Kirche im Grünen

Himmelfahrt unter freiem Himmel

Kirche im Grünen

Beim Berggottesdienst klingen Himmelfahrt die Alpenhörner.

Bild: bopyd

Endlich ist er da, der Frühling. Pünktlich mit dem warmen Wetter und Sonnenschein beginnt Christi Himmelfahrt Saison der "Kirche im Grünen".

Die Wettervorhersage für Christi Himmelfahrt ist vielversprechend. Sonne und blauer Himmel wären perfekt, wenn mit rund 70 Gottesdiensten am Donnerstag, 5. Mai, die Zeit der Kirche unter freiem Himmel in Bayern eingeläutet wird. Im Fichtelgebirge-Frankenwald, in der Fränkischen Schweiz, im Fränkischen Seenland, im Bayerischen Wald ebenso wie in den Regionen München und Nürnberg wird die Natur bis Oktober zur Kirche gemacht.

Die Kirchengemeinde Bayreuth-Altstadt veranstaltet zum Beispiel um 10 Uhr am Buchstein (oberhalb der Stadtförsterei) einen traditionellen Waldgottesdienst zu Christi Himmelfahrt. Der Gottesdienst wird von den Klängen eines Posaunenchors begleitet. Im Anschluss wird zu einem kleinen Imbiss eingeladen. Das Pfarramt Ruhpolding lädt um 11 Uhr zu einem Berggottesdienst mit Alphorngruppe auf dem Rauschberggipfel ein. Auf 1.645 Meter Höhe hat man einen grandiosen Blick über den Chiemsee und einige Gipfel der Chiemgauer Alpen. Teilnehmer am Gottesdienst können ermäßigt mit der Rauschbergbahn fahren. Die Gemeinde Selbitz feiert ab 9 Uhr einen ökumenischen Gottesdienst am Wachhügel. Und die Gemeinde der Nürnberger Lutherkirche zieht mit dem Familiengottesdienst um 10 Uhr in den Kirchgarten.

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Gefeiert wird ein Wunder. Christi Himmelfahrt ist immer 40 Tage nach Ostern und zehn Tage vor Pfingsten. Im Kern des Feiertages steht ein Wunder, ein Ereignis, dass man nicht rational erfassen kann. Die Trauer der Jüngerinnen und Jünger war an Ostern zunächst dem Erstaunen über die Auferstehung gewichen. Die folgenden Wochen mögen für sie eine Zerreißprobe gewesen sein – schwankend zwischen Hoffnung und Euphorie, Zweifel und Orientierungslosigkeit. Die Bibel berichtet, dass Jesus immer wieder Einigen unter ihnen erscheint, die wohl getrennt voneinander auf dem Rückweg von Jerusalem in ihre Heimat Galiläa waren. Doch diese Treffen sind immer von einer eigenartigen Verklärung der Jüngerinnen und Jünger geprägt, sie wirken eher wie Visionen und nicht wie tatsächliche Situationen. An Christi Himmelfahrt erscheint Jesus dann dem Elferkreis in Jerusalem, er macht sich in der Feier des Abendmahls konkret körperlich erfahrbar und gibt seinen Jüngerinnen und Jüngern den Auftrag, sein Wort in der ganzen Welt zu verkünden. Dann wird er vor den erstaunten Blicken der Anwesenden in den Himmel entrückt. In theologischer Hinsicht stellt die Himmelfahrt Jesu ein zentrales Moment dar: Jesus wird hier als Sohn Gottes in den Himmel gehoben – am Kreuz war er ganz und gar Mensch, nun ist er wieder ganz und gar Gott.

In Deutschland verbindet sich das Fest mit dem Vatertag. Auch wenn man es nicht vermuten würde, liegen dessen Wurzeln auch in der christlichen Tradition: So war es wohl üblich, an Himmelfahrt Ausritte zu machen bei denen die eigenen Ländereien begutachtet wurden.

04.05.2016 / Kerygma