Rat der Religionen

"Ein aktiver Ort des Austauschs"

Tag der Religionen

Münchner Religionsgemeinschaften bleiben im Gespräch und gründen den "Rat der Religionen".

Bild: iStock_Björn Alberts

Auf Initiative der evangelischen und der katholischen Kirche gründet sich in München der "Rat der Religionen". Ziel des Gremiums soll es sein es, eine "dauerhafte Vertrauenskultur" aufzubauen.

Der Rat der Religionen unterteilt sich in einen "Sprecherrat" und eine Vollversammlung. Ständige Mitglieder im neunköpfigen Sprecherrat sind die evangelische Stadtdekanin Barbara Kittelberger, der katholische Bischofsvikar Rupert Graf zu Stolberg, Aykan Inan vom Münchner Muslimrat, Imam Benjamin Idriz vom Münchner Forum für Islam (MFI), Rabbiner Steven Langnas von der Israelitischen Kultusgemeinde, Apostolos Malamoussis als Vertreter der orthodoxen Pfarrkonferenz sowie je ein Vertreter der koptisch-orthodoxen Kirche, der alevitischen Gemeinde und der Deutschen Buddhistischen Union.
Jeder der neun Sprecher benennt fünf weitere Personen für die Vollversammlung, deren 45 Mitglieder sich ein- bis zweimal pro Jahr treffen sollen.

Zitat

Religion gehört wesentlich zu einem gelingenden Zusammenleben aller Menschen."

Stadtdekanin Barbara Kittelberger

Die evangelische Stadtdekanin Barbara Kittelberger erklärt im Interview, welche Ziele das neue Gremium hat:

Warum braucht es einen Rat der Religionen?
Religion gehört wesentlich zu einem gelingenden Zusammenleben aller Menschen; dies umso mehr als durch die Zuwanderung Menschen mit anderen Religionen bei uns heimisch werden und ihre Religion, ihre Kultur und ihre Vorstellungen mitbringen. Damit eine multireligiöse Gesellschaft auch eine einladende Gesellschaft ist, braucht es Strukturen, in denen Integration gemeinsam eingeübt werden kann. Der "Rat der Religionen" bietet als aktiver Ort des Austauschs die Möglichkeit, die Gemeinsamkeiten in aller Unterschiedlichkeit zu suchen.

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Was ist seine Aufgabe und sein Ziel?
An erster Stelle steht der Aufbau einer Vertrauensstruktur zwischen den beteiligten Gruppen, die durch das gegenseitige Kennenlernen und den Dialog wachsen kann. Es geht aber auch um öffentliche Zeichen und das gemeinsame Auftreten, zum Beispiel bei multireligiösen Gebeten in der Stadtgesellschaft oder bei besonderen Anlässen und gesellschaftlichen Ereignissen. Das vertrauensvolle Miteinander schließt gegenseitige Solidarität mit ein und kann auch bedeuten, dass sich der "Rat der Religionen" in Angelegenheiten, die alle Religionen betreffen, öffentlich zu Wort meldet.

Wo gibt es den größten Annäherungsbedarf zwischen den Religionsgemeinschaften?
Die drei großen abrahamitischen Religionen haben Gemeinsamkeiten und Trennendes. Das jüdisch-christliche Fundament wurde über viele Jahrzehnte immer verlässlicher und hat eine freundschaftliche Dimension, in der das gegenseitige Vertrauen gewachsen ist. Die Annäherung zu den islamischen Religionsgemeinschaften ist vergleichsweise jung und braucht immer wieder Zeichen vertrauensbildender Maßnahmen. Das Münchner Forum für Islam ist eine Plattform, auf der Vertrauen wachsen kann und ein Ort, an dem Kirchengemeinden und Muslime ihre Achtung voreinander, aber auch ihre Fremdheit erleben und stehen lassen können


12.07.2016 / epd