70 Jahre Augustana-Hochschule

Gemeinsames Leben und akademisches Lernen

Augustana-Rektor Professor Michael Pietsch mit der Gründungsurkunde

Er freut sich über das Jubiläum: Augustana-Rektor Professor Dr. Michael Pietsch mit der Gründungsurkunde

Bild: John B. Pohler

Mit einem feierlichen Festwochenende hat die Augustana-Hochschule in Neuendettelsau ihr 70-jähriges Bestehen gefeiert. Mehr als 4.000 Studierende haben seit der Gründung die Hochschule besucht.

Stolz zeigte der Rektor, Prof. Dr. Michael Pietsch, die Gründungsurkunde von 1947 vor und verwies auf die Tatsache, dass in den vergangenen 70 Jahren mehr als 4000 Studierende zum Studium der Theologie an die Augustana gekommen seien. Zum akademischen Lehren und Lernen käme an diesem Campus aber auch die Einübung „gemeinsamen Lebens“, die Studierenden- und Dozierendenschaft ergäbe ein buntes Mosaik, bei dem kein Steinchen fehlen dürfe.

Ziel: unabhängige theologische Ausbildung

Die Augustana-Hochschule Neuendettelsau wurde 1947 unter Federführung des Theologen Georg Merz gegründet, zunächst in Räumlichkeiten in Heilsbronn und der Diakonie Neuendettelsau. 1955 konnte das Teilgelände der Muna Neuendettelsau erworben und für die Hochschule eingerichtet werden. Ziel der Hochschulgründung war eine von staatlichen Stellen unabhängige theologische Ausbildung zukünftiger Pfarrer (später auch Pfarrerinnen), die in Neuendettelsau im Kontext von gottesdienstlichem, diakonischem und missionarischem Leben erfolgen konnte. Heute lehren an der Hochschule, die den theologischen Fakultäten der Universitäten in Deutschland gleichgestellt ist, 8 Professorinnen und Professoren und weitere Dozierende. Im Wintersemester 2017/18 sind 165 Studierende eingeschrieben.

Drei Tage lang wurde das Jubiläum fröhlich begangen: mit einem Willkommenskaffee der "Freundinnen und Freunde der Augustana-Hochschule" und der Ehrung der Jubilarinnen und Jubilare unter den Alumnae und Alumni, einem venezianischen Maskenball, einem Fetstvortrag sowie einem Festgottesdienst mit Regionalbischöfin Gisela Bornowski.

Festvortrag: „Auszug aus Ägypten als Einzug in das Zeitalter des Glaubens“

Zum festlichen Anlass hatte die Augustana Prof. Dr. Jan Assmann aus Heidelberg als Festredner eingeladen. Der prominente Ägyptologe skizzierte im Festvortrag den „Auszug aus Ägypten als Einzug in das Zeitalter des Glaubens“ – die Entstehung von „Glauben“ in Abgrenzung zu anderer Religion, zu den „Heiden“, aber auch zur Kultur der eigenen Gesellschaft. Dies habe, so Assmann, große zivilisatorische Fortschritte gebracht, aber auch zu religiös motivierter Gewalt geführt. Demgegenüber sei mit Lessing und Gandhi ein Heraufkommen einer die Grenzen der Religionen überschreitenden Friedensreligion zu erwarten, die Gewalt und Konflikt überwinden könne. Mit der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte 1948 sei diese neue Epoche angebrochen und das Ende der monotheistischen Religionen eingeläutet.

Bornowski: Mitgliedschaft in Nagelkreuzgemeinschaft als Hoffnungszeichen

Im Festgottesdienst in St. Laurentius verband Regionalbischöfin Gisela Bornowski in ihrer Predigt Geschichte und Gegenwart der Augustana-Hochschule mit der adventlichen Botschaft vom Kommen Christi. Die Sehnsucht nach einem Gott, der nicht schweigt angesichts von Schuld und Gewalt, von der Jesaja 63/64 spricht, sei auch unsere Frage heute. Die Mitgliedschaft der Augustana in der Nagelkreuzgemeinschaft von Coventry sei dabei ein ermutigendes Symbol. Musikalisch wurde der Gottesdienst gestaltet vom Posaunenchor der Hochschule und einem Sextett aus Sängerinnen und Sängern des Chores des Bayerischen Rundfunks unter Leitung von KMD Andreas Schmidt.


20.12.2017 / Janning Hoenen