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Gerechte Bezahlung für Frauen und Männer

hellblaues und rosa Sparschwein

Wenn es um das Gehalt geht sind die Männer noch weit vor den Frauen - mahnen die Frauengleichstellungsstelle der ELKB, das Frauenwerk Stein und der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (kda).

Bild: © iStockPhoto / s-c-s

Die evangelischen Frauen in Bayern beklagen eine ungerechte Bezahlung von Männern und Frauen im Beruf.

In einer gemeinsamen Stellungnahme der Fachstelle für Frauenarbeit, des Referats für Chancengerechtigkeit, der evangelischen Frauen in Bayern sowie der Diakonie Bayern und des Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (kda) anlässlich des "Equal Pay Day" am 18. März heißt es, die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen sei nach christlicher Überzeugung ein Gebot der Gerechtigkeit. "Existenzsicherung und Anerkennung menschlicher Arbeit gehören nach evangelischer Auffassung zu den fundamentalen Bedingungen einer gerechten Gesellschaft."

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Frauen verdienen brutto pro Stunde durchschnittlich rund ein Fünftel (21 Prozent) weniger als Männer. Der "Equal Pay Day" bezeichnet symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssten, um auf das gleiche durchschnittliche Jahresgehalt zu kommen wie Männer. Er fällt in 2018 auf den 18. März. Eine "fatale Kombination aus traditioneller Arbeitsverteilung und fragmentierter Erberwerbsbiographie" führe dazu, dass Frauen vor allem im Alter deutlich stärker von Armut bedroht seien als Männer, heißt es in dem Papier des evangelischen Bündnisses.  Da Männer in Deutschland mehr als doppelt so hohe Einkommen aus der Alterssicherung erhielten wie Frauen, liege der Gender Pension Gap in Deutschland bei 57 Prozent. OECD-weit betrage dieser Unterschied nur 27 Prozent.

Stellungnahme "Armut ist weiblich" im Wortlaut

Die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen ist nach christlicher Überzeugung ein Gebot der Gerechtigkeit. Existenzsicherung und Anerkennung menschlicher Arbeit gehören nach evangelischer Auffassung zu den fundamentalen Bedingungen einer gerechten Gesellschaft. Chancen- und Geschlechtergerechtigkeit sind zentrale Anliegen, für die wir gemeinsam eintreten. 

Informationen zum Thema Gender Pay Gap

Gender Pay Gap

Der Gender Pay Gap (auch Gender Wage Gap) bezeichnet die geschlechtsspezifische Einkommenslücke. Er beschreibt den prozentualen Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Brutto-Stundenlohn von abhängig beschäftigten Männern und Frauen.

Ungerechtigkeit besteht in Deutschland nach wie vor nicht nur bezüglich der Entlohnung von Frauen und Männern, auf die der Gender Pay Gap verweist, sondern auch hinsichtlich der Rente. Die Basis unserer Rente ist die Höhe des Einkommens, das wir im Laufe unserer Erwerbstätigkeit erzielen. Eine fatale Kombination aus traditioneller Arbeitsverteilung, Rollenklischees, unentgeltlicher Arbeit und einer fragmentierten Erberwerbsbiographie, die nicht selten durch Teilzeit und schlecht bezahlter Erwerbsarbeit charakterisiert ist, führt dazu, dass Frauen vor allem im Alter deutlich stärker von Armut bedroht sind als Männer. Da Männer in Deutschland mehr als doppelt so hohe Einkommen aus der Alterssicherung erhalten wie Frauen, liegt der Gender Pension Gap in Deutschland bei 57 Prozent. OECD-weit beträgt dieser Unterschied nur 27 Prozent.  

Ein Bewusstsein für die Trageweite des Problems schaffen

Worum es uns geht: Wir möchten in der Debatte über Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern deren Auswirkungen auf Altersarmut aufzeigen, anhand von Beispielen wichtige Gründe für Ursachen verdeutlichen und so das Bewusstsein für das Ausmaß und die Tragweite des Problems für Frauen schärfen und alle beteiligten Akteurinnen und Akteure sensibilisieren und zum Handeln mobilisieren.

Grundlage für unsere Beispiele sind Erfahrungen von Frauen. Wir haben für den Equal Pay Day1 2018 Frauen befragt, und sie haben ihre Geschichten, Sorgen, Ängste und auch Empfehlungen aufgeschrieben. Herausgekommen ist eine Auswahl an Lebenseinblicken, in denen Frauen unterschiedlichen Alters erzählen, warum Altersarmut für sie ein Thema ist, jetzt oder in der Zukunft. Die Texte und unsere Überlegungen dazu sollen zum Nachdenken und hoffentlich auch zum Handeln anregen.

Zitat

Ich werde vermutlich von Altersarmut betroffen sein. Wie ich dagegen angehe – das ist mir ein Rätsel. Auf einen Lottogewinn kann ich nicht spekulieren – ich spiele auch nicht. Sparsamkeit ist angesagt – in vielen Bereichen. Und trotzdem geht es mir noch gut. Immer wieder einmal besuche ich die Tafel in einer nahe gelegenen Gemeinde um zu helfen. Ich sehe Vieles – und möchte irgendwann nicht dazugehören. Aber vielleicht bleibt mir nichts anderes übrig?"
 

Frau, 60 Jahre, zitiert bei der Fachstelle für Frauenarbeit.

Worum es uns geht – Positionsbestimmung:

Es geht uns um
 

  • die Förderung einer Kultur, die der Arbeit von Frauen und Männern den gleichen Wert beimisst. Dies gilt auch für alle Formen der Sorgearbeit. 
  • eine gleichstellungspolitische Reform des Steuerrechts.
  • familiengerechte flexible  Arbeitsstrukturen, die eine partnerschaftliche Aufteilung der Arbeitszeit ermöglichen und Freiräume für ehrenamtliche Arbeit und die Mitgestaltung der Gesellschaft ermöglichen.
  • eine gut ausgebaute, wohnortnahe und qualitativ hochwertige Infrastruktur, die flächendeckend bei der Erziehung der Kinder und bei der Pflege der Angehörigen unterstützt.
  • die Einführung der Sozialversicherungspflicht bei abhängiger Beschäftigung ab dem ersten Euro.
  • die Anrechnung von Erziehungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung unabhängig vom Geburtsjahr und der Anzahl der Kinder
  • die Sensibilisierung von Frauen im Blick auf die Risiken, die eine traditionelle innerfamiliäre Arbeitsteilung für die Lebenslaufperspektive bergen kann.

 (Quelle: Stellungnahme zum Equal Pay Day)

Diakonisches Werk Bayern
EFB – Evangelische Frauen in Bayern
FrauenWerk Stein e.V. in der ELKB, Fachstelle für Frauenarbeit
Referat für Chancengerechtigkeit in der ELKB
kda Frauen+Arbeit – Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der ELKB


16.03.2018 / ELKB