Geistliches Wort zu Ostern

Still und stark

Dorothea Greiner

Dorothea Greiner

Bild: ELKB / Poep

"Überall wo Menschen an Jesus glauben, beginnt die Liebe zu leben", Oberkirchenrätin Dorothea Greiner, Regionalbischöfin im Kirchenkreis Bayreuth, in ihrem geistlichen Wort zu Ostern. 


Es war ein unbemerktes, stilles Geschehen an jenem ersten Ostermorgen, als Jesus auferstand. Doch es war der wirkungsvollste Akt gegen Gewalt, Tod und Hass, den die Welt je erlebt hat. In ihm ist eine Kraft, die bis heute wirkt und die wir dringend brauchen.

Unsere Welt wirkt gegenwärtig auf mich, als sei sie aus den Fugen. Immer wieder schütteln mein Mann und ich den Kopf, wenn wir in den Medien sehen, hören, lesen, was schon wieder passiert ist. Wie damals, als Jesus gekreuzigt wurde, scheinen Gewalt und Brutalität zu regieren. Aber Christen wissen es besser: Der Schlange todbringenden Hasses ist der Kopf zertreten. Sie schlägt wild mit ihrem Leib. Doch sie ist besiegt. In der Auferweckung Jesu hat sich Gott gezeigt - still, doch viel mächtiger als alles. Und er hat zugleich Jesu Weg der Liebe bekräftigt.

Blenden wir zurück: Die Jünger und Jüngerinnen damals rechneten in keiner Weise mit einer bevorstehenden Auferweckung. Sie waren gelähmt durch die schreckliche Erfahrung des Todes Jesu am Kreuz. Sie hatten tödliche Brutalität gegenüber einem gewaltlosen, geliebten Menschen unmittelbar wahrnehmen müssen. An der Geschichte der Emmausjünger wird sichtbar, wie depressiv ihre Stimmung war. Die Bewegung um Jesus wäre mit seinem Tod unweigerlich zu Ende gewesen. Es war das überraschende leere Grab und die Erscheinungen des Auferstandenen, durch die den Jüngern klar wurde: Es ist nicht aus. Tod und Gewalt haben doch nicht das letzte Wort. Jesus, der große Liebende, Heilende, Erlösende lebt. Er ist die personifizierte Hoffnung für diese Welt.
 

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Von da an orientierten sie wieder ihr Leben an ihm. Sie erzählten von ihm voll Freude, und diese Freude bereitete sich aus in vielen Ländern durch die Zeit bis in die Gegenwart - und es geht weiter: Selbst in Ländern, in denen das Christentum unterdrückt ist, wachsen christliche Gemeinden, und Menschen öffnen sich der Friedens- und Liebesmacht Jesu. Wer von uns hätte mit einer Erweckung im Iran gerechnet?! Doch sie geschieht: Viele Menschen flüchten aus dem Iran zu uns. Dort waren sie teilweise schon heimlich in Hauskreisen und lasen einzelne Kapitel der Bibel, die ihnen von Freunden aus Europa via Internet gesandt worden waren. Sie sagen uns: "Das Christentum ist die Religion der Freiheit und Liebe!" Ihr Zeugnis bestätigt uns: In Christus ist Hoffnung für diese Welt.

Hilflos wirkt unser Kopfschütteln manchmal nach neuer Nachricht über die Kämpfe in Syrien, über islamistische Anschläge oder Tötungsdelikte mitten in unserer Gesellschaft. Brutalität hat so viele Facetten. Mögen in der Welt Gewalt, Lieblosigkeit und Unehrlichkeit normal scheinen - der Erlöser lebt. Wir Christen rufen in den Ostergottesdiensten: "Christus ist auferstanden." Und antworten einander: "Er ist wahrhaftig auferstanden." Die zerstörerischen Kräfte der Welt sind angezählt.

Egal zu welcher Konfession wir gehören - als Christen sind wir Protestanten. Protest bedeutet vom Wortsinn eigentlich nicht ´gegen etwas` sein, sondern ´für etwas zeugen`. Christen sind nicht nur Protestleute gegen Hass und Tod. Wir bezeugen: Jesus lebt. Im Iran und bei uns - überall, wo Menschen an ihn glauben, beginnt die Liebe zu leben. Seine Kraft wirkt doch - still und stark.
 


16.04.2017 / Dorothea Greiner/epd