Ausstellung im Museum Rosenheim

Gottes Wort als Bestseller

Eine Szene aus der Lutherbibel Band 2 aus dem Jahr 1523

Eine Szene aus der Lutherbibel Band 2, Das Alte Testament, gedruckt im Dezember 1523 bei Adam Petri in Basel.

Bild: Stadt Rosenheim

Kostbare Lutherbibeln zeigt das Städtische Museum Rosenheim in einer Ausstellung, die am Sonntag, 21. Mai,  mit Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler eröffnet wurde.

Mit vier "Lutherbibeln" präsentiert die Ausstellung im Städtischen Museum Rosenheim Raritäten aus der Anfangszeit der Reformation. Die zwischen 1523 und 1525 gedruckten Rosenheimer Bibeln stammen als Nachdrucke aus der unmittelbaren "Boomphase" nach Luthers Bibelübersetzung. Wenige vergleichbare Exemplare sind in bedeutenden Bibliotheken in München, Dresden, Nürnberg, Wien oder Wolfenbüttel erhalten. Die aus zerkochten Lumpen hergestellten Druckbögen der Rosenheimer Lutherbibeln sind in einem bemerkenswert guten Zustand.

In ihrem Grußwort hob Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler die "kulturelle Hochleistung" des Bibelübersetzers Martin Luther hervor. Denn Luther habe eine allgemeine deutsche Hochsprache geschaffen habe, die überall gesprochen und verstanden worden sei. Diese kulturelle Revolution präge deshalb bis heute jeden einzelnen Deutschen in seiner Sprache. 

Zitat

Das Evangelium ist beileibe nicht veraltet. Es ist hochaktuell. Im Städtischen Museum stellen Sie besonders alte und wertvolle Bibelexemplare aus. Das lebendige Wort Gottes aber ist kein Museumsstück, sondern Wegweiser für unser Leben. Die historischen Exemplare liegen in der Vitrine. An den neuen Ausgaben sind Gebrauchsspuren unbedingt wünschenswert!

Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler in ihrem Grußwort zur Ausstellungseröffnung

Der Schlüssel zum Verständnis der Bibel sei für Luther die Barmherzigkeit Christi gewesen. Dadurch sei die Bibel auch heute kein Museumsstück, sondern "Wegweiser für unser Leben", betonte die Regionalbischöfin, die im Rahmen der Eröffnungs-Veranstaltung "Altarbibeln" an Vertreter der evangelischen Gemeinden im Dekanat Rosenheim übergab.

Mehr zum Thema

In der Ausstellung "GottesWort - die Rosenheimer Lutherbibeln" kommt ein kostbarer Schatz ans Licht, der in einer unscheinbaren Pappschachtel im Depot des Städtischen Museums schlummerte. Bei den Recherchen für eine Ausstellung war dem Museumsleiter und Historiker Walter Leicht bereits 2003 durch Zufall eine Rarität in die Hände gefallen: vier gut erhaltene, über 500 Jahre alte Lutherbibeln aus der Anfangszeit der Reformation. "Die Nachforschungen bis heute haben gezeigt, dass wir mit dem Fund eine echte Sensation in Händen halten", erklärte der Museumschef. "Soweit wir das nachverfolgen können, waren die Werke ausschließlich in Privatbesitz", sagt Museumsleiter Walter Leicht. Die Ausstellung wird begleitet durch Schautafeln zur Rosenheimer Reformationsgeschichte.

Nicht zu überhören ist die Begeisterung, mit der sich Ausstellungskuratorin Evelyn Frick bei ihrer wissenschaftlichen Recherche auf Spurensuche begeben hat. Frick ist Kunsthistorikerin, Germanistin und Mittelalter-Expertin. "Mit Luthers erster vollständiger Übersetzung des Neuen Testaments aus dem griechischen Urtext und dem Druck von 3000 Buchexemplaren bis September 1522 lag erstmals eine quasi für jeden verständliche, deutsche Übersetzung der Kernschrift für uns Christen vor", betont die Wissenschaftlerin. 

Informationen zum Thema Gottes Wort – die Rosenheimer Lutherbibeln

Gottes Wort – die Rosenheimer Lutherbibeln

Ausstellung im Städtisches Museum Rosenheim
21. Mai bis 31. Oktober 2017

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Samstag 10 – 17 Uhr
1., 3. Und 5. Sonntag im Monat 13 – 17 Uhr

Weitere Ausstellungsinfos auf der Internetseite des Städtischen Museums Rosenheim

Seit der ersten in Deutsch gedruckten "Mentelin Bibel" von 1466 waren oft sperrige Wort-für-Wort-Übersetzungen üblich. Doch Luthers verständliche Sprache, seine bildkräftigen Wortschöpfungen ("Machtwort", "Lockvogel", "Feuertaufe") und aufwendige Illustrationen von Künstlern ließen die teuren Wälzer im Wert eines Monatslohns schnell zu Bestsellern werden. Und das, obwohl nur jeder fünfte Bürger lesen konnte.

Die zwischen 1523 und 1525 gedruckten Rosenheimer Lutherbibeln sind absolute Raritäten, die als Nachdrucke aus der unmittelbaren "Boomphase" nach Luthers Bibelübersetzung stammen. Wenige vergleichbare Exemplare sind in bedeutenden Bibliotheken in München, Dresden, Nürnberg, Wien oder Wolfenbüttel erhalten. Johann Knoblouch in Straßburg und Adam Petri in Basel druckten das Neue und Alte Testament als reich illustrierte Raubdrucke nach, kaum dass in Wittenberg die Erstausgaben der Lutherübersetzung erschienen waren. Der erst 70 Jahre vorher erfundene Buchdruck machte die schnell verbreiteten Schriften zur Massenware.


22.05.2017 / epd/ELKB