Woche für das Leben

Im Alter nicht allein

Ökumenische Woche für das Leben

„Wenn ältere Menschen darüber nachdenken, ihrem Leben ein Ende zu setzen, weil sie Angst vor dem Alleingelassen-Sein haben, wäre dies ein Armutszeugnis für die Gesellschaft“, betonen beide Kirchen.

Bild: hoozone

Mit dem Appell, ältere Menschen in ihrer letzten Lebensphase nicht allein zu lassen, haben die evangelische und die katholische Kirche die bundesweite „Woche für das Leben“ in Mainz eröffnet.

Mit ökumenischen Gottesdiensten und Andachten haben die katholische und evangelische Kirche die ökumenische "Woche für das Leben" zum Thema "Alter in Würde" eröffnet. Bei der Auftakt-Veranstaltung im Mainzer Dom sagte der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, dass sich die Humanität einer Gesellschaft darin zeige, "wie sie mit Menschen im Alter umgeht". Die letzte Lebensphase dürfe nicht ausschließlich mit Problemen, gesundheitlichen Nöten und Pflegebedürftigkeit in Verbindung gebracht werden, sagte der Bischof, der auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. In seiner Predigt betonte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, alle Altersphasen des menschlichen Lebens vom ersten bis zum letzten Augenblick seien gleich wertvoll. Die Kirchen müssten Netzwerke für Kontakte zwischen den Generationen werden und verhindern helfen, dass alte Menschen in die Einsamkeit abgeschoben würden.

Bei der Eröffnungsveranstaltung in Coburg rief der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick dazu auf, die Beziehungen der Generationen untereinander auszubauen und die Senioren in das Familienleben einzubinden. "Alter in Würde" bedeute auch, zu Hause alt werden und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner forderte eine Abkehr von "falschem Geiz" im Bereich der Pflege. "Das Drehen an der Finanzierungs-Optimierungsschraube hat dazu geführt, dass Pflegepersonal kaum noch Zeit hat, einem Menschen eine besondere Wohltat zu tun", sagte die evangelische Theologin. Deshalb sei eine angemessene Bezahlung in Pflegediensten nötig: "Die Pflegefachkraft sollte nicht weniger verdienen als der Elektrotechniker." In einem Seniorenheim feierten Regionalbischöfin Greiner und Erzbischof Schick gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern einen ökumenischen Gottesdienst.

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Die Nürnberger evangelische Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern hob die Bedeutung alter Menschen hervor: "Wenn es in einer Gesellschaft den alten Menschen gut geht, geht es der ganzen Gesellschaft gut." Junge Leute sollten erleben, dass Alter nicht etwas sei, wovor man sich fürchten müsse. Alte Menschen dürften nicht als Objekte von Fürsorge gesehen werden, sondern seien Subjekte der Gesellschaft. "Alte Menschen sind nicht das Problem", sagte Hann von Weyhern. Sie eröffnete zusammen mit dem Eichstätter katholischen Bischof Gregor Maria Hanke in einer Senioreneinrichtung in Nürnberg-Langwasser die ökumenische Aktion, die in diesem Jahr das hohe Alter in den Blick nimmt.

Die "Woche für das Leben" geht auf eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) zurück. Sie wird seit 1994 gemeinsam mit dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) durchgeführt. Mit der „Woche für das Leben“ leisten die Kirchen einen Beitrag zur Bewusstseinsbildung für den Wert und die Würde des menschlichen Lebens. Angesprochen ist jeder, der sich mit aktuellen Fragen zum Lebensschutz auseinandersetzen möchte. In vielen evangelischen und katholischen Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen in ganz Deutschland finden während der Woche für das Leben Aktionen und Veranstaltungen statt. Sie bilden ein Forum des Austausches und sind zugleich als klare Meinungsäußerung der Kirchen zu verstehen.


13.04.2016 / epd