Nach Fund einer Fliegerbombe in Ausburg:

"Weihnachten fällt nicht aus"

Innenraum von St. Anna, Augsburg

St. Anna und die anderen Augsburger Innenstadtkirchen bleiben am ersten Weihnachtstag leer. Der Gottesdienst wird gemeinsam in St. Johannes in Augsburg-Oberhausen gefeiert.

Bild: Lüters

Kein Weihnachten in St. Anna: Zur Entschärfung einer Fliegerbombe wird am 25.12. die Augsburger Innenstadt evakuiert. Die Christen der Fuggerstadt müssen aber nicht auf ihren Gottesdienst verzichten.

Wegen der Entschärfung einer 1,8 Tonnen schweren Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg muss die Augsburger Innenstadt am Ersten  Weihnachtsfeiertag weiträumig evakuiert werden. Betroffen davon sind 54.000 Augsburgerinnen und Augsburger. Die Evakuierung hat auch Auswirkungen auf die Weihnachtsgottesdienste in sieben evangelischen Kirchen im Schutzgebiet, darunter St. Anna, St. Ulrich, Heilig Kreuz und Zu den Barfüßern. Weihnachten muss in diesem Jahr trotzdem nicht ausfallen, sagt Stadtdekanin Susanne Kasch.

Sieben evangelische Kirchen liegen in der Schutzzone um den Fundort der Fliegerbombe. Werden die Weihnachtsgottesdienste in diesem Jahr ausfallen?

Kasch: Die Schutzzone umfasst weite Teile der Augsburger Innenstadt in einem Radius von ca. 1500 Metern rund um die Fundstelle. Im Evakuierungsbereich können die Gottesdienste nicht stattfinden. Wir feiern unseren gemeinsamen Kantatengottesdienst deshalb in St. Johannes im Ortsteil Augsburg-Oberhausen  und sind der Gemeinde sehr dankbar, dass wir zu Gast sein dürfen.

Sind Sie selbst von der Evakuierung betroffen? Wie werden Sie Weihnachten feiern?

Kasch: Ich bin selbst von der Evakuierung betroffen. Das ist nicht schlimm, denn ich muss nicht für eine Familie sorgen, sondern nur für mich selbst. Ich werde in der Innenstadt nah vor Ort bleiben.

Was sagen Sie Menschen, die um ihr Weihnachtsfest fürchten?

Kasch: Weihnachten fällt nicht aus. Schon immer haben Menschen unter widrigen Umständen Weihnachten gefeiert. Nicht nur im Frieden auch im Krieg, nicht nur in Freud auch in Leid, nicht nur in Palästen auch in Lagern. Da werden wir doch zwölf Stunden auf unser Wohnzimmer verzichten können.

Gibt es Härtefälle – Menschen, um die Sie sich bei dieser Evakuierung Sorgen machen?

Kasch: Mein Mitgefühl haben die Menschen, die sich selbst nicht organisieren können und die nicht verstehen, was mit ihnen passiert. Für manche Bewohner in Altenheimen schafft das große Unsicherheit. Für Patienten und Pflegebedürftige ist das eine riesige Aufgabe. Meine hohe Sympathie und Wertschätzung haben alle, die ihre freien Tage jetzt dran geben müssen und dafür sorgen, dass die Evakuierung gut funktioniert.

Auch katholische Kirchengemeinden müssen für ihre Gottesdienste in andere Kirchen ausweichen. Warum gibt es keinen gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst?

Kasch: Die Stadt Augsburg hatte uns für einen ökumenischen Gottesdienst die Kongresshalle zur Verfügung gestellt. Ich hätte mir das wunderbar vorstellen können. Leider hat die Diözese für einen gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst an diesem Sonntagvormittag keinen Anlass gesehen.

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Der gemeinsame Gottesdienst der Kirchengemeinden findet am 25. Dezember um 10 Uhr in St. Johannes-Oberhausen, Donauwörther Straße 5, statt. Bei diesem festlichen Kantatengottesdienst erklingt unter Leitung von Michael Nonnenmacher das Oratorio de Noël op. 12 von Camille Saint-Saens. Ausführende sind der Madrigalchor bei St. Anna, die Capella St. Anna sowie die Vokalsolisten Susanne Simenec (Sopran), Stephanie Hampl (Mezzosopran), Birgit Jeschke (Alt), Gábor Molnár (Tenor) und Manuel Wiencke (Bariton). Die Predigt hält Stadtdekanin Susanne Kasch. Die Pfarrerinnen und Pfarrer der Gemeinden im Schutzgebiet sind auch selbst von der Evakuierung betroffen. Sie feiern gemeinsam den Kantatengottesdienst in St. Johannes und sind tagsüber in der Nähe ihrer Gemeinde erreichbar.


24.12.2016 / ELKB