schöner Zusammenhalt zwischen den jungen Erwachsenen, den Jugendlichen und den Organisatoren entwickelt. Ob er selber mitkicke? Nein, lieber nicht. „Mir selbst liegen Ballsportarten überhaupt nicht. Ich bin immer froh, wenn es aufgeht und ich nicht mitmachen muss.“ Ihm genügt es, die Turniere zu organisieren, mit anzufeuern und zu sehen, wie Menschen über den  Sport den Weg in die Gemeinde finden.

Das KonfiCup-Team des Dekanats Ansbach: Trainer Winkler, Claus Bork und Anke Himmel

Haben sichtlich Freude an der Organisation des KonfiCups: Trainer Winkler, Claus Bork und Anke Himmel

Bild: privat

Selbstverpflichtung zur Fairness

Das Fußballfest wird in diesem Jahr zum achten Mal ausgetragen und in Partnerschaft mit dem 1. FC Nürnberg, dem Bayerischen Fußballverband und der Wilhelm-Löhe-Schule Nürnberg veranstaltet. Die Kleinfeldturniere finden in den Kategorien Herren (FriedensCup), Schüler, Jugend, Mädchen, KonfiCup und InklusionsCup Erwachsene und Kinderstatt. Die Spielerinnen und Spieler aus ganz Bayern und darüber hinaus verpflichten sich mit ihrer Unterschrift, keine rassistischen, fremdenfeindlichen und rechtsradikalen Parolen zu äußern oder zu verbreiten.

29.06.2016 / ELKB