Autobahnkirche Himmelkron

Ein Ort zum Auftanken

Autobahnkirche Himmelkron

Seit 20 Jahren besteht die Autobahnkirche Himmelkron.

Bild: Botulph (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], from Wikimedia Commons

Bereits seit 20 Jahren ist die Autobahnkirche Himmelkron ein willkommener Rückzugsort für Reisende - ein Ort zum Innehalten und zur Besinnung unterwegs.

Sie lädt die Besucher ein, Kraft zu tanken und nach dem zu suchen, was im Alltag oft verloren zu gehen scheint: Ruhe und ein Ziel mitten im Trubel. Zusätzlich fungiert die Autobahnkirche Himmelkron als Filialkirche der katholischen Pfarrei Bad Berneck, sie gehört zur Pfarrgemeinschaft Main-Schorgast-Tal. Gebaut wurde die Kirche ab 1995 unter Pfarrer Karl-Heinz Weißer, 1998 wurde sie geweiht.

Schon von weitem fällt dem Besucher der 36 Meter hohe Turm und die etwas eigenwillig wirkende, skischanzenförmige Bauweise der Autobahnkirche ins Auge. Der Rundgang beginnt nun am Vorplatz, direkt am Christophorus-Brunnen des Bildhauers Max Walter. Auf den Schultern von Christophorus, dem Schutzpatron der Reisenden und Namensgeber der Kirche, sitzt das Jesuskind, das der Heilige sicher auf die andere Seite des Flusses zu tragen scheint. Auf dem Weg zum Kirchenportal durchschreitet man ein nachgebildetes Labyrinth der Kathedrale von Chartres. Es soll dem Reisenden zur Besinnung dienen und ihn auf den langen Weg des Christophorus vom Ursprung zum Ziel führen: Jesus Christus.

Mehr zum Thema

Öffnet man nun die schwere moderne Kirchentüre, befindet man sich zunächst in einem hell und großzügig gestalteten Vorraum, der von zehn farbigen, hinter Glas gesetzten Textilstreifen vor dem Eingang zum Kirchenraum geziert ist. Die Farben sollen dabei die unterschiedlichen Befindlichkeiten der Besucher symbolisieren. Wer hierher kommt, soll aus der Unruhe und dem Stress des Alltags wieder aufgerichtet werden. Auf der rechten Seite wird man von einer Marienstatue vor einer himmelblauen Wand begrüßt. Die von Holzbildhauer Otto Schrott geschnitzte Madonna steht inmitten von vielen Kerzen, bis zu 25.000 Opferlichter werden hier pro Jahr entzündet. Nur wenige Schritte entfernt, gelangt man in eine kleine Taufkapelle, die Besuchergruppen auch zu Andachten zur Verfügung steht. Es ist, als lade jenes Foyer den Besucher dazu ein, einen Moment innezuhalten und sich zu sammeln, ehe er den Kirchenraum betritt und seine Anliegen, Freude und Klage, im Gebet vor Gott bringt.

Das Innere der Kirche ist schlicht gehalten: auf der einen Seite feste Kirchenbänke, auf der anderen Seite Sitzhocker und tiefe Schemel. Die Wände zieren zwölf Apostelleuchter mit den jeweiligen Namen. Immer wieder dominiert auch hier die Farbe Blau, so, als wolle sie den Besucher einhüllen in die Ruhe des Gotteshauses. Doch die aufstrebende Holzdecke, die konvexe Altarwand und das von oben einfallende Licht geben dem Raum eine große Dynamik. Der Blick des Betrachters bleibt unwillkürlich am farbenfrohen und detailreichen Altarbild des Himmelkroner Künstlers Gerhard Böhm hängen.

Das auf Leinwand gemalte Triptychon beschreibt die Menschheitsgeschichte, aber auch die Schöpfung Gottes als Zeichen für das neue Leben. Im unteren Teil sieht man die Natur, den Baum des Lebens mit dem Stab des Christophorus und den Menschen, der die Erde bebaut und kultiviert. Doch durch das menschliche Tun kommt auch Böses ins Spiel. Die Strahlen, die herauswachsen, weisen in Richtung Regenbogen. Denn erst in der Begegnung mit Jesus Christus, dem Gekreuzigten, wird eine neue Schöpfung sichtbar - so, wie bei Christophorus, dessen Stab als Zeichen seiner Gotteserfahrung und des neuen Lebens zu blühen begann. Unter einem Bild mit dem Titel "Zeit und Ewigkeit" liegt ein Ordner, in dem die Namen und Daten vieler Menschen geschrieben stehen, die im Straßenverkehr ums Leben gekommen sind.

Wieder im Foyer angekommen, führen einige Stufen hinauf zum Meditationsraum. Die dunkelblaue Farbe an den Wänden strahlt Ruhe und Frieden aus, die Sitzwürfel laden zum Gebet und zur Besinnung ein. An der Kopfseite des Raumes befinden sich sieben freihängende Webbänder, die eine symmetrische, aufstrebende Komposition in Regenbogenfarben bilden. Die Farbverläufe sollen nicht nur die Schichten unseres Bewusstseins, sondern auch die Vielfalt der geistigen Kräfte symbolisieren.

Noch einmal kann der Besucher in dem schönen hellen Vorraum innehalten, ehe ihn draußen wieder der Trubel und die Hektik des Alltags empfangen. Begleiten sollen ihn dabei zwei Verse, die in blauen, geschwungenen Buchstaben und in neun Sprachen an der Innenseite der Kirchentüre geschrieben sind. Der eine Satz erinnert einmal mehr an Christophorus, den Namensgeber der Kirche, denn in der Legende heißt es: "Der, den du trägst, ist es, der dich trägt und zum Ziel bringt." Der andere Vers ist eine freie Übertragung aus Psalm 139 und ein Zusage der Nähe und des Segens Gottes: "Der Herr umschließt dich von allen Seiten und legt seine Hand auf dich."


15.08.2018 / epd/Sandra Blass-Frisch