Bischofsbericht vor der Landessynode

„Über alles aber zieht an die Liebe“

Mit einer Gebetsstille für die Opfer des Krieges in Syrien und für eine Überwindung der Gewalt begann Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm seinen traditionellen Bericht vor der Landessynode.

Wie er selbst, so seien viele Menschen von der „barbarischen Art und Weise“, mit der „wieder einmal gegen alle Regeln des Völkerrechts unschuldige Zivilisten mit Giftgas getötet oder schwer verletzt“ worden seien, entsetzt gewesen. Auch wenn das Gefühl naheliege, irgendetwas gegen diese Völkerrechtsverletzungen tun zu wollen, so seien Militärschläge keine Lösung. „Als Kirchen weltweit appellieren wir dringlich an die internationale Staatengemeinschaft und insbesondere an die Großmächte, endlich Frieden und eine zivile Zukunft für Syrien zu schaffen, in denen die Gewalt ein Ende hat und die Opfer Gerechtigkeit erfahren.“

Mission nicht gegen Dialog ausspielen

Mission sei Zeugnis, griff Heinrich Bedford-Strohm das Schwerpunktthema der Synodaltagung auf. „Sie ist Ausdruck der tiefen Überzeugung, dass Gott das Heil für die Menschen will und dass die Heilung, die aus dem Verstehen dieses Heilswunsches Gottes in Herz und Seele erwächst, die beste Grundlage für ein erfülltes Leben ist.“

Zitat

Deswegen darf Mission auch nicht gegen Dialog ausgespielt werden. Denn sie lebt ja von der Wertschätzung des Anderen als Mensch – als Zweck an sich. Deswegen interessiert mich sein Glaube. Und ich gehe in das Gespräch hinein, weil ich verstehen möchte, was der Andere glaubt. Und oft genug verstehe ich dabei meinen eigenen Glauben selbst besser als ohne das Gespräch."

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Menschliche Mission als Konsequenz der Mission Gottes käme dann ans Ziel, wenn der Welt das Reich Gottes zeichenhaft sichtbar werde. „Das kann in der Überwindung von Not genauso der Fall sein wie in der Erfahrung von Menschen, die durch den Glauben an Jesus Christus in ihrem Leben eine neue Basis und einen neuen Sinn gewinnen.“ Mission im Geiste Jesu heiße, „den anderen um seiner selbst willen zu lieben, so wie Christus uns um unserer selbst willen liebt“. Kern sei das glaubwürdige Zeugnis „von dem Gott, der der Humanität darin die größtmögliche Würde gegeben hat, dass er selbst Mensch wurde.“ Deswegen dürfe Mission auch nicht gegen den Dialog ausgespielt werden. „Denn sie lebt ja von der Wertschätzung des Anderen als Mensch – als Zweck an sich. Deswegen interessiert mich sein Glaube. Und ich gehe in das Gespräch hinein, weil ich verstehen möchte, was der Andere glaubt.“

Kasualien im Wandel

Weitere Themen des Bischofsberichtes waren die filmische Vorstellung der neuen Willkommenstage „Hier kommst Du an!“ - für neue Mitarbeitende von Diakonie und Kirche,  sowie die Kasualpraxis der Kirche. Auch wenn Kasualien bei vielen Kirchenmitgliedern noch eine Schlüsselstellung hätten, sei doch ein fundamentaler Wandel festzustellen, erklärte Heinrich Bedford-Strohm. Die Selbstverständlichkeit, Kinder taufen zu lassen, gehe beispielsweise zunehmend verloren.

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Der Landesbischof forderte verstärkt eine gute Kommunikation, „die Eltern ernst nimmt in ihren Fragen und Taufe nicht nur als punktuelle Begleitung versteht, sondern als einen Prozess, der immer wieder auf Kontakt setzt.“ An diesem Thema arbeiteten die Dekanatsbezirke Kempten und Freising gerade schwerpunktmäßig, berichtete Bedford-Strohm. Dabei sei deutlich geworden, „dass besonders bei Familien mit gemischt-religiösem Hintergrund die Frage, ob ein Kind getauft werden soll, zu Konflikten führen kann“. Hier sei eine gute, sensible Kommunikation von Pfarrerinnen und Pfarrern von zentraler Bedeutung.

Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche bieten

Für die anstehenden Kirchenvorstandswahlen im Herbst 2018 sei es wichtig, junge Menschen zur Wahl und zur Kandidatur zu ermutigen, forderte Heinrich Bedford-Strohm. Man müsse die Kandidatur von Jugendlichen besonders stützen, so der Landesbischof, und sie bei den Berufungen berücksichtigen. Jugendliche seien bereit, in kirchlichen Gremien Verantwortung zu übernehmen. „Nehmen wir die Jugendlichen beim Wort und schaffen wir mehr Beteiligungsmöglichkeiten.“ Bedford-Strohm kündigte an, dass sich nach der Kirchenvorstandswahl 2018 eine Arbeitsgruppe zum Thema Jugendbeteiligung konstituieren werde, die sich aus Referentinnen und Referenten aus Landeskirchenamt, Amt für Gemeindedienst, Amt für Jugendarbeit sowie aus ehrenamtlichen Vertretern der Jugendgremien zusammensetzen werde.


18.04.2018 / ELKB