Landeskirchenrat

"Afghanistan ist kein sicheres Land"

Treffen der Bischöfe

Landesbischof Bedford-Strohm und Erzbischof Marx trafen sich im Rahmen der Landeskirchenratssitzung.

Bild: ELKB

Landesbischof Bedford-Strohm und Erzbischof Marx äußerten sich bei ihrem Treffen besorgt über die geplante Sammel-Abschiebung von Flüchtlingen nach Afghanistan.


Die Bischöfe Heinrich Bedford-Strohm und Reinhard Marx sehen die Sammel-Abschiebungen nach Afghanistan mit großer Sorge. Das Land müsse erst so befriedet werden, dass Menschen wieder sicher dort leben können, sagte der bayerische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm am Montag in München. Afghanistan sei laut dem Bericht des UN-Flüchtlingshilfswerk kein sicheres Land, ergänzte der Münchner Erzbischof Marx, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist. Die zwei Bischöfe trafen sich am Montag im Rahmen des regelmäßigen Austauschs zwischen evangelischer Kirchenleitung und Freisinger Bischofskonferenz.

Mehr zum Thema

Marx sagte weiter, dass ein generelles Abschieben von afghanischen Flüchtlingen "außerordentlich fragwürdig" sei. "Das geht so nicht." Bedford-Strohm forderte die Behörden auf, die Sicherheitslage in Afghanistan sowie die einzelnen Biografien der Flüchtlinge genau in den Blick zu nehmen. "Wir fordern eine klare Prüfung der Situation." Außerdem brauche es neue gesetzliche Regelungen für Flüchtlinge, die schon lange in Deutschland lebten, eine Arbeit hätten und gut integriert seien. Solche Menschen abzuschieben mache "menschlich und ökonomisch keinen Sinn", betonte Bedford-Strohm. Hier müssten dringend Lösungen gefunden werden, damit keine "absurden Situationen" entstehen.

Die Abschiebung von Flüchtlingen nach Afghanistan beschäftigt auch die Diakonie Bayern.

Mit großer Zustimmung wurde der Abschlussbericht einer gemeinsamen Arbeitsgruppe zu ökumenischen Gottesdiensten an Sonn- und Feiertagen zur Kenntnis genommen. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass das Bedürfnis der gesamten Gesellschaft nach ökumenischen Gottesdiensten stark angestiegen sei. Dies sei insbesondere nach Katastrophen wie dem Zugunglück von Bad Aibling oder dem Amoklauf in München zu spüren gewesen. Der Bericht schlägt unter anderem eine sorgfältige theologische Gottesdienstvorbereitung vor. Auf katholischer Seite soll das Genehmigungsverfahren für ökumenische Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen spürbar vereinfacht werden. Positiv wurde zur Kenntnis genommen, dass auf katholischer Seite die Erzdiözese München und Freising bereits entsprechende Änderungen in Kraft gesetzt hat.

Die Kirchenvertreter bekräftigen ihren Wunsch nach einem vertieften theologischen Dialog mit Vertretern des Islam. Eine Arbeitsgruppe wurde beauftragt, hierfür einen Fahrplan auszuarbeiten. Angedacht sind unter anderem öffentliche Diskussionen beispielsweise in kirchlichen Akademien.

Ein weiteres Thema war das gemeinsame Reformationsgedenken in diesem Jahr. Auf Anregung von Kardinal Marx wurde vereinbart, beim nächsten gemeinsamen Treffen in einer Rückschau zu bewerten, welche Fortschritte die Feierlichkeiten für das gemeinsame Glaubenszeugnis gebracht hätten. Zudem solle in den Blick genommen werden, wie der gute ökumenische Geist auch über das Reformationsjubiläum hinaus fortwirken könne.


21.02.2017 / epd