Exerzitien im Alltag

Wo Gott in meinem Leben mit mir geht

Titelbild Exerzitien im Alltag 2017

Ein ökumenisches Team hat für 2017 – das Jahr des Reformationsjubiläums – einen besonderen ökumenischen Exerzitienweg mit dem Gebet Jesu unter dem Titel "VATER UNSER LEBEN" erarbeitet.

Bild: Schnurr

Ein ökumenisches Team hat für das Reformationsjahr 2017 einen besonderen ökumenischen Exerzitienweg mit dem Gebet Jesu unter dem Titel "VATER UNSER LEBEN" erarbeitet.

In vielen Gemeinden werden die Exerzitien während der Passionszeit angeboten. Warum das "Vaterunser" im Mittelpunkt steht, was das Besondere an den Exerzitien ist und wie sie ablaufen, erklärt Sabine Schnurr, Beauftragte für „Ökumenische Exerzitien im Alltag“ für den gesamten Kirchenkreis München und für Oberbayern, im Interview .

Frau Schnurr, was sind Alltagserxerzitien?
Alltagsexerzitien sind ein persönlicher Glaubensweg. Sie sind eine Möglichkeit, den eigenen Glauben zu erforschen und zu vertiefen. In einer Gemeinschaft, in der man gemeinsam unterwegs ist und sich darüber austauschen kann. Wir entdecken, wo und wie Gott in meinem Leben und Alltag mit uns geht.
Das Besondere an den "Exerzitien im Alltag" und was sie, beispielsweise von Hauskreisen unterscheidet, ist: Die Exerzitien sind ein auf 4 – 6 Wochen begrenztes Projekt für eine Gruppe mit einer geistlichen Begleitung. In dieser Zeit findet je ein wöchentliches Gruppentreffen statt, und die Teilnehmenden reservieren täglich ca. eine halbe Stunde für die Übungen daheim, für die es jeweils schriftliche Impulse gibt. Der Projektcharakter macht, meiner Meinung nach, auch viel von dem besonderen Charme aus, denn es gibt mir die Möglichkeit, mich über einen überschaubaren Zeitraum einzulassen und nach vier Wochen bin ich wieder frei. Unsere Exerzitienmappen stehen  immer unter einem klar definierten Thema.

An wen richten sich die Exerzitien?
Jeder ist herzlich willkommen, der auf der Suche nach Gott ist, und sich dafür entscheidet, vier Wochen lang täglich eine stille Zeit zu halten und sich fünf Mal mit der Gruppe zu treffen. Seit wir im Jahr 2000 damit begonnen haben, sind die "Exerzitien im Alltag" ein ökumenisches Projekt. Die Ausarbeitung der Themen findet immer gemeinsam in wechselnden Teams statt, einmal mit überwiegend katholischer, dann wieder mit überwiegend evangelischer Zusammensetzung. In den Exerzitiengruppen selbst spielt die Konfession überhaupt keine Rolle. Der Austausch über die Konfessionsgrenzen hinweg wird im Gegenteil als besonders fruchtbar erlebt.

Mehr zum Thema

Für das Reformationsjahr haben sie sich in dem Vorbereitungstema ein besonderes Thema ausgesucht.
Ja, wir haben lange  Deshalb haben wir uns für das "Vaterunser" entschieden. Der Gebetstext, den Jesus selbst seinen Jüngern lehrte, wird seit mehr als 40 Jahren in einem ökumenischen Wortlaut von Katholiken und Protestanten gebetet. Es ist wohl das bekannteste Gebet, viele Menschen können es in- und auswendig. Und gerade deswegen denkt man oft gar nicht näher darüber nach, was man da betet. Wir einen Weg entwickelt, dieses kurze, sehr dichte Gebet zu entfalten und uns neu bewusst zu machen, worum es darin geht. Wir selber haben im Vorbereitungsteam bei der Ausarbeitung viele neue Entdeckungen gemacht

Wie muss man sich den Ablauf eines Exerzitien-Abends vorstellen?
Die fünf Gruppentreffen dauern etwa je anderthalb Stunden. Jeder Abend beginnt mit einer Rückschau auf die zurückliegende Übungswoche und gemeinsamen Übungen. Das sind z.B. Leibesübungen, man singt, das ist miteinander Stille halten und Gebet. Danach findet in Kleingruppen von vier bis fünf Personen ein moderierter und persönlicher Austausch statt. Dabei steht im Vordergrund, dass jeder von sich selbst und seinen Erfahrungen berichten kann, ohne dass dies bewertet oder darüber diskutiert wird. Vielmehr geht es um ein aufmerksames Zuhören und das Staunen über Gottes vielfältige Wege mit den Menschen. Der Abend wird abgeschlossen mit einer Vorschau auf die neue Woche.
In den ersten beiden Wochen wird es in diesem Jahr um die drei Bitten an Gott selbst um Heiligung seines Namens, das Kommen seines Reiches und die Verwirklichung seines Willens gehen. In den Wochen drei und vier beschäftigen sich die Übenden mit "unseren" Bitten, die vom Miteinander von uns Menschen handeln. Der Lobpreis bildet den Abschluss der Exerzitien zum Vaterunser.

Wie können Kirchengemeinden an den Exerzitien teilnehmen?
Bereits im Frühjahr kontaktieren wir alle Gemeinden und informieren sie über das Thema im folgenden Jahr. Sie sollten sich am besten bis zum Sommer entscheiden, ob sie teilnehmen, denn bereits im  September beginnen die Vorbereitungskurs für die Vertreter aus den Gemeinden, die die Exerzitien als Begleiter betreuen möchten. Jede Gemeinde die eine Exerzitienmappe bestellen. Das ist eine Loseblattsammlung mit einem Teilnehmerteil mit den täglichen Übungsanregungen für zu Hause und einem Begleiterteil, in dem Vorschläge zu Abläufen, Übungen und Themen der Begleittreffen angeboten sind.

Wie findet man Exerzitiengruppen?
Jeder kann in der Gemeinde mitmachen, in der er sich wohlfühlt. In unserem Faltblatt sind alle evangelische Gemeinden in München und Umgebung aufgeführt, die in der Passionszeit 2017 zusammen mit katholischen Nachbargemeinden Ökumenische Exerzitien im Alltag mit dem Modell „VATER UNSER LEBEN“ anbieten.

Zur Person

Sabine Schnurr, Bild: © Sabine Schnurr

Sabine Schnurr

Als Beauftragte für „Exerzitien im Alltag“ für den gesamten Kirchenkreis München und für Oberbayern veranstaltet die Münchnerin die klassischen geistlichen Übungen.
E-Mail: sabine.schnurr@elkb.de

09.02.2017 / Kerygma