Frühjahrstagung Landessynode

Leben auf dem Land und interreligiöser Dialog

Landessynode Plenum

Schwerpunktthema der Frühjahrstagung war diesmal Kirche im ländlichen Raum.

Bild: ELKB

Mit Beschlüssen zu Rechtsextremismus, dem interreligiösen Dialog und Bildung ist die Frühjahrstagung der bayerischen evangelischen Landessynode in Ansbach zu Ende gegangen.

Grundlage dieses von Synodenpräsidentin Annekathrin Preidel bezeichneten "Dreiklangs" ist vor allem die Flüchtlingsfrage: Mit der Handreichung gegen Rechtsextremismus verpflichtet sich die Landeskirche, für Menschenfreundlichkeit und gegen Fremdenfeindlichkeit einzutreten. Die Gemeinden, aber auch jeder einzelne Christ, sollten deshalb Flüchtlingen beistehen, wenn sie bedroht oder angegriffen werden, heißt es in dem Papier.

In ihrer Konzeption zum interreligiösen Dialog fordert die Landessynode Christen zu Selbstbewusstsein auf. Im Gespräch mit Muslimen etwa müssten "Errungenschaften unserer offenen Gesellschaft" - also Menschenrechte, Gleichwertigkeit von Mann und Frau oder die freiheitlich-demokratische Grundordnung - mit Nachdruck eingebracht werden. Zugleich sollen Christen gegen Islamfeindlichkeit und für Religionsfreiheit auch in islamisch geprägten Ländern eintreten. Außerdem verabschiedeten die Synodalen das Bildungskonzept "Horizonte weiten - Bildungslandschaften gestalten", das auf die Herausforderungen durch Leistungsgesellschaft und religiösen Pluralismus eingehen und die Bildungsträger in den Regionen vernetzen soll.

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In seinem Bericht vor dem Kirchenparlament der 2,5 Millionen bayerischen Protestanten forderte auch Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, sich mit der Religion der Flüchtlinge zu beschäftigen. Denn inzwischen kämen die evangelischen Kirchenmitglieder aus 166 Nationen, zehn Prozent von ihnen seien nicht in Deutschland geboren. Zugleich forderte der EKD-Ratsvorsitzende mehr Engagement gegen islamfeindliche Strömungen. Außerdem müssten die Religionen gemeinsam ein klares Zeugnis gegen jede Rechtfertigung von Gewalt abgeben.

Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel sagte, ein ernsthafter Dialog zwischen den Religionen müsse davon geprägt sein, dass "wir die eigenen Quellen und Wurzeln kennen und diese selbstbewusst im Gespräch akzentuieren". Deshalb dürfe man in diesem Dialog die eigene Überzeugung nicht preisgeben, aber auch die eigene Position nicht intolerant oder gar gewaltsam durchsetzen.

Schwerpunktthema der Frühjahrstagung war diesmal Kirche im ländlichen Raum - für den Bamberger Erzbischof Ludwig Schick ein zentrales Anliegen von evangelischer wie katholischer Kirche. In seinem Grußwort warb der katholische Theologe für mehr Ökumene. "Wir müssen über unseren eigenen Kirchturm hinausschauen" und versuchen, wieder mehr Christen für die Kirche zu aktivieren. Nur so bleibe Kirche im Dorf präsent. Denn die Zahl der Hauptamtlichen werde zurückgehen.

Zitat

Wir müssen über unseren eigenen Kirchturm hinausschauen und versuchen, wieder mehr Christen für die Kirche zu aktivieren."

Erzbischof Ludwig Schick

Der Berliner evangelische Bischof Markus Dröge warnte angesichts sinkender Kirchenmitgliedszahlen und des demografischen Wandels davor, Kirchen zu verkaufen. Auch ungenutzte Kirchengebäude müssten erhalten werden. Sie seien dann "Kirchen im Wartestand", warteten also darauf, von den nächsten Generationen wieder genutzt zu werden. Eine "Vergoldung der Kirche" durch Verkauf sei aber die denkbar schlechteste Lösung, warnte Dröge.

Eine Premiere gab es in Sachen Kirchenmusik: Rechte und Pflichten der Kirchenmusiker wurden zum ersten Mal in einem eigenen Gesetz festgelegt, das die Synodalen mit großer Mehrheit verabschiedeten. Ein Abschnitt des Gesetzes regelt die Zusammenarbeit der 120 hauptamtlichen Kirchenmusiker mit den Pfarrern und den Gemeinden, etwa bei der Auswahl der Lieder für die Gottesdienste.

Bei der Synodentagung wurde außerdem der Fundraising-Preis der Landeskirche vergeben. Den mit insgesamt 15.000 Euro dotierten Preis erhielten die Jugendbildungsstätte Neukirchen für ihr Projekt "Arche 2020", die Initiative "Dir werd ich helfen!" aus Schwabach, die Aktion "Luther blüht!" der Kirchengemeinde Oberviechtach, die Paul-Gerhardt-Schule in Kahl am Main und das Minigolfturnier "archecup" des Diakonischen Werkes Rosenheim.

Die kommende Tagung der bayerischen Landessynode findet Ende November in Bad Reichenhall statt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den kirchlichen Finanzen.


25.04.2016 / epd