Augsburger Friedensbild gekürt

Mutig gegen den Panzer

Laurens Kosteletzky aus Zusamaltheim malte das Friedensbild 2016.

Laurens Kosteletzky aus Zusamaltheim malte das Friedensbild, das 2016 prämiert wurde.

Bild: Dekanat Augsburg

 Einen Panzer, dem sich ein einzelner mutiger Mensch entgegenstellt und fordert: „Sofort aufhören mit dem blöden Krieg!!!“ – diese Szene zeigt das Augsburger Friedensbild 2016 unter dem Motto „Mutig!“.

 Gemalt hat das Bild der siebenjährige Laurens Kosteletzky aus Zusamaltheim im Religionsunterricht. „Fernsehberichte aus Syrien und die Begegnung mit einem verletzten Kind haben ihn wahrscheinlich zu seinem Bild inspiriert“, vermutet die Mutter.

Das Kunstwerk ist im Rahmen des Schüler-Malwettbewerb des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Augsburg entstanden. Eine ökumenische Jury, bestehend aus Religions- und Kunstlehrern, Pfarrern und Vertretern der Stadt Augsburg hat es zum Siegerbild gekürt.

Insgesamt stellte die Jury fest, dass deutlich mehr Motive als in den Vorjahren mit Gewalt und Krieg zu tun hatten. Für die Augsburger Stadtdekanin Susanne Kasch ist dies ein Zeichen, dass die jungen Künstler ihre Umwelt bewusst wahrnehmen, aber auch, dass wir Menschen die Welt nicht besser machten, sondern schlechter. „Mut heißt deshalb auch, dass jeder dazu hilft, dass die Welt ein besserer Ort wird - für alle Menschen. Das braucht Mut – euren Mut und unseren Mut!“ rief Kasch Kinder und Erwachsene auf.

Die Preisverleihung fand am Freitag, den 22. Juli in den Räumen der Kreissparkasse Augsburg statt. Hausherr und Vorstandsvorsitzender Richard Fank hob die Verbindung des Malwettbewerbs zum Augsburger Hohen Friedensfest hervor. Auch heute könnten wir uns den Frieden, der damals zwischen den beiden christlichen Religionen geschlossen wurde, zum Vorbild für ein friedliches Miteinander nehmen. „Dazu braucht es nicht viel: Verständnis für die Leute, die anders denken als wir, Gelassenheit und natürlich Mut.“

Informationen zum Thema Ausstellung der Friedensbilder 2016

Ausstellung der Friedensbilder 2016

Die prämierten Bilder sind vom 22. Juli bis 1. August im Kundenzentrum der Kreissparkasse Augsburg, Martin-Luther-Platz 5 ausgestellt. Vom 2. bis 19. August können diese und weitere ausgewählte Werke im Kreuzgang der St. Anna Kirche zu den Kirchenöffnungszeiten besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

Zum Malwettbewerb aufgerufen waren Schülerinnen und Schüler der Grund- und Förderschulen aus Stadt und Landkreis Augsburg, Aichach-Friedberg sowie aus Wertingen, unabhängig von Konfession und Religion. Sie reichten rund 400 Bilder ein, die ihre Vorstellungen von Mut darstellen. Neben den Kriegsbildern verarbeiteten die Kinder biblische Geschichten, persönliche Erlebnisse und Beobachtungen zu ganz unterschiedlichsten Darstellungen: ein mutiger Gang in den dunklen Keller, das Bezwingen einer steilen Kletterwand, Feuerwehrleute bei Löscharbeiten oder Mose der dem mächtigen Pharao gegenübertritt und sagt: „Ich habe keine Angst vor dir!“

Der Malwettbewerb zum Augsburger Friedensfest wird von der Kreissparkasse Augsburg unterstützt. Das Siegerbild ziert das diesjährige Plakat zum Hohen Friedensfest und lehnt sich thematisch an das Rahmenprogramm zum Friedensfest unter dem Motto „Mut“ an.

Hintergrund zum Friedensfest

Das Augsburger Hohe Friedensfest geht zurück auf das Jahr 1650, als die evangelischen Christen Augsburgs erstmals ihre Gleichberechtigung mit den Katholiken feierten. Diese war zwar zuvor bereits formuliert worden – im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) kam es aber zu blutigen Auseinandersetzungen: Zunächst wurden die evangelischen Kirchen in Augsburg geschlossen, teilweise auch abgerissen. Als 1632 bis 1634 der Schwedenkönig Gustav-Adolf Augsburg eroberte, wurden jedoch die Katholiken unterdrückt. Nach Vertreibung der Schweden erging es den Protestanten von 1635 bis 1648 ebenso. Den 14 evangelischen Predigern in Augsburg wurde am 8. August 1629 jede weitere Amtshandlung untersagt.

Erst mit Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde schließlich im Westfälischen Frieden (1648) die Parität (Gleichheit) zwischen Katholiken und Protestanten hergestellt und entsprechend alle städtischen Ämter in Augsburg paritätisch (in einem gleichmäßigen Verhältnis) besetzt.

In Erinnerung an die endlich errungene Gleichstellung stifteten die Augsburger Protestanten im Jahr 1650 mit dem Hohen Friedensfest am 8. August einen weltweit einzigartigen Feiertag. Sie dankten für den geschenkten Frieden und die Möglichkeit, ihren Glauben frei und gleichberechtigt leben zu dürfen.
An den Beginn der Unterdrückungen, den 8. August 1629 und ihr Ende 1648 erinnert das 1650 erstmals begangene „Augsburger Hohe Friedensfest“. Damals wurden im Rahmen des Festes Künstlerbilder mit biblischen Motiven an die Kinder verteilt. Diese Tradition geriet in Vergessenheit und wurde in den 1970er Jahren mit dem Kindermalwettbewerb des Evang.-Luth. Dekanats Augsburg in moderner Form wieder neu belebt.

Seit 1950, dem 300. Jahrestag des Festes, ist der 8. August gesetzlicher Feiertag in Augsburg. Er wird in ökumenischer Gemeinschaft gefeiert und verbindet alle Religionen.


25.07.2016 / Dekanat Augsburg