700 Jahre Hospitalstiftung Windsheim

Brauen, Baden, Beten

700 Jahre Spitalkirche

Rekonstruktion des ehemals unmittelbar anschließenden Krankensaals. (Judith Schwarz und Michael Sklenarik, FH Ansbach) im Museum Kirche.

Bild: MKF

Vor 700 Jahren stiftete der Windsheimer Konrad Förster seiner Heimatstadt ein Spital. Die Stadt feiert das Jubiläum mit einem Festprogramm,das Museum Kirche in Franken trägt eine Ausstellung bei.

Mit einer Urkunde, datiert auf den 24. November 1318, bestätigte der Bischof von Würzburg die Stiftung. Die spätmittelalterliche soziale Einrichtung hat die Zeiten überdauert und betreibt als „Hospitalstiftung Bad Windsheim“ heute ein Seniorenpflegeheim. Die Stadt feiert das 700-jährige Jubiläum mit einem Festprogramm, zu dem auch das Museum Kirche in Franken mit einer Ausstellung beiträgt.

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Die Ausstellung macht mit ausgewählten Exponaten Vergangenheit und Gegenwart des Spitals lebendig und zeigt so die Kontinuität der Stiftung, aber auch den Wandel in verschiedenen Facetten auf. Brauen, Baden und Beten stehen dabei für wichtige Aspekte in der Lebens- und Glaubenswelt der Spitalbewohner.

Das Bürger-Spital erscheint als eine kleine Stadt in der Stadt, ein Wirtschaftsbetrieb mit eigener Brauerei, Bäckerei und vielen Ländereien in der Umgebung der Reichsstadt. Die überlieferten Dokumente informieren gründlich über die Verwaltung der Finanzen und zeichnen ein detailreiches Bild eines kommunalen Unternehmens mit vielfältigen Einkommensquellen.

Schon seit der Eröffnung des Museums Kirche in Franken vermittelt eine eindrucksvolle Rekonstruktion des spätmittelalterlichen Krankensaals Einblicke in den Alltag der Bewohner und des Personals. Die zahlreichen Objekte aus dem Windsheimer Spitalfund von 1983 machen das Leben im Spital in der Zeit um 1500 anschaulich. Medizinische Aspekte wie das häufige Baden der Kranken und die Versorgung mit einer speziellen Ernährung komplettieren das Bild einer Einrichtung, die den Bedürfnissen der sozial Schwachen und der Altersversorgung der wohlhabenden Bürger gleichermaßen diente.

Windsheim Hospitalstiftung Urkunde recto Ausschnitt

Bestätigungsurkunde des Würzburger Bischofs Gottfried III. vom 24.11.1318, Original im Landeskirchlichen Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern

Bild: Wolfgang Gottschalk

In ein Spital konnte man sich zum eigenen Nutzen – als „Pfründner“ – einkaufen. Man konnte sich aber auch aus Nächstenliebe für die Versorgung der Bedürftigen einsetzen. Die Wohltäter glaubten sich durch ihre Stiftungen auch geistliche Verdienste zu erwerben und hofften auf die Fürsprache der Begünstigten über den Tod hinaus. Das tägliche Beten für die Stifter gehörte zu den Aufgaben der Bewohner. Der Besuch der Messe war ohnehin Pflicht für alle. Die Ausstellung ermöglicht dazu eine visuelle und akustische Annäherung an den Gottesdienst im Spital.

Das rekonstruierte Archiv des Spitals rückt die schriftlichen Quellen ins richtige Licht. Dem Tod im Spital und der Bestattung auf dem eigenen Friedhof ist eine weitere Abteilung gewidmet.

Über die Baugeschichte der Spitalkirche, die in der heutigen Gestalt 600 Jahre alt ist, informiert ein Kurzfilm. Zum Abschluss kann jede/r Besucher/in über die sozialen Herausforderungen unserer Zeit als Aufgabe für eine Stadt und ihre Bürger nachsinnen.

Die Ausstellung ist vom 08. Juli bis zum 25. November täglich von 10 Uhr bis 18 Uhr im Museum Kirche in Franken in Bad Windsheim zu sehen. Der Eintritt kostet 3,50 Euro, ermäßigt drei Euro.


16.07.2018 / MKF