Kampagnen

Syrien

Flüchtlinge brauchen dringend Hilfe

Familie im Flüchtlingslager

„Am meisten vermisse ich meine Familie“ - Syrische Flüchtlinge

Bild: Diakonie Katastrophenhilfe (Foto: Christoph Püschner)

Seit 2011 ist Krieg in Syrien. Die traurige Bilanz: 400.000 Tote, unzählige Verletzte, 11 Millionen Menschen auf der Flucht – innerhalb Syriens, in Nachbarländern und Europa.

Wir erleben eine der größten Flüchtlingskatastrophen unserer Zeit: Der Krieg in Syrien und die gewaltsamen Auseinandersetzungen im Irak haben ein unvorstellbares Leid zur Folge und bedrohen die Sicherheitslage des gesamten Nahen Ostens. Seit Ausbruch des Krieges in Syrien im März 2011 und durch den gewaltsamen Vormarsch des sogenannten Islamischen Staats (IS), hat sich die Lage der Bevölkerung in der Region immer weiter verschlechtert. Ein Ende der dramatischen Situation ist vorerst nicht absehbar. Millionen Menschen sind dringend auf Humanitäre Hilfe angewiesen.

Mittlerweile haben über 15 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen müssen. Die Kapazitäten der Gastländer sind angespannt, die staatlichen Stellen überfordert. Im Frühjahr 2012 startete die Diakonie Katastrophenhilfe mehrere Hilfsprojekte für Menschen, die aufgrund der schweren Kämpfe innerhalb des Landes vertrieben werden oder in den Nachbarstaaten Irak, Jordanien, Libanon und Türkei Schutz suchen.

Zitat

Die Diakonie Katastrophenhilfe passt derzeit die Strukturen für ihre Hilfe in Syrien bestmöglich an, damit wir neben der immer noch wichtigen Nothilfe auch einen Schritt weiter denken können: Einkommensschaffende Maßnahmen und Bildungsprogramme sind  für uns schon wichtige Bestandteile unserer Arbeit in Syriens Nachbarländern und sollen es auch in Syrien sein.

Michael Frischmuth ist der Kontinentalleiter für Asien bei der Diakonie Katastrophenhilfe.

In Syrien engagiert sich die Diakonie Katastrophenhilfe seit 2012 für Menschen, die aufgrund schwerer Kämpfe innerhalb ihres Landes vertrieben wurden oder in den Nachbarstaaten Schutz gesucht haben. Der Schwerpunkt liegt seit drei Jahren in der Versorgung und Unterstützung von Flüchtlingsfamilien, die den Anrainer-Staaten Türkei, Libanon, Jordanien und Irak Schutz suchen. Seitdem hat die Diakonie Katastrophenhilfe mehr als 53,8 Millionen Euro bereitgestellt, davon mehr als 12,7 Millionen Eigenmittel. Bisher konnten damit mehr als 956.000 Flüchtlinge erreicht werden.

Hilfe für Flüchtlinge in Nachbarstaaten

Zu den Hilfsmaßnahmen für Flüchtlinge in den Nachbarstaaten Syrien gehört die Verteilung von Nahrungsmitteln, Hygieneartikeln, Küchenutensilien, Decken, Matten oder Heizmaterial für den Winter. Außerdem werden in Gemeindezentren Selbsthilfegruppen und Bildungsarbeit angeboten, um die Herausforderungen des Alltags aus eigener Kraft bewältigen zu können.

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In verschiedenen Projekten werden zudem einkommensschaffende und berufsbildende Maßnahmen realisiert. Die Diakonie Katastrophenhilfe konzentriert sich in den Nachbarstaaten besonders auf die Familien, die außerhalb der offiziellen Camps in Gemeinden unterkommen. Das sind rund 85 Prozent aller Flüchtlingsfamilien.

Nothilfe für zurückgekehrte Familien

Von den tausenden Familien, die in den letzten Jahren ihr Zuhause verlassen weil ihre Kleinstädte im Kampf zwischen Rebellen und Regierung attackiert wurden, sind viele zurückgekehrt. Denn inzwischen wurde der IS aus der Region vertrieben, doch die Häuser der Menschen sind schwer beschädigt oder zerstört. Allein die beiden Kleinstädte Mhardeh und Sqelbiyah im ländlichen Hama wurden 2017 hunderte Male vom sogenannten „Islamischen Staat“ attackiert, Berichten zufolge gab es etwa 10.000 Einschläge. Ihre Häuser bieten ihnen jetzt weder Schutz noch Obdach, die notwendigen Rohstoffe können viele Familien noch nicht finanzieren.

Ein Projekt der Diakonie Katastrophenhilfe unterstützt 400 Familien dabei, ihre Häuser notdürftig bewohnbar zu machen. Rund 2.100 Menschen wird durch das Projekt ein notwendiges Obdach zurückgegeben. Sie erhalten eine Basis, um sich ihr Leben neu aufzubauen. Die Partnerorganisation GOPA setzt die Reparaturen zusammen mit einer Baufirma um, besonders begünstig werden bedürftige Familien mit Kindern, geringem Einkommen oder alten Menschen, die bisher keine Unterstützung bekommen haben. Seit Jahren arbeitet die Diakonie Katastrophenhilfe mit der Partnerorganisation IOCC (International Orthodox Christian Charities) und dem lokalen Partner GOPA (Greek Orthodox Patriarchate of Antioch and all the East) zusammen. In der Vergangenheit hat das Hilfswerk bereits den Wiederaufbau von zwei Schulen in der Stadt Homs unterstützt.

Syrische Fluechtlinge im jordanischen Zaatari Refugee Camp.

Im Zaatari refugee camp, dass nahe der syrischen Grenze liegt, leben zur Zeit fast 170.000 syrische Fluechtlinge. Die Diakonie Katastrophenhilfe hilft syrischen Flüchtlingsfamilien innerhalb und außerhalb von Lagern.

Bild: Christoph Pueschner / Diakonie Katastrophenhilfe

Eindrücke vom Besuch im Nordirak – 13. bis 17. November 2013

Eine Delegation der bayerischen Landeskirche ist im November 2013 vor Ort gereist. Kirchenrat Thomas Prieto Peral, damals Referent für Ökumene und Weltverantwortung in der bayerischen Landeskirche, schildert seine Eindrücke: "Im kurdisch regierten Norden des Irak finden seit Jahren Christen aus Bagdad Zuflucht und seit einigen Monaten auch zehntausende Flüchtlinge aus Syrien. Die ELKB hilft den Christen dort seit fast 20 Jahren und jetzt auch den vielen Flüchtlingen aus Syrien. Bei einem Besuch im November machten sich Thomas Prieto Peral und Horst Oberkampf mit einer Delegation und Journalisten ein Bild von der Lage.

Das beherrschende Thema im Nordirak sind die Flüchtlinge aus Syrien. Die Wege von Erbil nach Syrien sind nicht weit. Wir besuchten zwei Flüchtlingslager im Nordirak: Eines liegt in der Nähe von Erbil in Khabat – dort sind 13.000 Kurden aus Syrien untergebracht. Das andere Camp liegt in der Nähe von Dohuk in Domiz. Dort sind etwa 60.000 Flüchtlinge untergekommen. Im Irak sollen etwa 120.000 bis 130.000 Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen sein. In Irakisch Kurdistan sind die meisten Flüchtlinge im Irak aufgenommen worden.

Der Besuch dieser beiden Flüchtlingslager war eine emotionale Herausforderung: Die vielen Menschen, die hier Zuflucht gefunden haben; die abertausenden Zelte, die oft Wand an Wand da standen; die wenigen persönlichen Gegenstände, die in den Zelten aufbewahrt waren; die Menschen, die oft apathisch da saßen und warteten; andere waren voller Energie und eröffneten z.B. kleine Läden (Gemüse und Obst, Friseur, Computer Geschäft, Kleider usw.) oder waren ständig unterwegs.

In einem Lager hörten wir von zwei Flüchtlingen aus Damaskus, die jetzt Verantwortung im Lager Khatab hatten, wie sie ihre Situation und damit auch ihre gegenwärtige Lebenseinstellung empfinden: “Ich habe keine Zukunft, ich weiß nicht, wie es weiter gehen soll”. Und die Frau sagte: ”Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Die Hoffnung dürfen wir nie aufgeben, denn wir wollen leben.” Beide Aussagen spiegeln die Gefühle und die Erwartungen vieler Flüchtlinge wider.

Beide Lager scheinen gut organisiert zu sein. Sie werden vom Hohen Flüchtlingskommissar der UN finanziell unterstützt, die Zelte kommen von dort. Die Leitung der “Zeltstädte” wird von einheimischen Kräften, also von Kurden übernommen, die dazu von der Regierung beauftragt wurden. Man kann es sich kaum vorstellen, wie diese Flüchtlingscamps organisiert und geleitet werden. So viele Probleme sind täglich zu regeln: die Frage der Sicherheit, der Kanalisation; die Frage der medizinischen Betreuung, das Problem der Nahrungsmittel und des Essens usw. Wichtig ist die Beschäftigung der Kinder. Provisorische Kindergärten und Schulen sind eröffnet worden.

Jetzt kommt der Winter, und die Flüchtlinge werden in ihren Zelten Kälte und Schnee und auch Regen ertragen müssen. Die ELKB wird deshalb (wie im letzten Winter) Winterhilfe geben, Mittel für Decken, Heizungen und anderes. Die Landessynode hat unter anderem dafür Ende November 550.000 Euro Sondermittel bewilligt, mit denen schnell geholfen werden kann.

Beeindruckend ist das kleine Traumahilfezentrum im Camp Domiz, das von Salah Ahmad geleitet wird. Es ist entstanden aus einer Kooperation von ELKW, Wings of Hope und dem lokalen „Kirkuk Center for Torture Victims“. Viele Mütter mit ihren Kindern sitzen in den Warteräumen, um endlich über ihre zerschundene Seele sprechen zu können oder zu verstehen, warum ihre Kinder nach Bombenangriffen nur noch apathisch sind. Sie hoffen, diese Traumatisierung, verursacht durch Gewalt und Zerstörung, heilen zu können. Das gehört wesentlich dazu, dass Menschen wieder nach vorne blicken und aufrecht in ihre Zukunft gehen können."

Engagiert seit mehr als 20 Jahren

Die bayerische Landeskirche hilft den Christen in Syrien seit mehr als 20 Jahren. Für die syrischen Flüchtlinge, die nach Deutschland flohen, hat die Landeskirche auch Wohnraum zur Verfügung gestellt. Ebenso unterstützt sie Hilfsaktionen der Diakonie Katastrophenhilfe vor Ort.

Die Diakonie Katastrophenhilfe ist gemeinsam mit Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst -Teil des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung. Sie leistete bisher für syrische Flüchtlinge Hilfe mit neun Millionen Euro. Seit September unterstützt sie auch Partnerorganisationen, die direkt in Syrien humanitäre Hilfe leisten. Um noch mehr Menschen zu erreichen, ist die Diakonie Katastrophenhilfe zusammen mit ihren Partnern auf Spenden angewiesen.


16.01.2018 / ELKB/Diakonie Katastrophenhilfe

01.06.2025