Bayerische Landesausstellung

„Ritter, Bauern, Lutheraner“

Bayerische Landesausstellung 2017

Das Haus der Bayerischen Geschichte, die Coburger Landesstiftung, die Stadt Coburg, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern und die Kirchengemeinde St. Moriz, veranstalten die Bayerische Landesausstellung „Ritter, Bauern, Lutheraner".

Bild: © Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg / Entwurf: graficde'sign pürstinger, Salzburg

An originalen Schauplätzen zeigt die Bayerische Landesausstellung anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 ein Panorama der Zeit um 1500 und erzählt die Geschichte von des Umbruch und Aufbruch.

 "Um 1500“ – eine bewegte Zeit großer Veränderungen. Buchdruck, Flugschriften und Kampflieder bringen neue Ideen unter die Leute, jahrhundertealte Gewissheiten geraten ins Wanken. Als zentraler bayerischer Beitrag zum Reformationsjubiläum 2017 präsentiert die Landesausstellung ein breites Panorama: das pralle Leben auf dem Land, in der Stadt, in den Klöstern, in den Ritterburgen. Thematisiert werden die sozialen, wirtschaftlichen, politischen und künstlerischen Traditionen und Umbrüche, welche die Epoche vom späten 15. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts prägten. Das Haus der Bayerischen Geschichte, die Coburger Landesstiftung, die Stadt Coburg, unterstützt durch die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern und die Kirchengemeinde St. Moriz, veranstalten die Bayerische Landesausstellung „Ritter, Bauern, Lutheraner“ vom 9. Mai bis 5. November.

Die Ausstellung Sie wird am authentischen Spielort gezeigt: Von der sicheren Veste Coburg aus verfolgte der in Reichsacht stehende Martin Luther die Geschehnisse des Augsburger Reichstags von 1530. Coburg war damals ein zentral gelegenes Handels- und Nachrichtenzentrum, eng verbunden sowohl mit Nürnberg als auch mit dem mitteldeutschen Raum, das „Schaufenster Kursachsens“ nach Süden. Zu Beginn seines Coburger Aufenthalts hielt Luther sieben Predigten in der spätgotischen Stadtkirche St. Moriz, in der bereits seit 1524 der Gottesdienst in der neuen, lutherischen Form gehalten wurde. Die Wahl der beiden Originalschauplätze als Orte der Landesausstellung 2017 lässt die Stadt und Veste als Einheit sichtbar werden.

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Vom Bauern bis zum Papst
Wurde die Welt durch die Ideen und Schriften Martin Luthers verändert? Nicht die Person des Reformators steht im Mittelpunkt der Landesausstellung, sondern seine Wirkung auf das Reich, vor allem in Süddeutschland. Alle gesellschaftlichen Schichten werden in den Blick genommen: vom armen Bauern bis zum Kaiser, vom Papst bis zum Bettelmönch. Was trieb die Menschen in diesen bewegten Zeiten um, wofür lohnte es sich, mit Worten – teilweise auch mit Waffen – zu kämpfen? Kostbare und ungewöhnliche Originale aus der Zeit, Kunstwerke von Albrecht Dürer, Lucas Cranach d.Ä. und vielen anderen Meistern, lebendige und multimedial aufbereitete Inszenierungen beleuchten die sozialen, wirtschaftlichen, politischen und künstleri­schen Traditionen und Umbrüche vom späten 15. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts.

 Die Veste Coburg als Originalschauplatz
„Ritter, Bauern, Lutheraner“ – in vielfacher Weise ist die Veste Coburg mit dem Thema verknüpft: als Landesfestung Kursachsens, als Fürstenresidenz, als Aufenthaltsort Martin Luthers und als Luthergedenkstätte. Innenräume und Außenbereiche der Veste werden so zum größten Exponat der Landesausstellung. In einem abwechslungsreichen Rundgang von der Lutherkapelle über den prächtigen gotischen Festsaal „Große Hofstube“ zu den „Lutherzimmern“ lernen die Besucher die bunte Vielfalt zur Zeit Luthers kennen: die bäuerlichen Lebensgrundlagen auf dem Land ebenso wie die Städte als Keimzellen für wirtschaftlichen Aufschwung und neue Ideen. Dem wachsenden Angebot des städtischen Marktes stand das ungemein vielfältige „Angebot“ für das Seelenheil der Gläubigen gegenüber: fromme Stiftungen, Bettelorden und Spitäler. Im bunten Adelstheater des Turnierwesens verbanden sich prächtige Waffen und Rüstungen, Schaugepränge und ein rückwärtsgewandtes Gesellschaftsideal, während die Reichsfürsten neue Formen staatlicher Machtausübung entwickelten. Humanistisch gebildete Gelehrte träumten von einer neuen Zeit nach dem Vorbild der Antike.

 95 Thesen und eine „Multimedia-Revolution“
In dieser Welt verbreitete sich ab 1518 eine revolutionäre Flugschrift: der „Sermon von Ablaß und Gnade“, die in deutscher Sprache abgefasste Version von Luthers 95 Thesen gegen den Ablasshandel. Rasch wurde die neue Lehre auch zum Thema der großen Politik, bis hin zu den Aufständen des „gemeinen Mannes“, die der Reformator als Aufruhr gegen die gottgewollte Ordnung scharf angriff. Luthers Aufenthalt in Coburg 1530 und die Entstehung sowie die Auswirkungen der „Augsburger Konfession“ werden ebenso zum Thema wie die „Multimedia-Revolution“ der Zeit – Flugschriften, Kampflieder, Mobilisierung einer neuen Öffentlichkeit.

Was ist evangelisch, was katholisch – und wie wirkt sich das alles auf das Leben der Menschen aus? Konkrete Beispiele aus Thüringen, Franken, Altbayern und Schwaben zeigen Umsetzung und Folgen von Reformation und Gegenreformation, vom friedlichen Zusammenleben bis zum dauerhaften Streit. Abschließend geht es um Coburg als Luther-Gedenkort, um spätere Instrumentalisierungen des Reformators und schließlich um die Aktualität der Ereignisse um 1500: In welchem Bezug stehen Reformation und Freiheit? Was hat es mit dem viel zitierten Konzept der „evangelischen Freiheit“ auf sich, die sich verschiedene Parteien auf die Fahnen schrieben, ohne dabei das gleiche zu meinen? Und wie sehen die heutigen Möglichkeiten von Freiheit aus?

Begleitausstellung in der Kirche St. Moriz
Neben den Kunstsammlungen der Veste Coburg gehören die Außenbereiche der Veste, der Weg in die Stadt und die evangelisch-lutherische Kirche St. Moriz mit zum Gesamterlebnis der Coburger Landesausstellung. Pünktlich zum Reformationsjubiläum können Besucher die spätgotische Hallenkirche mit dem einmaligen Herzogsgrabmal der Spätrenaissance und frühklassizistischen Einbauten des 18. Jahrhunderts in neuem Glanz kennenlernen. Der Bau wird in seinen Formen und Funktionen als lutherischer Gottesdienstraum erklärt. Einen Schwerpunkt der Ausstellung bildet die Musik: vom (frommen) Kampflied bis zum Reichtum der protestantischen Kirchenmusik. Und es geht um ganz aktuelle Fragen: Welche Rolle spielt die lutherische Kirche inmitten der Stadt im heutigen Leben der Menschen? St. Moriz ist kein Museum, sondern bleibt auch während der Ausstellung Gottesdienstraum und Ort für Konzerte. Gerade die Verbindung von Ausstellung, evangelisch-lutherischem Gottesdienst und Kirchenmusik ermöglicht den Besuchern ein authentisches Erlebnis in einem der architektonisch besonders interessanten Kirchenräume Nordbayerns.


24.04.2017 / HDBG