Pressemitteilung vom 03.03.2015

Bayerische Landeskirche stellt Entschädigungsleistungen bereit für Opfer sexualisierter Gewalt

Unabhängige Kommission nimmt die Arbeit auf

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) hat einen weiteren Schritt zur Aufarbeitung sexueller Gewalt in ihrem Verantwortungsbereich gemacht. Menschen, die durch Mitarbeitende der bayerischen Landeskirche oder Diakonie sexualisierte Gewalt erfahren haben, können finanzielle Entschädigungsleistungen erhalten. Damit übernimmt die Leitung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und der bayerischen Diakonie Verantwortung für das Leid, das Opfern sexualisierter Gewalt in ihren Kirchengemeinden und Einrichtungen zugefügt wurde und das oft bis heute nachwirkt. Damit werden die Empfehlungen aus den Beratungen des Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch“, die für die evangelischen Kirchen in der „Orientierungshilfe zu Unterstützungsleistungen an Betroffenen sexuellen Kindesmissbrauchs in Anerkennung ihres Leids“ zusammengefasst sind, umgesetzt.

Finanzielle Leistungen in Anerkennung ihres Leids können Menschen bekommen, die glaubhaft machen, dass sie sexuelle Übergriffe durch kirchliche oder diakonische Mitarbeitende erlitten haben und deren Ansprüche gegenüber den Tätern und den Institutionen inzwischen verjährt sind.

Über die Höhe der finanziellen Leistung entscheidet die „Unabhängige Kommission für finanzielle Leistungen in Anerkennung des Leids“ auf Antrag. Die genauen Grundsätze zur Vergabe der Gelder und die nötigen Antragsformulare finden sich unter: www.bayern-evangelisch.de/anerkennung-von-leid.

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Neben der finanziellen Zuwendung hat die Unabhängige Kommission eine weitere wichtige Aufgabe, wie Kirchenrätin Johanna Beyer, Leiterin der landeskirchlichen Ansprechstelle für Opfer sexualisierter Gewalt erläutert: „Viele Menschen, die sexualisierte Gewalt erlitten haben, wollen zuallererst, dass die Kirche ihr Leid und ihren Schmerz wahrnimmt. Mit der Unabhängigen Kommission hat die Kirchenleitung jetzt ein Gremium eingerichtet, das sich mit jeder einzelnen Lebensgeschichte befasst, sich mit dem und ihrem oder seinem erlittenen Leid beschäftigt und dieses anerkennt.“

Die für drei Jahre berufenen Mitglieder der Unabhängigen Kommission (alphabetisch):

  • Dr. jur. Dorothea Deneke-Stoll, Direktorin des Amtsgerichts Neuburg a.d. Donau, ehemalige Präsidentin der Landessynode der ELKB
  • Dr. med. Veronika Hillebrand, Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse, Lehranalytikerin (BLAEK) BWP, DGPT, MAP, Vorsitzende des Ethikvereins e.V., Ethik in der Psychotherapie
  • Pfarrer i.R. Dr. theol. Ludwig Markert, ehemaliger Präsident des Diakonischen Werkes Bayern
  • Dipl. Soz. Päd. (FH) Hanna Moritzen, Dipl. Supervisorin DGSv, Master of Adult Education, Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Evangelischen Hochschule Nürnberg, Vorstandsmitglied im Frauennotruf Nürnberg e.V.
  • Pfarrer Dr. theol. Hans-Friedrich Stängle, Psychologischer Psychotherapeut und Supervisor, Leiter Haus Respiratio

03.03.2015 / München, Johannes Minkus, Pressesprecher