Ökumenische Schöpfungszeit im September

Die Vielfalt der Schöpfung bewusst wahrnehmen

Getreidefeld

In der Ökumenischen Schöpfungszeit das Lob des Schöpfers gemeinsam anstimmen und gleichzeitig die eigenen Aufgaben für die Bewahrung der Schöpfung in den Blick nehmen.

Bild: Lüters

„Soweit Himmel und Erde ist…“ - Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen lädt im September zur Ökumenischen Schöpfungszeit ein. Ein Gespräch mit dem Umweltbeauftragten der ELKB.

Am 1. September beginnt die Ökumenische Schöpfungszeit. Das bundesweite Motto lautet „Soweit Himmel und Erde ist…“ Was muss ich mir darunter vorstellen?

Wolfgang Schürger: In Psalm 148 geht der Satz weiter „Soweit Himmel und Erde ist, reicht die Herrlichkeit des Herrn.“ Die Ökumenische Schöpfungszeit ist eine Einladung, die Vielfalt der Geschöpfe bewusst als Geschenk Gottes wahrzunehmen.

Was heißt das?

Wolfgang Schürger: Schon Martin Luther hat in seinem Großen Katechismus kritisiert, dass die Menschen seiner Zeit Pflanzen, Tiere und alle Güter wie selbstverständlich zu ihrem eigenen Wohlergehen nutzen, aber dabei vergessen, Gott zu danken und zu loben, der dies alles geschaffen hat. Und Luther kannte noch keine globalisierten Märkte, in denen alles zu jeder Zeit verfügbar war. Im April hat mich ein Freund aus Vietnam besucht. Als ich ihn vor dem Rückflug gefragt habe, was ihn am meisten beeindruckt hat, sagte er: „Dass man bei euch einfach das Wasser aus dem Wasserhahn trinken kann.“ Kristallklares Wasser – für uns eine Selbstverständlichkeit, für die Menschen an vielen anderen Orten der Welt ein unglaublich kostbares Geschenk!

Aber Wasser kostet ja fast nichts…

Wolfgang Schürger: Das ist das Problem unserer Zeit, dass wir nur noch in Geldwert denken. Was nichts oder wenig kostet, damit gegen wir achtlos um, verschwenden es, werfen es weg. Papst Franziskus mahnt uns daher in seiner Enzyklika „Laudato Sí“ zu einer „neuen Achtsamkeit“: Alles Leben auf dieser Welt sei mit allem vernetzt, daher sei jedes Geschöpf unendlich wertvoll und wichtig…

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Auch wenn manche Tiere wirklich lästig sind.

Wolfgang Schürger: Carlos Mesters, einer meiner theologischen Lehrer, pflegte in solchen Fällen immer zu sagen: „Da müssen wir Ihn mal fragen, was er sich dabei gedacht hat, wenn wir ihm gegenüberstehen.“ Aber ja, auch die Insekten sind unendlich wichtig. In den letzten Wochen haben wir ja mehrfach sehr alarmierende Zahlen gehört, wie stark die Insekten in Deutschland zurückgegangen sind. In der Folge verschwinden dann auch Vögel und Fledermäuse, weil sie sich von Insekten ernähren. Die Chinesen wissen inzwischen ziemlich gut, wie wertvoll Bienen sind – in China gibt es Regionen, in denen Obstbäume von Hand bestäubt werden müssen, weil die Insekten fehlen. Das ist extrem zeitaufwändig und teuer!

Was heißt das dann in der Konsequenz für mich als einzelne Christin – oder auch für eine Kirchengemeinde?

Wolfgang Schürger: Zuerst einmal möchte ich jeder und jedem Lust machen, sich immer wieder Zeit zu nehmen, um die Vielfalt der Schöpfung Gottes bewusst wahrzunehmen. Ich schaue auf meinem Balkon manchmal minutenlang den Bienen und Hummeln zu, wie sie die Blüten besuchen, und denke mir: „Wie toll hat Gott sie geschaffen!“ Dieses Lob des Schöpfers darf dann durchaus auch in unseren Gottesdiensten erklingen!

Und dann können wir als Einzelne und als Kirche natürlich auch einiges dazu beitragen, die Vielfalt der Geschöpfe zu erhalten: „Insektenhotels“ finden sich inzwischen in vielen Vorgärten und auf vielen Balkonen. Mit einer Jugendgruppe kann ich ein Insektenhotel sogar ganz leicht selber basteln – und dann beobachten, was sich dort tut.

Das sind ja jetzt eher symbolische Aktionen…

Wolfgang Schürger: ...,die aber trotzdem wichtig sind, weil sie nämlich genau diese neue Achtsamkeit fördern, von der Franziskus spricht. Aber natürlich geht es auch größer: Viele unserer Kirchengemeinden haben ja eigene Friedhöfe. Wenn ich Gräber und Freiflächen bewusst gestalte, dann kann ich dort Lebensraum für eine Vielzahl von Arten schaffen. Auf einer Eiche leben bis zu 700 verschiedene Insektenarten – auf einer Stechpalme maximal zwölf! Brennnesseln sind zwar bei vielen Menschen nicht sehr beliebt, aber sie sind ein wichtiger Lebensraum für viele Raupen – ohne Brennnesseln keine Schmetterlinge. An Randflächen dürfen sie also ruhig auch mal stehen bleiben.

Zur Person

Erntedankgaben in Freising, Bild: © Kirchengemeinde Freising

Schöpfungstag Pappenheim

Um gute Ernährung und faire Produktion geht es bei einem ersten ökumenischen Schöpfungstag am 1. Oktober in Pappenheim (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen).  Der Tag steht unter dem Motto "Unser täglich Brot: Es reicht! für alle!". Der Eichstätter katholische Bischof Gregor Maria Hanke, die Nürnberger evangelische Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern und der Erzpriester der griechisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Apostolos Malamoussis, halten in der Weidenkirche in Pappenheim eine ökumenische Vesper.

Alle Infos zu Workshops, Podiumsdiskussion, Führungen und Mitmachangeboten für die ganze Familie

In die Ökumenische Schöpfungszeit fällt dieses Jahr ja auch die Bayerische Klimawoche. Was ist daran das Besondere?

Wolfgang Schürger: Die Bayerische Klimawoche steht wieder unter dem Motto „Den Klimawandel meistern“. Die über 30 Partner der Bayerischen Klimaallianz – Schornsteinfeger, Architekten, Sparkassen und die Kirchen, um nur ein paar zu nennen – werden ganz unterschiedliche Akzente setzen und viele gute Anregungen geben, wie man als Einzelne oder als Unternehmen oder Einrichtung klimabewusst handeln kann.

Die Landessynode hat ja im März erst wieder daran erinnert, wie wichtig es ist, den Klimawandel zu begrenzen.

Wolfgang Schürger: Starkregen und extreme Hitze haben wir ja diesen Sommer auch in Deutschland zur Genüge erlebt. Wir merken inzwischen sehr deutlich, dass der Klimawandel auch bei uns angekommen ist. Immer mehr bedroht er unsere Lebensgrundlagen. Die Synode hat schon im Jahr 2009 wichtige Anregungen gegeben, wie wir den Klimawandel meistern können, an ihr Wort „Mit Energie für gutes Klima“ hat sie jetzt erinnert. Aber sie geht noch einen Schritt weiter, sie hat ein sogenanntes „Integriertes Klimaschutzkonzept“ in Auftrag gegeben. So ein Konzept erfasst, was wir auf den unterschiedlichen Ebenen heute schon für den Klimaschutz tun, und benennt die Potentiale, die wir noch heben können. „Nachhaltig und gerecht haushalten“ ist ja eine der Grundaufgaben von uns als Kirche, und daran, ob uns dies gelingt, wird mehr und mehr auch unsere Glaubwürdigkeit gemessen. Wir können uns nicht zu Gott als Schöpfer bekennen und gleichzeitig den Lebensraum unserer Mitgeschöpfe mehr und mehr zerstören.


14.09.2017 / ELKB