Lernen von der Partnerkirche

Praktikum in der Bläserwerkstatt

 Cleiton Luan Fruhauf und Rafael Pagung begutachten mit Karl Scherzer ein Blasinstrument.

Drei Monate waren Cleiton Luan Fruhauf und Rafael Pagung aus Brasilien bei Karl Scherzer, um etwas über die Reparatur von Blechblasinstrumenten zu lernen.

Bild: Musik Scherzer

Lernen über Grenzen hinweg - das ist der Sinn der Partnerschaftsbeziehungen der ELKB. So in Altendettelsau: Dort erfuhren kürzlich zwei junge Brasilianer, wie man beschädigte Blasinstrumente repariert.

Karl Scherzer hat einen etwas sperrig klingenden Beruf, aber sein Wissen ist weltweit gefragt. Karl Scherzer ist Meister im Metallblasinstrumentenmacher-Handwerk und hat eine Werkstatt im mittelfränkischen Altendettelsau. Zu einem dreimonatigen Praktikum waren nun Cleiton Luan Fruhauf und Rafael Pagung aus Brasilien bei dem Instrumentenfachmann.

Die Reparaturen von Posaunen und Trompeten verschlingen Unsummen und belasten die Budgets einzelner Chöre in Brasilien sehr. Wegen der hohen Kosten werden Instrumente nicht repariert und fallen deshalb aus. Der brasilianische osaunenchorverband Obra Acordai möchte aus diesem Grund beschädigte Instrumente in Zukunft selbst reparieren. Metallbauer Cleiton (22) und Musiklehrer Rafael (24) wurden deshalb auf Vermittlung von Mission EineWelt nach Altendettelsau geschickt, um in der Blechbläserwerkstatt „Musik Scherzer“ die wichtigsten Handgriffe zu lernen, um Blechblasinstrumente instand zu setzen.

Posaunenchorarbeit ist Jugendarbeit

„Im brasilianischen Verband steht neben den klassischen Aufgaben die Herausgabe eines neuen Chorbuches an“, erzählt Rafael und betont, dass damit die Gesangbuchlieder auch musikalisch durch die Chöre begleitet werden können. „Die Unterstützung beim Aufbau neuer Gruppen ist ein Schwerpunkt. Ebenso die Beratung beim Instrumentenkauf und neuerdings dann auch bei der Reparatur der Blechinstrumente“, benennt Fruhauf als Aufgaben seines Verbandes. Rafael Pagung wird im Bundesstaat Espirito Santo und Cleiton Fruhauf in den drei südlichen Bundesstaaten Paraná, Santa Catarina und Rio Grande do Sul die Reparaturen durchführen. „Posaunenchorarbeit ist Jugendarbeit. Denn bereits siebenjährige Kinder erlernen das Posaunenspiel“, erzählen beide begeistert.

Werktags waren die jungen Brasilianer jeden Morgen in der Werkstatt von Karl Scherzer. Sie nehmen nun Grundkenntnisse im Bereich des Instrumentenbaus und der -reparatur mit nach Südamerika. Sehr zugute kam ihnen dabei, dass sie beide ein Blasinstrument spielen. Nach Einschätzung von Heidi Widder, die in der Werkstatt mitarbeitet, seien beide Brasilianer an Trompete und Posaune sehr gute Musiker. Sie seien in ihrer Freizeit musikalisch sehr aktiv gewesen. „Sie spielten in Neuendettelsau in der Blaskapelle der Freiwilligen Feuerwehr und im Posaunenchor der Kirchengemeinde St. Nikolai mit“,
berichtet Widder. Sie hätten als Musikanten die Neuendettelsauer Kirchweih und das Floriansfest mitgefeiert sowie verschiedene Gottesdienste unterstützt. „Wer Musik macht, ist überall gleich daheim.“

Ende April nahmen Fruhauf und Pagung am Landesposaunentag in Dresden teil. Mehr als 20.000 Bläser ließen im Rund des Dresdner Fußballstadions ihre Instrumente zur Ehre Gottes erklingen. „Ein prickelndes Erlebnis“, waren sich beide einig. Cleiton Fruhauf trug mit seiner Trompete und Rafael Pagung mit seiner Bassposaune dazu bei. Bei den landesweiten Treffen in Brasilien sind es 500 Bläser. Mit der Ausbildung in Altendettelsau wurde der Grundstein gelegt, dass Rafael und Cleiton dieses Handwerk in Brasilien ausbauen können.

Praktikanten aus Tansania und Papua-Neuguinea

Möglicherweise entstehen dabei eigene Werkstätten wie die von Dickson Hermas im Berufsausbildungszentrum im tansanischen Hai. Hermas war bereits 2012 für drei Monate in der Altendettelsauer Werkstatt. Er hat wie die Brasilianer die handwerkliche Grundlage dafür bekommen, war allerdings in Vollzeit „in der Lehre“. Bis heute hält Scherzers Werkstatt so gut wie möglich Kontakt nach Tansania und hat der kleinen tansanischen Werkstatt auch schon weiteres Werkzeug besorgt oder Öle, kleines Zubehör und mehr zukommen lassen. Im November ist über Mission EineWelt geplant, zwei Männer aus Papua-Neuguinea für eine Woche zu einem Schnupperkurs nach Altendettelsau zu bringen, denn auch in dem südpazifischen Land gibt es Posaunenchöre, und Instrumente, die gepflegt oder repariert werden müssen.


26.08.2016 / Neuschwander-Lutz