Tag der Schulseelsorge

"Das Bedürfnis nach ruhigen Räumen nimmt zu"

Tag der Schulseelsorge

Im Zentrum stehen vor allem Probleme aus dem Schulltag.

Bild: iStock_Tomwang112

Bereits zum dritten Mal findet in diesem Jahr der "Tag der Schulseelsorge" statt. Unter dem Motto "Sieh's doch mal anders" lädt das Religionspädagogische Zentrum Heilsbronn zum Perspektivwechsel ein.

Seit zehn Jahren ist die Schulseelsorge ein eigenständiger Arbeitsbereich am Religionspädagogischen Zentrum in Heilsbronn (RPZ). Schwerpunkte der Arbeit sind die Fort- und Weiterbildung von Lehrpersonal, die Konzeption von Projekten sowie die Seelsorge und geistliche Begleitung. Die Referentin für Schulseelsorge, Pfarrerin Ute Baierlein, ist seit neun Jahren am Zentrum tätig und erzählt im Interview von der Arbeit der Schulseelsorgenden.

Was kann die Schulseelsorge leisten?
Die Schulseelsorge ist eine christliche Form, in der Menschen sich umeinander kümmern. An den Schulen möchten wir durch die Weiterbildung der Lehrkräfte ein seelsorgerliches Angebot schaffen, das Schülerinnen und Schülern Hilfe in unterschiedlichsten Krisen bieten kann. Im Fokus stehen vor allem Gespräche, aber auch die spirituelle Begleitung kann ein Teil dessen sein.

Wer kann die Kurse für Schulseelsorge wahrnehmen und sich am RPZ ausbilden lassen?
Grundsätzlich alle, die interessiert sind. Kirchliche Lehrkräfte wie Schulpfarrer und -pfarrerinnen oder Religionspädagogen und -pädagoginnen, aber auch staatliche Lehrkräfte, nehmen an den Fortbildungen bei uns im RPZ teil. Etwa 200 Lehrer und Lehrerinnen haben in den vergangenen zehn Jahren unsere Kurse belegt und sich weiterbilden lassen. Gut die Hälfte von ihnen ist offiziell an den Schulen im Einsatz. Das heißt, sie sind im Auftrag der evangelischen Kirche tätig, die übrigen betätigen sich zum größten Teil ehrenamtlich in der Seelsorge.

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Wie können Schüler und Schülerinnen eine seelsorgerliche Lehrkraft an ihrer Schule finden und ansprechen?
In der Regel findet man die Seelsorger oder die Seelsorgerin und ihre Kontakdaten auf der Homepage der Schulen oder in Aushängen, genauso so wie die der Vertrauenslehrkräfte oder die Beratungslehrkräfte. Wir haben jedoch festgestellt, dass die meisten Kontakte eher über niedrigschwellige Angebote zustande kommen. Im Rahmen von Projekten und ähnlichem. Da liegt es an den Schulseelsorgenden, solche Gelegenheiten zu schaffen.

In welchen Fällen machen Schüler und Schülerinnen von dem Angebot der Schulseelsorge Gebrauch?
Wenn die Schülerinnen und Schüler noch jünger sind, geht es meist um den Schulalltag. Noten spielen dabei kaum eine Rolle, dafür stehen die Beratungslehrkräfte zur Verfügung. Es sind eher Schwierigkeiten im sozialen Umfeld, mit Mitschülerinnen und Mitschülern. Bei den Älteren spielt das private Umfeld eine größere Rolle, Konflikte in der Familie oder Trauersituationen.

Was sind die größten Herausforderungen für die Schulseelsorgenden?
Sicherlich, wenn es um das Kindeswohlergehen geht. Da ist immer die Abwägung nötig zwischen Schutz und Hilfe des Kindes auf der einen und der Verschwiegenheit auf der anderen Seite. An dieser Stelle ist es wichtig, dass der Seelsorger oder die Seelsorgerin von uns gut rechtlich ausgebildet wird und ein funktionierendes Netzwerk hat, um dem Kind so viel Hilfe wie möglich zu bieten.

Wie wird die Schulseelsorge Ihrer Erfahrung nach angenommen, gibt es eine Tendenz?
Die Seelsorge wird gut angenommen, ob es jedoch eine Tendenz gibt, ist schwer zu sagen. Das hängt immer auch von der einzelnen Person ab, die Schulseelsorge leistet, wie präsent er ist, wie die Beziehung zur Schulleitung ist, wie hoch das Vertrauen ist. Wir können bei den Schülerinnen und Schülern jedoch eine Tendenz ganz sicher ausmachen: Das Bedürfnis nach ruhigen Räumen nimmt zu. An Schulen, an denen Räume der Stille eingerichtet worden sind, kann man das sehr gut beobachten. Die Kinder und Jugendlichen sind durch G8 und Ganztagsangebote lang in der Schule, dort ist es laut und trubelig.

Seit zehn Jahren ist die Schulseelsorge ein eigenständiger Arbeitsbereich der Religionspädagogik. Was sind ihre Ziele und Wünsche für die Zukunft?
Das große Ziel ist natürlich, irgendwann an jeder Schule in Bayern einen Seelsorger oder eine Seelsorgerin zu haben. Die Nachfrage danach ist weiterhin hoch und wird sicher auch nicht abnehmen. Wir hoffen, wir können weiterhin eine solide Weiterbildung anbieten. Die Schule spielt für die Kirche eine bedeutende Rolle; deshalb ist es wichtig, dass wir an dieser Stelle weiterhin gut und langfristig immer besser aufgestellt sind.

Zur Person

Ute Baierlein, Bild: © Ute Baierlein

Pfarrerin Dr. Ute Baierlein

ist seit 2007 Referntin für Schulseelorge im Religionspädagogischen Zentrum Heilsbronn.  


12.07.2016 / Sandra Kaufmann