Gedenkfeier KZ-Todesmarsch von 1945

Dauerhafte Mahnung

Todesmarsch-Mahnmal (Detail), Konzentrationslager Dachau April 1945

Im Bild das Todesmarschmahnmal von Hubertus Pilgrim am Konzentrationslager in Dachau.

Bild: Wikipedia Commons cc 3.0

Bei der Gedenkfeier am Mahnmal des Todesmarsches der KZ-Häftlinge in Dachau hat die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler am 28. April an das unermessliche Leid der Nazi-Opfer erinnert.

Ende April 1945 trieb die SS Tausende Dachauer Häftlinge auf dem KZ-Appellplatz zusammen: Juden, aber vor allem Gefangene aus der Sowjetunion. Männer, Frauen und Kinder mussten sich auf einen tödlichen Weg machen. Für mindestens 1.000 von ihnen, vielleicht 3.000, war es der letzte Weg. Die Häftlingskolonnen seien am Tag und in der Nacht nicht zu übersehen gewesen, täglich seien Hunderte gestorben. Die völlig ausgehungerten Häftlinge hätten sogar versucht, Gras und Blätter von den Sträuchern zu essen, "immer in Gefahr, niedergeschlagen oder von Kampfhunden zerfetzt zu werden", sagte Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler in ihrer Rede am Todesmarschmahnmal.

Zitat

Nie wieder dürfen wir tatenlos mit ansehen, wenn Fanatismus gleich welcher Couleur Freiheit und Frieden bedrohen. Unser Protest heute gilt nicht nur den Neonazis, die grölend durch die Straßen ziehen. Unser Protest gilt allen, die ein Menschenbild ohne Anstand und Demut propagieren. Wer auf Toleranz und Mitgefühl pfeift, wer Nächstenliebe und Barmherzigkeit für veraltet erklärt und stattdessen egoistische Kaltschnäuzigkeit anpreist, der muss wissen, dass er sich selbst ins Abseits stellt.

Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler bei der Gedenkfeier 2018 am Mahnmal des Todesmarsches

Dieses Verbrechen muss nach Überzeugung der Regionalbischöfin eine dauerhafte Mahnung sein. "Nie wieder dürfen wir tatenlos mit ansehen, wenn Fanatismus gleich welcher Couleur Freiheit und Frieden bedrohen", sagte Breit-Keßler. Der Protest heute gelte nicht nur den Neonazis, sondern allen, "die ein Menschenbild ohne Anstand und Demut propagieren". Mit einem "leidenschaftlichen Widerspruch" müsse sich die gesamte Gesellschaft gegen den wieder erstarkten Antisemitismus stellen. Wenn junge Leute sich von Nazi-Parolen ansprechen lassen, weil sie keine Perspektive für sich sehen, müsse ihnen dazu verholfen werden, Orientierung und Auskommen für ihr Leben zu finden.

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Die frühere Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, kritisierte laut Mitteilung die "Gleichgültigkeit und Tatenarmut", mit denen jahrzehntelang über die Warnungen der jüdischen Gemeinschaft zum "real existierenden Antisemitismus" in Deutschland hinweggegangen worden sei. Die aktuelle Aufmerksamkeit für den massiv erstarkten Antisemitismus kämen "spät, sehr spät - hoffentlich nicht zu spät", sagte sie. Politiker, Lehrer, Justiz, Verbände und Zivilgesellschaft hätten die Sorgen der Juden "nicht zu den ihren gemacht", dabei sei Antisemitismus nicht nur ein Problem der Juden: "Er ist das Problem der Gesellschaft, in der er herrscht und verbreitet wird."

Knobloch beklagte, dass sich noch immer viele weigerten, bestimmte Formen des Antisemitismus zu erkennen und zu ächten. Antisemitismus komme eben nicht nur von rechtsextremen, sondern auch von links, von Muslimen und auch aus der Mitte der Gesellschaft, sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern anlässlich des 73. Jahrestages der Befreiung des KZ Dachau. "Er muss als ganzheitliches Problem überall, wo er vorkommt, benannt, analysiert und bekämpft werden." Knobloch sagte, nie wieder dürften Juden in Deutschland Angst haben, sich als Juden zu erkennen zu geben. "Es wäre das falsche Signal an Politik, Medien´, Gesellschaft - nach außen und innen."


30.04.2018 / epd